Katastrophe in Norditalien

Tote und Verletzte bei Gletscherbruch in den Dolomiten: "Unvorstellbares Blutbad"

Bei einem massiven Gletscherbruch in den norditalienischen Dolomiten sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Rettungsleitstelle der Region Venetien am Sonntag mit. Von der Lawine aus Eis, Schnee und Fels am Berg Marmolata wurden darüber hinaus acht Menschen verletzt, nach weiteren Personen wurde gesucht. Laut RTL-Reporter Michael Kadereit würden auf den Parkplätzen die Autos gezählt, um herauszufinden, wie viele Menschen möglicherweise noch vermisst sind. Bilder des Ungücks sehen Sie im Video.

Suche unterbrochen: Gefahr für Retter zu groß

Gletscherbruch
Touristen filmten den Gletscherbruch in Italien.

Nach dem Gletschersturz in den Dolomiten wollen die Einsatzkräfte die Suche an der Flanke des Berges Marmolata fortsetzen. Sie haben dabei aber kaum noch Hoffnung, unter den Eis-, Schnee- und Felsmassen weitere Überlebende zu finden. Das sagte Walter Cainelli von der Bergrettung der norditalienischen Provinz Trentino am Sonntagabend.

Gut ein Dutzend Menschen wurden am Sonntagabend vermisst, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Auf dem Parkplatz am Fuße des Bergmassivs, von dem die Aufstiegswege los gehen, wurden 16 Autos gezählt, deren Halter noch nicht ausfindig gemacht wurden. „Wir wissen noch nicht, ob die Wagen den toten oder vermissten Personen gehören oder Leuten, die nichts mit dem Unfall zu tun haben“, sagte der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, Maurizio Fugatti.

Die Nachrichtenagentur Ansa zitierte Ermittler, wonach sich an dem Berg ein „unvorstellbares Blutbad“ abgespielt habe, nach dem „es schwer sein wird, die Identität der Opfer festzustellen, denn die Körper wurden zerstückelt“ von den Eis- und Steinbrocken.

Zwei Seilschaften am Berg Marmolata von Lawine getroffen

Das Unglück hatte sich am Marmolata-Gletscher ereignet, wo ein großes Stück abbrach und nahe der Aufstiegsroute niederging. Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Seilschaften getroffen. Bergrettungssprecher Walter Milan sagte, dass darüber hinaus unklar sei, ob und wie viele einzelne Bergsteiger vor Ort waren.

Auf einem Foto, das die Rettungsleitstelle bei Twitter veröffentlichte, war die Abbruchkante des Eisblocks zu sehen, der Richtung Tal rutschte. Offenbar war es auf dem Gletscher zehn Grad warm geworden, wie RTL-Reporter Michael Kadereit erfuhr. Das sei historischer Höchststand und könnte dazu geführt haben, dass sich Eisbrocken lösten. Einsatzkräfte würden nun absichtlich weitere Lawinen auslösen, damit die kontrolliert abgehen könnten. Alle Berghütten seien evakuiert worden.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest Du einen relevanten Inhalt der externen Plattform Twitter, der den Artikel ergänzt. Du kannst dir den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen.

Rettungsteams in den Dolomiten in Sorge: Es drohen weitere Felsstürze

HANDOUT - 03.07.2022, Italien, Marmolata: Das Handout zeigt einen Rettungshubschrauber in den Dolomiten. Bei einem massiven Gletscherbruch in Norditalien sind mindestens fünf Menschen getötet und acht weitere zum Teil schwer verletzt worden. Foto: --
Ein Rettungshubschrauber in den Dolomiten.

Einen Schwerverletzten flogen die Retter in ein Krankenhaus von Treviso. Zwei weitere Verletzte kamen in das Krankenhaus Belluno, fünf nach Trient. Die Such- und Rettungskräfte mussten äußerst vorsichtig vorgehen, weil die Gefahr bestand, dass weitere Eis- und Felsstürze folgen könnten. 18 Menschen befanden sich den Angaben zufolge oberhalb der abgebrochenen Stelle und warteten auf ihre Rettung.

„Wir haben ein lautes Geräusch gehört, typisch für einen Bergsturz“, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Ansa. „Danach sahen wir eine Lawine von Schnee und Eis in hoher Geschwindigkeit in Richtung Tal stürzen und wir wussten, dass etwas Schlimmes passiert ist.“

Ministerpräsident Mario Draghi drückte den Opfern und Hinterbliebenen sein Beileid aus und ließ sich über die Rettungsmaßnahmen und die Ermittlungen auf dem Laufenden halten. (dpa/mor)