Trockenheit und Hitze in Deutschland

Streiten wir uns bald mit den Bauern ums Trinkwasser?

Symbolfoto: Wasser fliesst aus einem Wasserhahn in ein Glas. Berlin, 24.02.2019. Berlin Deutschland *** Symbol photo Water flows from a tap into a glass Berlin 24 02 2019 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xThomasxTrutschel/pho
Symbolfoto Wasser fliesst aus einem Wasserhahn in ein Glas Berlin 24 02 2019 Berlin Deutschland © imago/photothek, Thomas Trutschel/photothek.net, imago stock&people

Dürresommer und Hitzerekorde

Der Juni in diesem Jahr war der wärmste seit Beginn der Messungen, der Sommer 2018 ist vielen noch als „Dürresommer“ im Gedächtnis. Bleibt das so, könnten sich in Zukunft Verbraucher und Bauern ums Wasser streiten, sagt ein Sprecher des Umweltbundesamts. Die kommunalen Wasserversorger fordern deshalb jetzt die Politik auf, das Problem anzugehen und dem Trinkwasser vor der Landwirtschaft Vorrang zu geben.

Wasser wird vor allem für Gärten benötigt

Rasensprenger und Gartenschläuche laufen auf Hochtouren, Pools werden befüllt – auch in diesem Sommer wird bereits wieder viel Wasser verbraucht. Das ist ein Problem, denn in den vergangenen beiden Jahren hat es zu wenig geregnet. Die Grundwasserstände hätten sich noch nicht erholt, sagte der Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU), Karsten Specht.

Einige Wasserversorger hätten im letzten und in diesem Jahr immer wieder eine „historisch hohe“ Nachfrage am späten Nachmittag und am Abend verzeichnet. „Ein Rasensprenger beispielsweise verbraucht bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde, im Verhältnis zu durchschnittlich 121 Litern Trinkwasser, die ansonsten jeder Bürger am Tag nutzt“, so Specht. 

Experte: „Aus unserer Sicht muss die Trinkwasserversorgung Vorrang haben"

Doch nicht nur Privatpersonen, auch die Landwirte müssen mehr bewässern, wenn es weniger regnet. „Landwirte nehmen das Wasser für die Felder teils aus dem Grundwasser“, so Specht. „Aus unserer Sicht muss die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Das ist nicht überall gewährleistet“, erklärte Specht, der auch Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands ist. Die gesamte Politik müsse die Trinkwasserversorgung sichern. 

Nehmen die Bauern uns also das Trinkwasser weg? Noch nicht. Das Problem der Trinkwasserversorgung könnte sich mit heißeren Sommern und längeren Dürreperioden in Zukunft verschlimmern – aktuell besteht aber noch kein Grund zur Panik. Insgesamt gebe es in Deutschland keinen Wassermangel, auch keine flächendeckenden Versorgungsengpässe beim Trinkwasser, so Specht. Auch ein Experte aus dem Umweltbundesamt, Jörg Rechenberg, beruhigt: Bisher habe die sogenannte Bewässerungslandwirtschaft in Deutschland erst einen Anteil von 2,7 Prozent.

Politik verweist auf Bundesländer

Doch was sagt das Bundesumweltministerium zu dem drohenden Problem? Kann und muss die Bundesregierung mit einer Regelung eingreifen, sodass bei der Entnahme aus dem Grundwasser der Trinkwasserversorgung Vorrang gegenüber der Landwirtschaft gegeben wird?

"Eine ausreichende Trinkwasserversorgung der Bevölkerung ist wichtig. Dies gilt aber auch für die Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit in der Landwirtschaft produzierten Lebensmitteln. Insofern gibt es Interessenkonflikte, die durch die zuständigen Behörden vor Ort gelöst werden müssen", sagte ein Sprecher auf Nachfrage gegenüber RTL.

Der Bundesregierung sei es allerdings nicht möglich, hier Maßnahmen zu ergreifen, da die Trinkwasserversorgung in die Zuständigkeit der Bundesländer falle, so der Sprecher. Dasselbe bestätigte auch ein Sprecher des Bundesumweltministeriums.

Bundesumweltministerin Schulze plant „Nationale Wasserstrategie"

Das Problem Trinkwasserversorgung soll laut des Bundesumweltministeriums langfristig aber auch auf Bundesebene angegangen werden. Bis zum Ende der Legislaturperiode will die zuständige Bundesumweltministerin Svenja Schulze nach Angaben ihres Ministeriums den Entwurf einer „Nationalen Wasserstrategie“ für Deutschland vorlegen. Bei der Strategie solle es vorrangig um Anpassungen an den Klimawandel gehen und darum, die Wasserwirtschaft in den nächsten 30 Jahren so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig auch bei geänderten Rahmenbedingungen die Versorgung mit Wasser sichere, so der Sprecher. Auch der Schutz von Wasser als Lebensraum und als zentrales Element von Ökosystemen sei ein Ziel der Strategie.