Studie: Hitze und Klimawandel machen ein Fünftel der Erde unbewohnbar

In Südasien sowie in weiten Teilen Afrikas werden wegen ausbleibender Regenfälle erhebliche Ernteeinbußen befürchtet. Foto: Francis R. Malasig/Archiv
Es wird immer wärmer. Laut einer neuen Studie könnte fast ein Fünftel der Erdoberfläche für Menschen nahezu unbewohnbar werden. © DPA

Jährliche Durchschnittstemperatur über 29 Grad - das bedeutet unbewohnbar

Es ist eine Studie, die aufrüttelt: Wenn der Ausstoß der Treibhausgase  nicht gemindert wird, könnten in 50 Jahren 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden. Sie würden in Gebieten leben, in der die jährliche Durchschnittstemperatur mehr als 29 Grad Celsius beträgt. Damit befänden sie sich außerhalb der klimatischen Nische, die der Mensch seit mindestens 6.000 Jahren bewohnt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wageningen University aus den Niederlanden, die in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht wurde.

Klimawandel kann wie Corona zuschlagen - ökologische Nische des Menschen verschwindet

Es ist davon auszugehen, dass Millionen Menschen gezwungen sein werden, ihre Heimat aufzugeben. "Das Coronavirus hat die Welt in einer Weise verändert, die noch vor wenigen Monaten schwer vorstellbar war und unsere Ergebnisse zeigen, wie der Klimawandel etwas Ähnliches bewirken könnte", sagt Studienleiter Marten Scheffer. 

Für ihre Analyse blickten Scheffer und Kollegen in die Vergangenheit. Anhand vorhandener Datenbanken glichen sie die bevorzugten Siedlungsgebiete des Menschen mit den klimatischen Bedingungen in diesen Regionen ab. Sie fanden einen Höhepunkt der Bevölkerungsdichte bei Jahresdurchschnittstemperaturen von etwa 11 bis 15 Grad Celsius und einen kleineren Höhepunkt bei 20 bis 25 Grad Celsius. Diese Verteilung hat sich in den vergangenen 6.000 Jahren kaum geändert, weshalb die Forscher diese Temperaturspanne als die "ökologische Nische des Menschen" bezeichnen.

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Allein in Indien eine Milliarde Menschen betroffen

Wenn wir den Ausstoß der Treibhausgase nicht stoppen, vergrößern sich die Gebiete mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von mehr als 29 Grad Celsius von jetzt 0,8 Prozent der weltweiten Landfläche (vor allem in der Sahara) bis 2070 auf 19 Prozent. Die Gebiete lägen vor allem in Südamerika, Afrika, Indien, Südostasien und Nordaustralien. Allein in Indien wäre mehr als eine Milliarde Menschen davon betroffen, in Nigeria, Pakistan, Indonesien und Sudan jeweils mehr als 100 Millionen Menschen.

"Dies hätte nicht nur verheerende direkte Auswirkungen, sondern es wäre für Gesellschaften auch schwieriger, künftige Krisen wie neue Pandemien zu bewältigen", betont Scheffer.

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Der Appell der Forscher: Treibhausgas-Ausstoß schnell senken

Diese Entwicklung innerhalb der nächsten 50 Jahre könnte riesige Auswirkungen auf die Migration haben. Daher richten die Wissenschaftler einen dringenden Appell an die Weltgemeinschaft: Nämlich den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) rasch zu senken.

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