35 Jahre nach Super-GAU in Tschernobyl

Warum Wildschwein und Pilze essen in Bayern immer noch gefährlich ist

Der Boden in Bayern ist auch 35 Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl verstrahlt. Da Wildschweine im Boden wühlen, sollte man sie heute immer noch nicht essen.
Wildschweine wühlen im Boden und der ist vor allem in Bayern immer noch mit Caesium 137 belastet - eine Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. © dpa, Lino Mirgeler, lim kde jol gfh miu

Radioaktive Belastung: Pilze und Wildschweine sind immer noch kontaminiert

Am 26. April 1986 wurde im Kernkraftwerk von Tschernobyl ein vollständiger Stromausfall simuliert. In der Folge dieses Tests kam es wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Vor nunmehr 35 Jahren explodierte Reaktorblock 4 und löste die Katastrophe aus. In der Folge dieses Unfalls zog eine radioaktive Wolke durch halb Europa – sie erreichte auch Bayern. Mit Folgen bis heute: Denn nach wie vor ist es vor allem in Bayern nicht ungefährlich, Wildschwein oder Pilze zu essen. Wir erklären, warum.

Warum ausgerechnet Wildschweine?

Bei dem Unfall gelangten radioaktive Stoffe, darunter die Isotope Caesium 137 mit einer Halbwertszeit (HWZ) von rund 30 Jahren in die Atmosphäre. In Deutschland war Bayern betroffen: Südbayern, Teile von Schwaben, der Bayerische Wald und auch einige Gebiete in der Oberpfalz und in Oberfranken wurden 1986 vom radioaktiven Niederschlag erfasst.

Bis heute sind Wildschweine radioaktiv belastet. Warum ausgerechnet die Schwarzkittel? Wie der Bayerische Jagdverband berichtet, liegt das an den Lebensgewohnheiten dieser Wildart – Wildschweine suchen im Gegensatz zu anderen Wildtieren einen Großteil ihrer Nahrung im Boden. Sie ernähren sich von Wurzeln, Pilzen, Engerlingen. Das Caesium 137 liegt in den oberen Bodenschichten und wird von den Tieren aufgenommen. Weil es auch über die Wurzeln von den Bäumen aufgenommen wird, erneuert sich der Kreislauf jeden Herbst, wenn die belasteten Blätter wieder auf den Boden fallen.

Bei Gemüse, Getreide und Milch sind die Werte viel geringer, weil das Caesium ausgespült und untergepflügt wird. Auch Rehwild ist nicht so belastet, die Tiere fressen keine Pilze und wühlen den Boden nicht auf.

In Bayern lieber keine Pilze sammeln

Beim Pilze sammeln in Bayern sollte man weiterhin vorsichtig sein. Die radioaktiven Grenzwerte können hier immer noch überschritten werden.
Vorsicht beim Pilze sammeln in Bayern. Die radioaktiven Grenzwerte können immer noch überschritten sein. © picture alliance / blickwinkel/M, McPHOTOs

35 Jahren nach der Katastrophe ist der Boden immer noch etwa halb so stark belastet wie damals. Es besteht aber ein Verbot, Wildbret in den Handel zu bringen, das die Grenzwerte überschritten hat. Dazu hat der Bayerische Jagdverband (BJV) in den 90er Jahren damit begonnen, ein flächendeckendes Netz von Radiocäsium-Messstationen zu errichten.

Wer ganz sicher gehen will, verzichtet in Bayern auf Wild und vor allem auf selbst gesammelte Pilze.

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(osc)