Tausende Bauern demonstrieren gegen Agrar-Pläne: "Unsere Existenz ist bedroht"

"So wie bisher geht es nicht weiter"

Mit Hunderten Traktoren und kilometerlangen Konvois haben tausende Bauern in vielen Regionen Deutschlands den Verkehr blockiert. Sie demonstrieren gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Konkret wehren sie sich vor allem gegen die geplanten strengeren Regeln zum Umwelt- und Insektenschutz, weil sie dadurch ihre Existenz bedroht sehen. Was wütenden Landwirte zu sagen haben, sehen Sie im Video.

Kritik an wachsender Bürokratie

Brandenburger Bauern fahren bei einer Protestaktion gegen das Agrarpaket der Bundesregierung mit ihren Treckern um die Siegessäule.
Brandenburger Bauern fahren bei einer Protestaktion gegen das Agrarpaket der Bundesregierung mit ihren Treckern um die Siegessäule. © dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj

"Unsere Existenz ist bedroht", sagte Eva-Maria Dingwerth von einem Familienbetrieb aus der Nähe von Osnabrück, die mit etlichen Kollegen auf den Bonner Münsterplatz kam. Ihr Familienbetrieb baut Obst und Spargel an - was mit strengeren Vorgaben fürs Düngen deutlich schwieriger werde. Auch die Bürokratie nehme immer weiter zu, so dass sie sich kaum noch auf die eigentliche Arbeit konzentrieren könne.

Bei der zentralen Kundgebung in Bonn versammelten sich rund 6.000 Teilnehmer. Auch in München, Hannover, Stuttgart und vielen anderen Städten kamen Bauern mit ihren Treckern. Von Bürgersteigen und Straßenbahnen aus filmten Schaulustige die Konvois. Weil Traktoren maximal Tempo 50 fahren dürfen, waren manche Bauern schon mitten in der Nacht nach Bonn aufgebrochen. 

Umstrittene Preispolitik

Der Trend in der Landwirtschaft geht zu weniger, aber dafür größeren Betrieben. Eines von vielen Problemen ist, dass die Preise für Milch, Fleisch und andere Lebensmittel niedrig sind. Was die Supermarkt-Kunden freut, kann für Landwirte existenzbedrohend sein. Diese wehren sich deshalb auch dagegen, dass globale Handelsabkommen wie etwa Mercosur dafür sorgen, dass immer mehr Agrarprodukte importiert werden.

Aufgerufen zum Protest hat das noch recht junge Netzwerk "Land schafft Verbindung", in dem sich Zehntausende deutsche Landwirte zusammengeschlossen haben. Es waren vor allem Männer mittleren Alters, die in Bonn und etlichen anderen deutschen Städten ihrem Ärger Luft machten. 

Verständnis für Sorgen der Bauern

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU)
Das Agrarpaket der Bundesregierung sorgt bei den bauern für Kritik. © imago images/Rüdiger Wölk, Rüdiger Wölk via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und ihre Union bemühten sich gleich mehrfach, sich solidarisch mit den rund 268.000 Landwirtschaftsbetrieben in Deutschland zu zeigen. Klöckner sagte, sie könne nachempfinden, wie es den Bauern gehe, und es sei gut, wenn sie von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machten. Es gebe in der Gesellschaft zu wenig Wissen darüber, wie Lebensmittel produziert werden, aber Verbraucher entschieden mit ihren Kaufentscheidungen mit darüber, was und wie produziert werde.

Die Unionsfraktion im Bundestag wollte am Dienstag ein Positionspapier beschließen, in dessen Entwurf einiges vorkam, was den protestierenden Bauern auf der Seele brennt - unter anderem der Appell, auf Anreize und Freiwilligkeit zu setzen statt auf strenge Auflagen und Sanktionen.

Umweltministerin Schulze (SPD) zeigte sich zurückhaltender. Sie wies stattdessen auf die dramatisch sinkende Zahl der Feldvögel hin und forderte besseren Insektenschutz in der Agrarlandschaft - denn der helfe auch den Vögeln. "Wir wollen ja auch die Umwelt schützen", sagte Landwirtin Dingwerth derweil in Bonn. "Aber eben so, dass wir dabei übrig bleiben".