Schneeschmelze fehlt - Grundwasserstand niedrig

Trockenheit schon wieder ein Thema: Müssen wir bald Wasser sparen?

von Björn Alexander und Oliver Scheel

Im März kaum ein Tropfen Regen, dann eine nasse Phase Anfang April und nun schon wieder wochenlang trocken. Das Frühjahr 2022 weckt Erinnerungen an die Dürrejahre 2018 und 2019. Natürlich kann der Sommer immer noch ein sehr nasser werden, aber die Tendenz ist eindeutig: Die Wetterlagen werden stabiler, somit müssen wir verstärkt mit langen trockenen Phasen rechnen. Und wenn es dann regnet, verlieren wir viel Regenwasser über die Kanalisationen, weil die Versiegelung immer weiter voran schreitet. Ein Teufelskreis also. Etwas Linderung kommt in den kommenden Tagen. Aber reicht die?

Wasserknappheit in Deutschland: Mitte und Osten besonders von Trockenheit betroffen

Durch den trockenen März fehlt nun die Schneeschmelze

 Trockenheit im Wald. Ein durch Trockenheit entwurzelter Baum in einem Wald bei Colditz in Sachsen. 14.04.2022, Sachsen, GER - Trockenheit im Wald. Ein durch Trockenheit entwurzelter Baum in einem Wald bei Colditz in Sachsen., Colditz Sachsen Deutsch
Ein durch Trockenheit entwurzelter Baum in einem Wald bei Colditz in Sachsen.

Zugegeben: Es sah in den Jahren 2018 und 2019 wesentlich kritischer aus. Allerdings stimmt die Lage insgesamt schon etwas nachdenklich. Das ist insbesondere dem viel zu trockenen März geschuldet.

Unser 7-Tage-Trend: Kommt der Regen denn auch? Es wird auf jeden Fall wechselhafter

Vielerorts ist das Grundwasser stark gefallen. In Bayern haben erste Gemeinden öffentliche Brunnen abgestellt, im Kreis Landsberg am Lech wurden die Bürgern schon zum Wasser sparen aufgerufen. Und das im Frühjahr. Normalerweise müsste das Grundwasser nun durch die Schneeschmelze sehr hoch stehen. Durch den trockenen März ist dem aber nicht so.

"Wenn wir schon im Frühjahr mit so einer angespannten Lage zu tun haben, ist es sicher nicht verkehrt, Wasser zu sparen und somit für den Sommer größere Reserven übrig zu haben", zitierte der Bayerische Rundfunk Andreas Rimböck vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth vor wenigen Tagen.

Keine Panik - aber Anpassung tut Not

Trockenheit in den tieferen Bodenschichten in Deutschland vom 1. April 2022
Die Untersuchung des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung der tieferen Bodenschichten (ab 1,8 Meter) zeigen, wo in Deutschland noch Trockenheit herrscht. Gerade der Osten, die Mitte und der äußerste Süden Deutschlands sind stark betroffen.

Bei einer fortschreitenden Erwärmung steigt die Verdunstung. Es müsste also mehr regnen, wenn der Wasserhaushalt gleich bleiben soll. Dazu kommt die Versiegelung. Dadurch geht Wasser über die Kanalisation verloren, der Boden geht sozusagen leer aus. Wir müssen uns diesen veränderten Grundbedingungen anpassen. Flächen wie Innenhöfe müssen entsiegelt werden, das Wasser muss die Möglichkeit bekommen, langsam zu versickern. Das geht auch über begrünte Dächer in den Städten.

Wir brauchen Anpassung: Schwammstädte zum Beispiel

Immerhin kommt nun ein wenig Regen, das Wetter wird insgesamt wechselhafter. „Geht es nach dem Europäischen Wettermodell, dann sind in der Mitte und im Süden unseres Landes bis zum Monatsende zum Teil gerne mal 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter möglich. Derweil zeigen sich allerdings die Großrechner der Amerikaner etwas verhaltener. So oder so könnte der April 2022 am Ende damit aber als normal nass durchs Ziel gehen. Damit wäre eine massivere Trockenheit erst einmal abgewendet“, blickt unser Meteorologe Björn Alexander auf die kommenden Tage.

Was Städte gegen Starkregben-Ereignisse tun können

Nicht nur in Bayern brauchen wir den Regen. Auch im Raum Berlin ist der Grundwasserspiegel um 20 bis 50 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert. „Der Klimawandel und die wachsende Metropolregion stressen unsere Ressourcen und Systeme“, sagte Frank Bruckmann, Chef der Berliner Wasserbetriebe, der „Berliner Zeitung“.

Das Thema Wasser und Wasserverbrauch wird uns in diesem Jahr sicher noch häufiger begegnen. Hoffnung in dieser Hinsicht macht tatsächlich der Mai, der sich in den vergangenen Jahren ja durchaus häufiger unterkühlt und vor allem durchwachsener präsentierte.

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(osc)