UN-Klimagipfel in Kattowitz: Ex-Präsident der Malediven beklagt Untätigkeit der Welt

ARCHIV - Mohamed Nasheed hält am 17.10.2009 den Vorsitz in der weltweit ersten Unterwasserkabinettssitzung auf den Malediven. Das Kabinett unterzeichnete einen Appell an die Welt, die Treibhausgase zu reduzieren. Der Klimawandel bedroht das Insel-Par
Im Jahr 2009 hielten die Malediven unter Mohamed Nasheed eine Kabinettssitzung unter Wasser ab, um auf die Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel hinzuweisen. © dpa, epa

Vom UN-Klimagipfel in Kattowitz berichtet Oliver Scheel

Mit einem emotionalen Aufruf hat Mohamed Nasheed, Ex-Präsident der vom Untergang bedrohten Malediven, beim Klimagipfel in Kattowitz die Untätigkeit der Welt angeklagt. "Die Korallenriffe sterben, aber wir sind nicht bereit zu sterben. Wir geben nicht auf im Kampf gegen das Wasser. Wir werden unsere Köpfe über Wasser halten", rief er.

Nasheed hatte 2009 in einer Aufsehen erregenden Aktion mit seinem Kabinett eine Unterwassersitzung abgehalten, um auf die Bedrohung seiner Inseln aufmerksam zu machen. Dann ging Nasheed hart ins Gericht mit den Klimagipfeln und dem Engagement der Welt gegen den Klimawandel. "Es ist völlig verrückt, immer weiter CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Wir sprechen hier bei diesen Gipfeln immer noch die Dinosaurier-Sprache. Was hat sich in den letzten zehn Jahren geändert? Der Ausstoß steigt und steigt und steigt und die Welt redet und redet und redet", sagte er.

"Diese Gipfel kosten 60 oder 70 Millionen Euro und was haben wir erreicht? Nichts!"

13.12.2018, Polen, Kattowitz: Mohamed Nasheed, ehemaliger Präsident von Malediven, spricht nach einer Pressekonferenz beim Weltklimagipfel mit Journalisten. Der UN-Klimagipfel zum Klimawandel findet vom 03.-14.12.2018 in der südpolnischen Stadt Katto
Mohamed Nasheed platzte beim Klimagipfel in Kattowitz der Kragen. "Wir haben nichts erreicht", rief er. © dpa, Monika Skolimowska, skm kno

Nasheed redete sich am Rande der zähen Verhandlungen im polnischen Kohlerevier richtig in Fahrt: "Diese Gipfel kosten 60 oder 70 Millionen Euro und was haben wir erreicht? Nichts!" Der gelernte Ozeanograph brachte aber auch konstruktive Vorschläge: "Wir müssen in saubere Energie investieren. Und zwar in einem solch großen Maße, dass es sich einfach nicht mehr lohnt, sich auf die alten Energien zu verlassen."

Beistand bekam Nasheed vom philippinischen Vertreter: "Ihre Kinder werden Sie verurteilen für das, was hier in Kattowitz passiert. Jetzt ist die Zeit für Führungsstärke, nicht für Feigheit", rief er in den Saal.

"Wir bezahlen das mit Menschenleben"

Der Sprecher der Gruppe der ärmsten Staaten, der Äthiopier Gebru Jember Endalew, sieht seine Bürger an der "Front" des Klimawandels. "Wir bezahlen das mit Menschenleben", sagte er. Monatelang falle kein Regen in den Bergen, die Lebensgrundlage der Menschen schwinde. 

Auch die Sprecherin der Marshall-Inseln klagte in Polen die Welt an: "In unserer Hymne heißt es "Für immer Marshall-Inseln". Aber unser Land ist sehr angreifbar und verletzlich geworden. Unsere Küstenlinie und das Leben vor der Küste sind bedroht. Wir erwarten von der Welt, dass sie endlich agiert."