Taifun 'Haiyan': 1,9 Millionen Menschen haben alles verloren

Todeszahlen nach unten korrigiert

Auch über eine Woche nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen ist die Lage für viele Menschen dramatisch. Nach UN-Angaben haben 1,9 Millionen Menschen ihre Bleibe verloren. Mindestens 285.000 Häuser seien beschädigt. Immerhin: Die Hilfe rollt langsam an – und die Todeszahlen wurden nach unten korrigiert.

Todeszahlen nach unten korrigiert
Ein Mädchen in den Trümmern von Tacloban City - Millionen Menschen haben alles verloren.

Angesichts der großen Zahl von Hilfsbedürftigen bleibt das Heranschaffen und Verteilen von Hilfsgütern im Katastrophengebiet auf den Philippinen eine große Herausforderung. Die Behörden sortieren inzwischen in der verwüsteten Stadt Tacloban selbst größere Nahrungsmittellieferungen in Familienpakete, um die Verteilung zu beschleunigen, teilte die Regierung mit. Sie ruft weiter zu Spenden auf. Gebraucht werden Konserven, Lastwagen zur Verteilung der Güter und Generatoren mit Diesel.

Für die Menschen, die obdachlos wurden, soll auf der Insel Leyte eine neue Siedlung gebaut werden. Die Behörden hätten bereits ein acht Hektar großes Grundstück ausgewiesen, berichtete die Katastrophenschutzbehörde.

Die Vereinten Nationen korrigierten ihre Angaben zur Zahl der Toten nach dem verheerenden Taifun 'Haiyan' vorläufig nach unten. Nach bisher verifiziertem Kenntnisstand seien rund 3.600 Menschen ums Leben gekommen, sagte John Ging vom UN-Büro für Nothilfekoordination OCHA in New York. Die Katastrophenbehörden der Philippinen hatten zuletzt ähnliche Zahlen genannt.

Die am Donnerstag von den UN veröffentlichte Zahl von 4.460 Toten sei nur eine Schätzung der philippinischen Regierung gewesen, sagte Ging. Dies sei allerdings von den UN bedauerlicherweise zunächst nicht deutlich gemacht worden. Es werde aber weiterhin erwartet, dass die Zahl der Toten noch steigen werde.

Internationale Hilfe kommt endlich an

Internationale Hilfe kommt endlich an
Salcedo auf der Insel Samar: Verzweifelte Menschen stürmen auf den Hilfs-Hubschrauber der US Navy zu.

Die Arbeit der internationalen Helfer läuft auf vollen Touren. Zehntausende Überlebende der Katastrophe bekamen am Freitag erstmals Lebensmittelpakete. Die Luftbrücke mit US-Hubschraubern hat die Not der erschöpften Menschen etwas gelindert. Die Helikopter fliegen pausenlos Hilfsgüter in entlegene Regionen des Katastrophengebietes. Auch die ärztliche Versorgung der Verletzten läuft an: Unter anderem hat ein deutsches Feldlazarett auf der verwüsteten Insel Leyte die Arbeit aufgenommen.

Immer mehr Hilfsorganisationen erreichen jetzt auch die anderen Teile des Katastrophengebiets. 'Ärzte ohne Grenzen' sei mit 91 Mitarbeitern auch auf den Inseln Cebu, Samar, Panay und Bantayan im Einsatz, teilte die Organisation in Berlin mit.

Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) verstärkte seine Nothilfemaßnahmen. Bislang gelang es den Mitarbeitern gemeinsam mit Helfern der lokalen Behörden, ungefähr 7.000 Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen, die mit Containerfahrzeugen ins Katastrophengebiet transportiert wurden - darunter waren Kanister, Plastikplanen, Decken und Schlafmatten. "Die Bedingungen vor Ort bleiben extrem schwierig", erläuterte ein UNHCR-Sprecher. "Wegen massivem Treibstoffmangel können Lastwagen mit Hilfsgütern nicht oder nur sehr eingeschränkt Notstandsregionen außerhalb von Tacloban erreichen."

Noch immer werden weitere Leichen aus den Trümmern geborgen. Es sei ein Irrglaube, dass von den ungeborgenen Leichen eine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgehe, sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Nyka Alexander, in Manila.

Die Mikroorganismen, die für die Verwesung der Leichen verantwortlich seien, könnten bei Lebenden keine Krankheit auslösen, heißt es in einem Leitfaden der WHO. Die meisten ansteckenden Organismen könnten in einem leblosen Körper keine 48 Stunden überleben, sagt das Rote Kreuz.