Touristenansturm auf Island

Der Vulkanausbrach am Gletscher Eyjafjallajökull im Jahr 2010 hat Island weltweite Popularität beschert. Seitdem ist die Zahl der Besucher auf der Insel „explodiert“. Im Jahr des Ausbruchs sind knapp 489.000 Menschen nach Island gereist. 2018 kamen 2,34 Millionen. Das entspricht nahezu einer Verfünffachung in nur acht Jahren!

Sechsmal mehr Touristen pro Jahr als Einwohner

2,34 Millionen Reisende klingt im Vergleich zu anderen Ländern nicht gigantisch - zumal das Land in etwa die Größe des gesamten Osten Deutschlands hat. Aber die Zahl bedeutet: mehr als das Sechsfache der Bevölkerung Islands. Auf der Insel leben rund 350.000 Menschen - und damit lediglich etwas mehr als zum Beispiel in Bielefeld. Die Mengen strömen aus aller Welt heran. Gerade boomt das Land in China und Indien, aber auch in Russland. Die Zahl deutscher Gäste ist zwischen 2010 und 2018 von rund 54.000 auf etwa 140.000 gestiegen.

ARCHIV - 18.03.2015, Island, ---: Der Eyjafjallajökull spuckt Rauch in die Atmosphäre - vor fünf Jahren legte der Vulkan den europäischen Flugverkehr lahm.(zu dpa-Story:
Der Eyjafjallajökull spuckt Rauch in die Atmosphäre. Im Jahr 2010 legte der Vulkan den Flugverkehr lahm. © dpa, Ragnar Th. Sigurdsson, pla

Island und der Glamour der Stars

Und noch etwas lockt die Touristen: Filme, Serien und Musikvideos. Ben Stiller spazierte in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ durch Stykkishólmur und andere isländische Orte. Szenen von „Game of Thrones“ wurden auf Island gedreht, genauso wie Teile von „James Bond - Stirb an einem anderen Tag“ und „Star Wars - Rogue One“. Angelina Jolie fuhr als Lara Croft in „Tomb Raider“ über den Jökulsárlón.

Kurzum: Island ist fotogen - gerade auch für Hollywood. Damit stellt sich die Frage, ob die Popularität mit Island machen wird, was sich etwa auf dem Markusplatz in Venedig, der Ramblas-Flaniermeile in Barcelona und dem Nyhavn in Kopenhagen beobachten lässt: Die Touristen kommen in Scharen - und manche Einheimische fühlen sich an den Rand gedrängt.

Alle wollen in die Hauptstadt

Reykjavik mit dem nahen internationalen Flughafen Keflavik bleibt dabei das zentrale Tor auf die Insel. Nahezu alle Reisenden besuchen während ihres Urlaubs die Hauptstadt. „Das ist sowohl eine gute als auch eine schlechte Sache“, sagt die Leiterin des lokalen Touristenamtes Visit Reykjavik, Karen María Jónsdóttir. Als sie beschreibt, was der Boom mit ihrer Stadt gemacht hat, schweift sie in ihre Kindheit ab. „Ich erinnere mich daran, wie ich einst zur Schule gegangen bin und niemand auf den Straßen in Reykjaviks Zentrum unterwegs war“, sagt sie. Mittlerweile ist nicht nur der Laugavegur, die zentrale Einkaufsstraße, prall gefüllt, sondern auch andere Viertel der Stadt.

Reykjaviks Zauberwort heißt Regulierung: Große Busse wurden auf Wunsch der Anwohner aus dem Stadtkern verbannt. Es wurden viele dringend benötigte Hotels gebaut, die sich laut Jónsdóttir über die Stadt verteilen. Museen, Kunstgalerien und Bars liegen nicht nur im Zentrum, sondern auch in anderen Gebieten wie dem Alten Hafen.

19.08.2019, Island, Reykjavik: Die Direktorin der isländischen Tourismusbehörde Visit Iceland, Inga Hlin Palsdottir, aufgenommen in Reykjavik. (zu dpa-Story:
Die Direktorin der isländischen Tourismusbehörde Visit Iceland, Inga Hlin Pálsdóttir, aufgenommen in Reykjavik. © dpa, Steffen Trumpf, trs

Alles eine Frage der Perspektive

Ob Island überfüllt ist, ist eine Frage der Perspektive. Zwei chinesische Touristen genießen die aus ihrer Sicht immer noch geringe Menschendichte. „Das hier ist so anders als China. Wir sind so sehr an städtische Gebiete mit großen Bevölkerungszahlen gewöhnt. Hier ist es wild und leer. Das ist das Paradies für uns“.

Inzwischen hat der Boom etwas nachgelassen. Im aktuellen Jahr erlebt Island mittlerweile etwas, was es in diesem Jahrzehnt noch nie gegeben hatte: sinkende Zahlen. Gründe dafür dürften unter anderem die Pleite der Billigfluglinie Wow Air und die Probleme des Pannenfliegers Boeing 737 Max sein, sagt die Direktorin der isländischen Tourismusbehörde Inga Hlin Pálsdóttir, „Wir machen uns zurzeit aber keine Sorgen“.

Tsunami ausgelöst durch Eisberg

Touristen werden beim fotografieren überrascht. Im Video sehen Sie welche Kraft abgebrochenes Eis auslösen kann. Es können riesige Wellen entstehen.