Menschen ins Wasser gespült, Gegenstände fliegen durch die Luft

„So etwas ist absolut nicht vorherzusagen“ - Tornado wütet in Kiel

dpatopbilder - 29.09.2021, Schleswig-Holstein, Kiel: Das Videostandbild zeigt einen Tornado am frühen Abend über Kiel. Der Tornado hat nach Angaben der Polizei am frühen Mittwochabend in Kiel mehrere Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser g
Tornado fegt am Mittwochabend über Kiel hinweg. © dpa, Steven Hutchings, pil

Wetterphänomen hält Anwohner und Feuerwehr in Atem

Der Tornado zieht laut Polizei in Kiel am Mittwochabend an der Kiellinie entlang - Menschen werden ins Wasser gespült oder von Gegenständen getroffen. Ein Wetterexperte betont: Vorhersagen lässt sich so ein Ereignis nicht.

Tornados nicht ungewöhnlich

Menschen zum Teil schwer verletzt

„Wir haben so ca. 18 Uhr mehrere Anrufe bekommen, da hat’s in Kiel eine oder mehrere Windhosen gegeben“, erklärt Markus Brandner von der Feuerwehr RTL gegenüber. „Den größten Notfall mit der Windhose gab es an der Kiellinie.“ Die Kiellinie ist die beliebte Uferpromenade in der Landeshauptstadt. Sieben Menschen werden nach Angaben der Feuerwehr bei dem Ereignis zum Teil schwer verletzt. Mehrere Menschen seien leicht verletzt. „Da haben mehrere Leute versucht ihre Ruderboote zu sichern und sind dabei von der Windhose erfasst worden und durch die Luft gewirbelt worden, bzw. ins Wasser gewirbelt worden“, so Brandner weiter. 60 Helfer sind vor Ort, der Einsatz dauert etwa zwei Stunden.

Meteorologen werten Daten noch aus

„Auf Grundlage von Bildern gehen wir davon aus, dass es sich um einen Tornado handelte“, sagt Meteorologe Michael Bauditz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Endgültig könne er es noch nicht sagen. Nach Angaben der Feuerwehr werden zudem in einem Neubaugebiet in Kiel-Meimersdorf mehrere Dächer abgedeckt. In Kiel-Gaarden Ziegel reißt der Wirbelsturm Ziegel von Dächern den Dächern. „Vor allen Dingen die gleichzeitig schweren Ereignisse in Kiel sind natürlich eine Herausforderung die Einsatzkräfte richtig zu verteilen“, beschreibt Markus Brandner die Lage vor Ort. „Die Windhose führt natürlich zu einem breit ausgedehnten Schadensszenario, was man erstmal erfassen muss.“ Im Netz sind zahlreiche Videos des Vorfalls zu sehen. „Das ist ja der Hammer“, hörte man eine Stimme beim Anblick des Wetterphänomens auf einem Twitter-Video.

„Das hat alle emotional mitgenommen“

Der Vorsitzende des Ersten Kieler Ruder-Clubs von 1862, Bernd Klose, sagte: „Es sind Menschen betroffen. Das ist traurig.“ Rund um den Verein erinnert am späten Abend ein umgestürzter Baum, abgerissene Äste oder ein umgekippter Müllbehälter an das heftige Ereignis. „Da ist viel durch die Gegend geflogen“, sagt ein Mitarbeiter eines nahen Lokals. „Das hat alle emotional mitgenommen.“

Oberbürgermeister dankt Rettungskräften

Zum Zeitpunkt des Vorfalls saß Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Wirtschaftsausschuss der Stadt und erfuhr durch eine SMS der Feuerwehr von dem Sturm. Kurz danach habe er eine Kurznachricht seines Sohnes erhalten, der auf dem Weg zum Rudertraining bei dem Club war, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Sohn habe Glück gehabt, sei erst wenige Augenblicke nach dem Tornado dort eingetroffen. „Da sieht man, wie schnell sowas geht“, sagte Kämpfer. Er sprach der Feuerwehr und den Rettungskräften seinen großen Dank aus.

Tornados sind Wirbelstürme. Sie entstehen bei großen Temperaturunterschieden und treten in Mitteleuropa häufig zusammen mit Gewittern auf. Dabei reicht aus der Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch bis in Bodennähe. (dpa/nid)