Tobis Radblog: Das Arbeitsgerät aka Mrs. Robinson und ihre Freunde

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Das Arbeitsgerät aka Mrs. Robinson nach diversen Upgrades im Juni 2018 in der Toskana © rtl.de

Radkauf: Mehr als reingehen und bezahlen

"Guten Tag, ich würde gerne ein Rennrad kaufen"

"Ich schau mal grad nach einem Termin" - "Häh?"

Das war nicht ganz, was ich erwartet hatte als unbedarfter Hobbyradler, der sich ein neues Rennrad kaufen möchte. Ich hab das Geld, ich habe mich im Internet schlau gemacht, weiß, was ich will. Aber Peter Zaun von "Profishop Kunde" möchte auch wissen, was ich will. Und ob das auch zu mir passt. Eigentlich wollte ich in ein paar Momenten mit dem neuen Rad den Laden verlassen. Aber als ich gehe, habe ich einen Zettel in der Hand mit einem Termin in zwei Tagen.

Beratung dauert, aber macht Sinn

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Mrs. Robinson am Tag des Kaufes im ursprünglichen Zustand, Juni 2011 © rtl.de

Mehr wie beim Arzt als beim Fahrradkauf. Aber es war eine recht vertrauenseinflößende Atmosphäre. Was Peter sagte, machte irgendwie Sinn: Ich möchte mir anhören, was Du mit dem Rad machen willst, welche Anforderungen es erfüllen soll und Dir für Deine Zwecke in Deinem finanziellen Rahmen das bestmögliche Rad zusammenstellen.

Also wurde ich zwei Tage später wieder vorstellig. Es folgte ein knapp zweistündiges Beratungsgespräch, Maße wurden genommen, verschiedenes Equipment besprochen und vier Wochen später hatte ich mein maßgeschneidertes Rennrad. Unbeschrifteter Alu-Rahmen von Drössiger (Carbon fand ich damals nicht wichtig – da blieb mehr Geld für Laufräder etc.), Campagnolo Athena-Gruppe, Campagnolo Shamal Ultra Laufräder. Preis knapp 2.500 Euro. Ein ziemlicher Fortschritt zum ersten Rennrad, ein Stevens Aspin "von der Stange". Zu Mrs. Stevens gesellte sich nun Mrs. Robinson. Man verbringt so viel Zeit auf den Dingern, man darf ihnen Namen geben.

Pimp my Bike

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Crosser: Regen, Matsch und Schlamm können richtig schön sein © rtl.de

Und ich bekam einen Flyer zum Projekt "Von0auf60", an dem ich zwei Jahre später – 2013 – erstmals teilnahm und seitdem regelmäßig teilnehme. Mit dem neuen Rad und dem Projekt wurde die Liebe zum Radsport stärker. Ich wurde besser und das Rad durchlebte einige Modifikationen.

Aus Campagnolo Shamal Ultra wurden Campagnolo Bullet Ultra – 500 Millimeter-Felgen aus Carbon, allerdings mit Alu-Bremsflanken - die Athena-Gruppe wurde ersetzt durch eine Chorus-Gruppe. Es manifestierte sich eine Vorliebe für Campagnolo, das gute alte Stevens-Rad "erbte" die Athena und bekam Campagnolo-Zonda-Laufräder – und hatte damit die Qualität, die zuvor das Drössiger hatte.

Beide Räder schwarz, mit weißen Zügen, rotem Lenkerband. Schwarz – so sollten meine Rahmen immer sein, doch das änderte sich in den letzten zwei Jahren schlagartig. 

Es begann mit einem Video auf Youtube. Ich sah ein Cross-Rennen – das wollte ich ausprobieren. Ein entsprechendes Rad musste her. Zum Einstieg kein Topmodel, denn vielleicht macht Cross fahren ja nicht ganz so viel Spaß wie Cross gucken. Es wurde ein Kupferfarbenes Fuji, mit Scheibenbremsen, Sram Rival Gruppe und nur einem Kettenblatt vorne, 42 Zähne, dafür hinten 32 Zähne beim größten Ritzel. Macht es im Gelände einfacher, wenn man nicht noch vorne hin- und herschalten muss. Funktioniert mit entsprechenden Reifen im Frühjahr auch gut als Straßenrad, wenn die Bedingungen noch nicht ganz so freundlich sind.

Schwerer Abschied

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Nach über elf Jahren war Schluss: Rahmenbruch © rtl.de

Dann kam am 4. Oktober 2017, nach 12 Jahren treuem Dienst und über 40.000 Kilometern, der unvermeidbare Moment. Das gerade aufgemotzte Stevens kneterte und knackte beim Bergauffahren – Rahmenbruch. Es war das Ende meines ersten Rennrades. Und wieder war es Peter, der Abhilfe wusste. Er konnte das Stevens zwar nicht reparieren, hatte aber in seinem Laden seit ein paar Jahren noch ein Schmuckstück von einem Rahmen, den er gerade für den Verkauf fitmachen wollte. Ein blauer Colnago-Dream-Rahmen, handmade in Italy, meine Größe. Ungefähr das gleiche Baujahr wie das Stevens, aber noch keinen Meter gefahren. Ein echter Schatz für 500 Euro, ich war froh über einen neuen Rahmen, und Peter freute sich, dass das Rad in gute Hände kommt, wie er sagte. Nebenbei auch ein schönes Kompliment. Und so war nur noch ein schwarzes Rad übrig

All Italian

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Glück gehabt: Ein Traum von einem Schnäppchen - ein bis dato ungefahrener Colnago-Dream-Rahmen © rtl.de

Und aufgrund der Umbauten am Stevens und am Drössiger standen ja auch ziemlich gute Komponenten zur Verfügung – Athena-Gruppe und Zonda-Laufräder. Ich hatte mein erstes "All Italian Bike". Da kann man auf den Geschmack kommen. Und irgendwie wird es Zeit für etwas Neues. Und ich habe da etwas ganz bestimmtes im Blick…