Forscher zeichnen düsteres Bild: „Insgesamt verheerend"

Die letzten Sommer waren die trockensten seit Beginn unserer Zeitrechnung

So trockene Sommer hatten wir seit dem Jahr 0 nicht

Wenn man es etwas flapsig formulieren möchte: Seit den Zeiten von Jesu, Kaiser Augustus und den Germanen, die in den Buchenwäldern hausten, hat es nicht so trockene Sommer gegeben wie in den vergangenen 5 Jahren. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die im Fachblatt „Nature Geoscience“ veröffentlicht wurde. Die Sommerdürren, die Europa seit 2015 erlebt hat, waren heftiger als die in den zurückliegenden 2.100 Jahren!

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Hydroklimatische Bedingungen seit der Römerzeit untersucht

Die anhaltende Trockenheit macht vor allem Bauern im Norden und Osten zu schaffen.
In Ballendorf, Sachsen, stehen Kühe im Sommer 2018 auf einer völlig vertrockneten Weide. © dpa, Jan Woitas, woi kno

Ernteausfälle, vertrocknete Wälder und trockenfallende Flüsse sind nur drei der viele Folgen von Hitzewellen, mit denen Europa in den vergangenen Jahren immer wieder zu kämpfen hatte. Zuletzt wurden die Dürreperioden immer heftiger. So waren die Sommerdürren in Europa seit 2015 weitaus gravierender als in den rund 2.100 Jahren davor. Die Wissenschaftler nutzten ein spezifisches Verfahren zur Analyse von Baumringen und erstellten so einen gewaltigen Datensatz, der die hydroklimatischen Bedingungen in Mitteleuropa von der Römerzeit bis zur Gegenwart abbildet. Die außergewöhnliche Trockenperiode ist nach Ansicht der Forscher auf den von Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen.

Europa erlebte etwa in den Jahren 2003, 2015 und 2018 extreme sommerliche Hitzewellen und Dürren. Die Folgen hatten nicht nur Land- und Forstwirtschaft betroffen, sondern auch die Zahl der Hitzetoten nach oben schnellen lassen, schreiben die Wissenschaftler.

Haben wir bald ein halbes Jahr Sommer? Jahreszeiten am Ende

Archäologische Überreste und altes Baumaterial untersucht

Rhein bei Düsseldorf, extremes Niedrigwasser im Sommer
Der Rhein bei Düsseldorf führt extremes Niedrigwasser. Wird das bald normal sein? © imago/Jochen Tack, Jochen Tack, imago stock&people

„Wir sind uns alle der Häufung von außergewöhnlich heißen und trockenen Sommern bewusst, die wir in den letzten Jahren hatten. Aber wir brauchten präzise Rekonstruktionen der historischen Bedingungen, um zu sehen, wie diese jüngsten Extreme im Vergleich zu früheren Jahren ausfallen,“ fasst Ulf Büntgen von der Universität von Cambridge, Erstautor der aktuellen Studie, zusammen.

Für diese Einordnung nahmen Büntgen und seine Kollegen mehr als 27.000 Messungen an Baumringen von 147 Eichen vor, die einen Zeitraum von 2.100 Jahren (75 v. Chr. - 2018) abdeckten. Die Proben stammten unter anderem aus archäologischen Überresten und historischem Baumaterial, aber auch von lebenden Bäumen aus der heutigen Tschechischen Republik und Teilen des südöstlichen Bayerns. Aus jedem der Baumringe extrahierten und analysierten die Forscher dann die stabilen Kohlenstoff- und Sauerstoffisotope. Während sich normale Baumring-Messungen auf Ringbreite und Holzdichte beschränken, spiegeln die hier untersuchten stabilen Isotope die physikalischen Bedingungen und die Reaktionen der Bäume darauf wider.

Deutschland und seine Sommer: Dreimal hintereinander zu trocken

Europa wird immer trockener, das zeigt das Waldsterben

 Waldsterben im Februar 2021,
Ein trauriges Bild aus dem Siegerland: Die meisten Nadelbäume haben die trockenen und heißen Sommer einfach nicht überlebt. © imago images/Reinhold Becher, Reinhold Becher via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Forscher erhielten ein viel genaueres Archiv, um die Hydroklimabedingungen in gemäßigten Gebieten zu rekonstruieren, wo herkömmliche Studien mit Jahresringen oft versagen, ergänzt Jan Esper von der Universität Mainz.

In der Rekonstruktion zeigten die Baumring-Isotopdaten, dass es in Europa zum einen sehr feuchte Sommer gab, so etwa in den Jahren 200, 720 und 1100 n. Chr., aber auch sehr trockene Sommer wie in den Jahren 40, 590, 950 und 1510 n. Chr. Insgesamt sei der Kontinent in den vergangenen zwei Jahrtausenden allmählich immer trockener geworden. Die Proben aus den Jahren 2015 bis 2018 offenbarten aber zudem, dass die Dürrebedingungen der vergangenen Sommer weitaus gravierender waren als in den 2100 Jahren zuvor.

„Nach Jahrhunderten eines langsamen, signifikanten Rückgangs haben wir einen drastischen Einbruch erlebt, was besonders für die Land- und Forstwirtschaft alarmierend ist. Das beispiellose Waldsterben in weiten Teilen Mitteleuropas bestätigt unsere Ergebnisse“, kommentiert Mitautor Mirek Trnka.

Trockenheit stresst nícht nur unsere Wälder

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Extreme Bedingungen werden normal: „Insgesamt verheerend"

Die Forscher führen die beobachtete Häufung der ungewöhnlich trockenen Sommer auf die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung und der damit verbundenen Veränderungen der Position des Polarjetstreams zurück. Dieser gehört zu den beiden großen Windbändern, die das Temperaturgefälle zwischen den Polen und dem Äquator ausgleichen und großen Einfluss auf unser Wetter ausüben. Tatsächlich hatte eine andere internationale Studie ergeben, dass die Wellen des Polarjetstreams während des Hitzesommers 2018 ins Stocken geraten waren.

„Der Klimawandel bedeutet nicht, dass es überall trockener wird: Mancherorts wird es vielleicht feuchter oder kälter, aber extreme Bedingungen werden häufiger, was für die Landwirtschaft, die Ökosysteme und die Gesellschaft insgesamt verheerend sein könnte“, prognostiziert Ulf Büntgen.

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