Trockene Winter sind viel gefährlicher für die Trinkwasserversorgung als trockene Sommer

Erst ein trockenes Frühjahr würde die Situation aufheizen

Der Sommer 2018 gehört zu den trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Immer wieder wurden Artikel publiziert, die Fotos von ziemlich leeren Talsperren zeigten - inklusive Warnungen vor Wassermangel in Deutschland. Viele Bürger fragten sich, wie lange muss es denn trocken sein, damit wir tatsächlich ein handfestes Problem mit der Trinkwasserversorgung bekommen? Aus diesem Grund besuchte Oliver Scheel von der wetter.de-Redaktion Experten vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und ließ sich die Funktionsweise der Talsperren in der Nordeifel erklären. Das Fazit: Der trockene Sommer ist überhaupt nicht das Problem. Sorgenfalten treibt den Experten erst ein trockenes Frühjahr auf die Stirn.    

Etwa 80% der Niederschläge laufen den Talsperren im Winter zu

Die Urfttalsperre in der Eifel
Die Urfttalsperre in der Eifel © Wasserverband Eifel-Rur WVER, WVER

"Die Versorgung mit Rohwasser für die Region ist gesichert", sagt Dr.-Ing. Christof Homann bei dem Gespräch mit wetter.de in Düren. Denn trockene Winter sind für die Stauseen weitaus problematischer als trockene Sommer. Etwa 80 Prozent der Niederschläge, die in die Talsperren laufen, fließen im Winter zu. Das heißt, im Sommer kommt ohnehin nur wenig Wasser in die Seen.

"Wir müssen immer den Spagat zwischen Hochwasserschutz und Niedrigwasserregulierung hinkriegen. Wenn ein Starkregen-Ereignis eintritt, dann müssen die Talsperren genug Wasser aufnehmen können", erklärt Pressesprecher Marcus Seiler. Starkregen tritt wesentlich häufiger auf als Dürren. Daher müssen die Seen immer Kapazitäten in beide Richtungen aufweisen. 

Im Versorgungsgebiet des WVER liegt der Rursee, vom Volumen her der zweitgrößte Stausee Deutschlands. "Unser Pfund ist aber, dass wir die Stauseen gegeneinander ausspielen können", so Homann. Fünf der sechs Stauseen sind miteinander vernetzt und liegen auf verschiedenen Höhen. So kann Wasser aus einer Talsperre in die nächste gegeben werden. 

"Wichtig für die Versorgung sind die Wintermonate", sagt Homann. Daher beginnt das Wasserwirtschaftsjahr auch nicht im Januar, sondern schon im November. "Im Winter kommen die Niederschläge, die wir brauchen. Vor allem Februar, März und April sind die klassischen Sammelmonate", so Homann. Das heißt: ein trockener Sommer kann die Experten aus der Eifel nicht schocken.

Klimawandel ein großes Thema der Zukunft - Frage nach Entwicklung der Niederschläge

Herbstlandschaft in der Nordeifel in der Nähe des Staubecken Heimbach ( NRW ). | Verwendung weltweit
Der Rursee in der Eifel spielt auch für den Tourismus eine große Rolle. © picture alliance / R. Goldmann, Ralph Goldmann

"Auch wenn uns ein trockener Sommer keine Sorgen bereitet, interessiert uns der Klimawandel natürlich sehr", sagt Homann. "Wir machen uns Gedanken um die sogenannte Klimaresilienz. Also die Frage wie können wir die Verwundbarkeit des Talsperrensystems durch den Klimawandel reduzieren? Das ist eine spannende Frage."

In den Überlegungen wird teilweise bis zum Jahr 2100 gedacht: "Wie werden sich die Niederschläge entwickeln? Brauchen wir noch eine Talsperre mehr?" Von der Planung bis zur Eröffnung einer Talsperre vergehen leicht 30 oder 40 Jahre. Homann glaubt, dass die Talsperren gut für die Zukunft aufgestellt sind: Selbst in den trockensten Szenarien konnten wir das Wasserniveau durch verschiedene Maßnahmen anheben", sagt er. 

Bis 2050 sieht Hydrologe Homann die Wasserversorgung als gesichert an. "Wir haben hier noch Wasser satt." Länger könne man auch nicht planen. "Wir glauben, Modelle für die folgenden 20 oder 30 Jahre zur Verfügung zu haben", so der Experte. Es sei nur im Gegensatz zum weltweiten Temperaturanstieg überhaupt nicht klar, wie sich die Niederschläge regional entwickelten. "Seit 2013 beobachten wir, dass das Frühjahr trockener ist als früher." Und ein trockener Frühling ist ein schlimmeres Gift für die Stauseen als ein regenloser Sommer.