Umgekippte Bäume +++ Unfälle auf Straßen +++ Sturmtief fordert Todesopfer +++ Bahnreisende brauchen Geduld

Sturm „Mortimer“ fegte über Deutschland

„Mortimer“ fegte über Deutschland +++ Sturmtief fordert Todesopfer +++ Bahnreisende brauchen Geduld

Bäume stürzen auf Bahngleise, auf der Autobahn wird ein mit Munition beladener Lastzug umgeweht, ein Autofahrer wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen, ein weiterer starb bei einem durch den Sturm verursachten Unfall. Nur langsam normalisiert sich die Lage wieder.

Feuerwehr in Berlin im Dauereinsatz durch Sturm „Mortimer"

Todesopfer durch Sturm „Mortimer" +++ Abschleppwagen knallt auf Anfahrt in Pkw - Fahrer stirbt

30.09.2019, Niedersachsen, Hannover: Feuerwehrkräfte bergen eine umgestürzte Birke. Sturmtief
Sturmtief "Mortimer" sorgte für viele umgeknickte Bäume. © dpa, Julian Stratenschulte, jst

Ein Autofahrer wurde bei Wittenberg (Sachsen-Anhalt) von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Mann war am Montagmorgen auf einer Landstraße unterwegs. „Aufgrund von Sturmböen stürzte ein Baum auf das Auto“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Dessau-Roßlau. Der 41-Jährige wurde im Wagen eingeklemmt, er starb an der Unfallstelle. 

Auf der A31 im Emsland warfen Sturmböen einen mit Munition beladenen Lastzug um. Der Fahrer sei bei dem Unfall nach ersten Erkenntnissen leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Er habe in Höhe Wietmarschen-Lohne die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und sei mit dem Gespann auf die Seite gekippt. Die Autobahn war zwischen den Anschlussstellen Emsbüren und Lingen in beide Richtungen stundenlang gesperrt, die Sperrung sollte bis in den Abend hinein andauern.

Eine dramatische Verkettung von Unfällen forderte in Sachsen-Anhalt ein weiteres Todesopfer. Ein Tiertransport verunglückte auf der L1 von Arendsee in Richtung Thielbeer mit knapp 80 Rindern an Bord. Durch Seitenwind und Nässe kam der Sattelschlepper von der Fahrbahn ab und kippte auf die Seite. 23 der Tiere flohen und mussten wieder eingefangen werden, mehrere Rinder wurden verletzt, drei verendeten. Als ein Bergungsfahrzeug zum Einsatzort fuhr, kollidierte er mit einem PKW. Der Fahrer des Autos starb noch an der Unfallstelle. 

Die Deutsche Bahn hatte ihren Fernverkehr in Norddeutschland wegen „Mortimer“ am Montagmorgen weitgehend eingestellt.

Auch in Bayern und Baden-Württemberg war der Bahnverkehr beeinträchtigt.

Wegen eines umgestürzten Baums wurden am Vormittag die Strecke Nürnberg-Augsburg gesperrt und die Züge des Fernverkehrs umgeleitet, wie ein Bahnsprecher sagte. Die Verbindung war nach Beseitigung des Hindernisses am Nachmittag wieder frei. Auch andere Sperrungen wurden bald wieder aufgehoben - etwa die Verbindungen Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg.

Die Feuerwehr in Dortmund rettete Hunderte Schafe, deren Weide sich in einen See verwandelt hatte. Die Tiere drohten wegen des vielen Regens zu ertrinken.

In und um Hamburg mussten Autofahrer Geduld haben. „Teilweise standen die Straßen unter Wasser, und viele Verkehrsteilnehmer sind wegen der schlechten Sichtverhältnisse recht vorsichtig gefahren“, sagte ein Sprecher der Verkehrsleitstelle in Hamburg. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern räumte die Feuerwehr auf mehreren Bundesstraßen Bäume und Äste von der Straße.

Wegen des Sturmtiefs waren am Montag in Sachsen zeitweise Tausende Haushalte ohne Strom. Weil Bäume auf Stromleitungen fielen, waren 5600 Haushalte in Markranstädt im Landkreis Leipzig ab 7.00 Uhr von der Versorgung abgeschnitten.

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnte wegen des Sturmtiefs vor einem Betreten der Wälder in dem Mittelgebirge. Es könnten jederzeit Bäume umstürzen, wie Sprecher Friedhart Knolle sagte.

Herbststurm „Mortimer“ verursachte auch in Tschechien Schäden und behinderte den Verkehr. Etwa 30 000 Haushalte waren vorübergehend ohne Strom, weil Leitungen beschädigt wurden. Mehrere Bahnstrecken wurden gesperrt. In der slowakischen Stadt Nitra wurde ein Schüler von einem umgestürzten Baum erschlagen.

Sturmtief sorgt auch in Dresden für zahlreiche Einsätze

Dicke Bäume knicken in Mecklenburg-Vorpommern einfach ab

Auch der S-Bahnverkehr ist in Berlin beeinträchtigt

Um 11 Uhr wurde in Berlin-Wannsee eine Böe mit Tempo 100 (Windstärke 10) gemeldet. 

Windspitzen ausgewählter Orte bis Montagmorgen:

BERGE:

Feldberg/ Schwarzwald: 146 km/h
Brocken: 143 km/h
Belchen: 130 km/h
Fichtelberg: 119 km/h
Weinbiet: 118 km/h

FLACHLAND:
Bietzen: 104 km/h
Löfflingen:: 104 km/h
Ansbach: 104 km/h
Saarbrücken: 100 km/h
Kiel/Leuchturm: 98 km/h​

Darum macht der Sturm Probleme

Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt: Schon ein Mini-Sturm kann in diesem Jahr beträchtliche Auswirkungen im Bahn- und Straßenverkehr haben. Es braucht keinen Orkan, um trockene Äste abbrechen und die geschwächten Bäume auf Schienen oder Straßen kippen zu lassen.

Spaziergänge oder die Joggingrunden in bewaldeten Gegenden sind bei viel Wind keine gute Idee. Meiden Sie Parks und Wälder, wenn der Wind heftig weht. Es besteht Gefahr für Leib und Leben. Nicht ganz so wichtig, aber schade wär's schon um die Pflanzen: Machen Sie Balkon und Terrasse windfest.

Video: Die Windstärken der Beaufort-Skala

Ob der Oktober golden wird, können Sie in unserem 30-Tage-Blick lesen.