Darum ist es dieses Jahr besonders schlimm

Super-Allergiejahr: Was Allergiker jetzt tun können

von Vera Dünnwald

Die Nase läuft ununterbrochen, der Hals kratzt und die Augen jucken und brennen: Wenn Sie Allergiker sind, dürften Sie bereits bemerkt haben, dass die Pollen, und allem, was sonst noch so durch die Lüfte fliegt, besonders fies sind. Woran das liegt, dass 2022 sich zu einem solchen Super-Allergiejahr entwickelt, weiß Prof. Dr. Mark Jakob, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Er erklärt, welche Tricks und Therapien jetzt – und auch langfristig – helfen. Mehr dazu sehen Sie im Video.

HNO-Arzt bestätigt: Dieses Jahr schlagen die Pollen besonders zu

Dieses Jahr entwickelt sich bereits zu einem echten Super-Allergiejahr. „Ich spüre es eindeutig in meiner Sprechstunde: Die Patienten kommen mit ihren Medikamenten, die sie normalerweise nehmen, zu mir und beklagen sich, dass sie damit hinten und vorne nicht mehr auskommen. Und Allergiker wissen eigentlich ziemlich gut, was ihnen hilft und was nicht“, sagt Dr. Mark Jakob gegenüber RTL. Der HNO-Arzt, der zudem Allergologie-Spezialist ist, bestätigt, dass es dieses Jahr einfach alles stärker sei. Der Grund: „Eigentlich wechselt das immer; es gibt immer Jahre, die stärker sind, andere wiederum werden dann schwächer. Wieso es gerade in diesem Jahr so heftig ist, liegt daran, dass der Winter sehr warm war und es bisher wenig Regen gab. Der Regen spült normalerweise einen Großteil der Pollen weg – was jetzt leider nicht passiert ist.“

Zudem habe der Pollenflug, der vielen Allergikern zu schaffen macht und Heuschnupfen auslöst, bereits sehr früh angefangen: „Es ging schon im Februar, März los mit der Birke. Und deren Zeit ist eigentlich erst Ende März oder sogar April. Da bemerkt man als Arzt schon einen deutlichen Unterschied.“

Selbst Nicht-Allergiker haben Beschwerden: „Es fliegt aktuell so viel in der Luft rum, so viele Mikropartikel, die unsere Augen und Nase reizen – da muss man kein Allergiker sein, um darauf zu reagieren“, erklärt er. Es seien zudem viele neue Patienten zu ihm in die Praxis gekommen, die über Beschwerden klagen und zum ersten Mal einen Allergietest machen wollen.

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Allergie-Symptome bekämpfen: Diese Dinge helfen im Aktutfall

Um die Symptome loszuwerden können folgende Medikamente helfen: „Die klassische Allergietablette ist eigentlich am besten. Da gibt es jedoch viele verschiedene, sodass man bei jedem Patienten individuell gucken muss, wie er es verträgt. Es gibt auch noch Nasensprays und Augentropfen, die gut helfen“, erklärt Dr. Jakob. Aber: In einem solchen Super-Allergiejahr könne es schon mal sein, dass die Allergietablette alleine, die einem jahrelang gute Dienste erwiesen hat, plötzlich nicht ausreicht. Hinzuziehen könne man dann eben auch besagte Nasensprays oder Augentropfen.

Ansonsten empfiehlt der Experte folgendes:

  • Duschen gehen bevor man ins Bett geht. Am besten auch die Haare gleich mit waschen
  • Nur frühmorgens lüften – und nicht während des extremen Pollenflugs am Tag.
  • Trotz schönem Wetter vielleicht hier und da auf den Spaziergang oder die Fahrradtour verzichten, wenn starker Pollenflug angesagt ist, um die Pollen somit zu vermeiden – auch wenn es schwer fällt
  • Kleidung außerhalb des Schlafzimmers ausziehen, damit das Schlafzimmer so allergiefrei wie möglich bleibt
  • Bettwäsche daher auch regelmäßig wechseln!
  • Per App beobachten, wann der Pollenflug am stärksten ist
  • Sich eine klassische Nasenspülung wie bei einer Erkältung gönnen, denn sie spült einmal alles gut durch
  • Im Notfall einen Arzt aufsuchen, damit er einem weiterhelfen kann, sollte wirklich gar nichts mehr gehen

All diese Dinge helfen im Akutfall. Wenn Sie Ihre Allergie jedoch langfristig bekämpfen wollen, sollten Sie eine Hyposensibilisierung in Erwägung ziehen.

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Langzeittherapie: Haben Sie schon mal über eine Hyposensibilisierung nachgedacht?

HNO-Arzt Dr. Mark Jakob.
Dr. Mark Jakob erklärt, was Allergikern hilft. © Dr. Mark Jakob (Privat)

„Viele Allergiker vergessen, sich im Herbst – wenn das Gröbste vorbei ist – nochmal mit ihren Allergien auseinanderzusetzen. Wenn nichts fliegt, könnte man sich nämlich nochmal untersuchen lassen und über eine Hyposensibilisierung nachdenken“, so Dr. Jakob. Diese Langzeittherapie sei nämlich durchaus erfolgreich: „Die Hyposensibilisierung dauert meist drei Jahre. Das ist schon lang – aber es lohnt sich. Der Körper bekommt hierbei das jeweilige Allergen in kleinen Dosen zugesetzt, entweder per Tablette oder per Spritze.“ So gewöhne sich der Körper und auch das Immunsystem an das Allergen.

Wichtig ist aber, dem Körper dafür genug Zeit zu geben. „Alle vier bis sechs Wochen wird das durchgeführt und der Körper lernt dann, mit dem Allergen umzugehen. Die Therapieaussichten sind immens groß – man muss es nur durchhalten. Die Heilungschancen liegen bei rund 80 Prozent.“ Schon im ersten und zweiten Jahre würden Patienten bereits eine deutliche Besserung bemerken.

Als besten Zeitpunkt für eine solche Langzeittherapie nennt der Mediziner den Zeitraum von Ende September bis Ende November. Eine ausführliche Beratung sowie die tatsächliche Durchführung der Hyposensibilisierung gibt’s bei den HNO-Ärzten oder aber auch beim Dermatologen. Ein Tipp von Dr. Jakob: „Je früher man es macht, desto besser. Allergien werden mit dem Alter nämlich häufig schlimmer.“

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