Tropensturm 'Harvey': Dammbruch bei Houston - Louisiana rüstet sich für die Fluten

30.000 Menschen obdachlos

Tropensturm 'Harvey' setzt den Süden der USA weiter unter Wasser - eine Entspannung ist nicht in Sicht. Ein Damm läuft über, ein anderer bricht. Und neben Texas bereiten sich nun auch die Einwohner des Nachbarstaates Louisiana auf das Schlimmste vor.

Ausnahmezustand in Houston und Louisiana

U.S. President Donald Trump (R) shakes hands with Texas Governor Greg Abbott during a briefing on Tropical Storm Harvey relief efforts  in Corpus Christi, Texas, U.S., August 29, 2017. REUTERS/Carlos Barria
US-Präsident Trump macht sich in Corpus Christi, Texas ein Bild von der Lage. © REUTERS, CARLOS BARRIA, SAV

Auch am Dienstag regnete es im Südosten des Bundesstaates weiter, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte. In der besonders schwer getroffenen Stadt Houston lief ein Damm über. Ein anderer in Brazoria County brach.

Auch der Bundesstaat Louisiana rüstete sich für Überflutungen. In beiden Bundesstaaten gilt der Notstand. US-Präsident Donald Trump machte sich in der texanischen Stadt Corpus Christi ein Bild von der Lage. Trump dankte den Rettungskräften und den Vertretern örtlicher Behörden für ihre Leistungen im Kampf gegen die Fluten. Es sei jedoch noch zu früh, sich gegenseitig zu gratulieren. "Das tun wir erst, wenn es vorbei ist", sagte der Präsident.

Tausende Texaner auf der Flucht

Nach dem Dammbruch in Brazoria County forderten die Behörden die Anwohner auf, die Gegend umgehend zu verlassen. "Seht zu, dass ihr wegkommt", schrieb die Kreisverwaltung im Kurznachrichtendienst Twitter.

Wetterlage soll noch dramatischer werden

The Houston area is seen following heavy flooding from Hurricane Harvey, August 27, 2017. Coast Guard Photo/ PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY WAX20170829307 COASTxGUARDThe Houston Area IS Lakes following Heavy flooding from Hurricane Harvey August
Houston ist in großen Teilen überflutet. © imago/UPI Photo, COAST GUARD, imago stock&people

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Der Nationale Wetterdienst warnte weiter vor sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. 'Harvey' sog über dem am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. Voraussichtlich wird es noch bis mindestens Donnerstag weiterregnen. Dabei kommen weiter sehr große Regenmengen, bis zu 400 Liter zusammen. Zusammen mit den bereits gefallenen Regenmengen würde damit die 1.000 Liter-Marke erreicht, eine schier unglaubliche Menge. Zum Vergleich: das wäre die zweifache Jahresniederschlagsmenge von Berlin, oder etwa fünfmal das Starkregenereignis von diesem Sommer in Berlin, als dort die Straßen unter Wasser standen. Nach Einschätzung von Meteorologen stehe Louisiana das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevor. 

Mindestens drei Tote bekannt - weitere befürchtet

Texas National Guardsmen work alongside first responders to rescue local citizens from severe flooding in Cypress Creek, Houston, U.S. August 28, 2017.  U.S. Army National Guard/Capt. Martha Nigrelle/Handout via REUTERS. ATTENTION EDITORS - THIS IMAG
Immer noch werden Menschen aus ihren überfluteten Häusern gerettet. © REUTERS, HANDOUT, CLH/

Nachdem am Wochenende bereits zwei Todesopfer in Texas gemeldet worden waren, teilte die Polizei vom Montgomery County mit, eine Frau sei in der Stadt Porter (Texas) ums Leben gekommen, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Der Sender KHOU berichtete von mindestens neun Toten.

Wasserversorgung in Houston kritisch

Menschen schlafen am 29.08.2017 im George R. Brown Convention Center in Houston, Texas (USA), welches als Notunterkunft für Betroffene dient, die durch den Tropensturm «Harvey» ihr Zuhause verloren haben. Foto: Lm Otero/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk++
Menschen suchen nach 'Harvey' Schutz in Notunterkünften. © dpa, Lm Otero, MO lis wie

In Houston kündigte der Bürgermeister an, weitere Notquartiere für Schutzsuchende zu öffnen. Nach Angaben des Roten Kreuzes suchten in Texas bereits in der Nacht zum Dienstag rund 17.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften. Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die braunen Wassermassen, um festsitzende Menschen aus ihren Häusern zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben der Behörden vom Dienstag brachten Rettungskräfte in der Stadt in den vergangenen Tagen 3.500 Menschen in Sicherheit.

Der Internationale Flughafen der Stadt ist bis auf Weiteres geschlossen. Auch die Schulen bleiben mindestens bis zum 5. September geschlossen. Viele Straßen und Autobahnen sind unpassierbar, der Unterricht in den Schulen wurde abgesagt. Zugleich machte der Sturm viele Häuser außerhalb Houstons dem Erdboden gleich. Verschmutztes Trinkwasser wurde mehr und mehr zum Problem. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Trinkwasser abzukochen. Es ist bereits von einem Gesundheitsalarm die Rede. In Teilen des Landes ist auch der Strom ausgefallen.