Tote und Verletzte bei Erdbeben in Italien: Junge (11) rettet seinem Bruder (7) das Leben

Drei junge Brüder können aus den Trümmern gerettet werden
Drei junge Brüder können aus den Trümmern gerettet werden Erdbeben erschüttert italienische Urlaubsinsel Ischia 00:01:25
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Auch ein sieben Monate altes Baby wurde gerettet

Mitten in der Hochsaison hat ein Erdbeben der Stärke 4,0 am Montagabend die italienische Urlaubsinsel Ischia erschüttert. Zwei Menschen starben, mehr als 40 wurden verletzt. Stunden nach den Erdstößen hatten Helfer auch ein sieben Monate altes Baby und seine elf und sieben Jahre alten Brüder unter den Trümmern hervorgezogen. Wie durch ein Wunder gehe es ihnen körperlich gut, sie seien bei bester Gesundheit, teilten Ärzte italienischen Medien zufolge mit. 

Elfjähriger zog seinen Bruder Mattias unters Bett

Rescue workers carry a child after an earthquake hit the island of Ischia, in Naples, Italy August 22, 2017. REUTERS/Ciro De Luca
Rettungskräfte bergen den siebenjährigen Mattias, der das Erdbeben dank seines Bruders überlebte. © REUTERS, CIRO DE LUCA, SR/JKP

Der Elfjährige habe seinem siebenjährigen Bruder Mattias vermutlich das Leben gerettet, indem er ihn unter ein Bett zog, berichteten Helfer der Agentur 'Ansa' zufolge. Später habe er mit einem Besenstil gegen die Trümmer geklopft, um die Retter aufmerksam zu machen. Die Kinder könnten womöglich schon bald aus der Klinik entlassen werden, berichtete der Sender 'Rainews24'. 

Während die Erwachsenen der Familie, unter ihnen die Eltern, bereits kurz nach Beginn der Rettungsarbeiten aus dem Haus in der Gemeinde Casamicciola geborgen werden konnten, mussten die Brüder rund 16 Stunden unter den Trümmern ausharren. "Es war eine schreckliche Nacht, man kann das mit Worten nicht beschreiben", sagte der Vater der verschütteten Kinder. Die Mutter der Kinder, wieder schwanger, schrie laut 'Ansa' vor Glück, als das Baby bereits in der Nacht gerettet wurde. 

"Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist"

Italian Carabinieri police officer and a doctor carry a child after an earthquake hit the island of Ischia, off the coast of Naples, Italy August 22, 2017. REUTERS/Antonio Dilaurenzo NO RESALES. NO ARCHIVE
Vor den zwei älteren Brüdern zogen Helfer das sieben Monate alte Baby aus dem eingestürzten Haus. © REUTERS, STRINGER, SR/VLD

Etwa 2.600 Menschen wurden durch das Beben obdachlos. Fotos zeigten eingestürzte Häuser und Menschen auf der Straße. Touristen und Bewohner seien in Panik nach draußen gelaufen, berichteten italienische Medien. Auch sollen mancherorts der Strom ausgefallen und Hotels geräumt worden sein. "Es hat alles angefangen zu wackeln, alles ist heruntergefallen (...). Häuser sind eingestürzt. Es gibt Vermisste, ein Chaos", erzählte eine Augenzeugin. "Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist." Der Zivilschutz berief ein Sondertreffen ein. Ein Krankenhaus auf der Insel wurde evakuiert. Bewohner erzählten, sie würden die Nacht im Freien verbringen. Für sie wurde im Ort ein Fußballstadion geöffnet.

Fähren brachten Urlauber ans Festland

Touristen warten am 22.08.2017 in Casamicciola auf der Insel Ischia (Italien) um die Insel mit der Fähre zu verlassen. Mitten in der Ferienzeit hatte ein Erdbeben die Urlaubsinsel erschüttert. Foto: Stringer/ANSA/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Touristen warten, um die Insel nach dem Erdbeben mit der Fähre zu verlassen. © dpa, Stringer, FRR hel pat

Die Behörden stellten noch in der Nacht im Hafen von Ischia und in Casamicciola drei Fähren bereit, um verschreckten Urlaubern und Besuchern ein Verlassen der Insel zu ermöglichen. Die erste Fähre in Richtung Neapel legte in den frühen Morgenstunden ab.  

Experten warnen vor Nachbeben

Personen betrachten am 22.08.2017 auf der Urlaubsinsel Ischia (Italien) teilweise zerstörte Gebäude. Mitten in der Ferienzeit hatte ein Erdbeben die Urlaubsinsel erschüttert. Foto: Cesare Abbate/ANSA/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Verzweiflung über die Zerstörungen bei den Betroffenen steigt. © dpa, Cesare Abbate, FRR wal pat

"Es ist nicht normal, dass ein Erdbeben der Stärke 4 Häuser einstürzen lässt und zu Evakuierungen von Krankenhäusern führt", sagte Egidio Grasso, Chef der regionalen Vereinigung von Geologen. Er und andere kritisierten die schlechte Bauweise der Häuser. Die Häuser sein teils alt, mit schlechtem Material gebaut oder seit Jahren nicht restauriert worden. Grasso warnte vor Nachbeben. Diese könnten auch stärker ausfallen als die ersten Erdstöße. "Es ist keineswegs sicher, dass sie schwächer sind", sagte Grasso dem Sender 'Rainews24'. Die bisherigen Nachbeben waren allerdings schwächer.

Erinnerungen an Beben von Amatrice vor genau einem Jahr

Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2.300 Menschen ums Leben. Die Insel vulkanischen Ursprungs ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Urlaubern. Bundeskanzlerin Angela Merkel macht dort regelmäßig Osterurlaub. Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice, bei dem 299 Menschen starben.