Erneuerbare Energien schnell ausbauen

Strompreise im Check: Wie kann unser Strom bezahlbar bleiben?

von Oliver Scheel

Der Krieg in der Ukraine hat auch unser Leben komplett verändert: Energie ist richtig teuer geworden. Warum aber steigt der Strompreis an, nur weil Gas so teuer geworden ist? Welche Maßnahmen könnte der Staat ergreifen, um die Bürger sinnvoll zu entlasten? Und was sind eigentlich Zufallsgewinne?

Hier die Antworten auf die drängendsten Fragen.

Oben im Video erklären wir Ihnen zudem das sogenannte Merit -Order-Prinzip

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Warum steigt der Strompreis so stark?

Chemiestandort Leuna
Gaskraftwerke wie dieses im Chemiepark Leuna verteuern den Strompreis.

Der Strompreis wird in Deutschland an der Strombörse in Leipzig ermittelt. Nun ist in den vergangenen Wochen der Strompreis stark gestiegen, weil an den Strombörsen das teuerste Kraftwerk, das gebraucht wird, um den Strombedarf zu decken, den Preis vorgibt.

Dies sind vor allem die Gaskraftwerke. Weil nun aber durch den Krieg in der Ukraine die Gaspreise stark steigen, geht auch der Strompreis in die Höhe. Die Gesetzmäßigkeiten der Strombörse sind also verantwortlich für den Anstieg des Preises. Der Rohstoff Gas ist preisbestimmend, obwohl er weniger als 15 Prozent am Energiemix ausmacht.

Die Lösung liegt auf der Hand: Der Staat muss langfristig den Strom- und Gaspreis voneinander entkoppeln.

Was sind Zufallsgewinne?

Einen Zufallsgewinn, das gab es früher allenfalls beim Lotto. Nun aber streichen Energieunternehmen solche Zufallsgewinne ein. Wie geht das? Das liegt daran, dass an der Strombörse der teuerste Anbieter, der den Zuschlag erhält, den Preis setzt. Alle anderen Stromerzeuger erhalten dann den gleichen Preis für die Kilowattstunde, obwohl sie ihn für viel weniger Geld angeboten haben.

Damit steigen natürlich die Gewinne im Schatten der Gaspreise an. Man nennt sie Zufallsgewinne. Die können von Atom-, Kohle- aber auch von Windkraft- und Solaranlagenbetreibern kommen. Die Zufallsgewinne könnte der Staat abgreifen. „Die Einnahmen sollten zielgerichtet an betroffene Unternehmen und Haushalte rückerstattet werden“, fordert Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Gefährlich werde es, wenn Unternehmen Gewinne abgeben müssten, die sie für Investitionen in Zukunftsmärkte benötigen. Anreize für schnelle Investitionen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien dürften nicht ausgebremst werden, so der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, Wolfram Axthelm.

Was kann der Staat tun?

 Braunkohle Kraftwerk, RWE Power AG Kraftwerk Niederaußem, Windkraftwerke, 2 Blöcke wurden 2020/21 stillgelegt und im Juni 22 wieder hochgefahren um Gaskraftwerke in der Energiekrise 2022 zu ersetzten, Bergheim, NRW, Deutschland, Kraftwerk Niederauße
Mit dem Gas wird auch der Strom teuer. Das liegt an den Gesetzmäßigkeiten der Strombörse.

Es mehren sich die Stimmen, die Leipziger Strombörse auszusetzen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass neben dem Gaspreis auch der Strompreis einen Höchstwert erreicht habe, da die Erzeugungskosten so günstig wie nie seien, sagte zum Beispiel Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel forderte eine Neuordnung des Strompreissystems. Die Regeln an der Strombörse gelten aber europaweit – deutsche Alleingänge sind daher schwierig.

„Das bisherige Strommarktdesign ist insbesondere auf fossile Energieträger ausgerichtet“, analysiert Kemfert. Es seien aber die Erneuerbaren, die den Strombörsenpreis senkten. „Erneuerbare Energien müssen schnell und überall ausgebaut werden.“

„Mit dem Abschöpfen der sogenannten Zufallsgewinne können die Strompreise nicht gesenkt, aber die dafür notwendigen Mittel beschafft werden“, sagte Felix Christian Matthes vom Öko-Institut in Freiburg.

Dann hätte der Staat das Geld, um damit die Bürger und Unternehmen zu entlasten. Um etwas Dampf aus der Debatte zu nehmen, könnte der Staat auch die Mehrwertsteuer beim Strompreis senken.

Ist eine Deckelung des Preises klug?

Kemfert und auch Lion Hirth von der Hertie School in Berlin sehen eine Deckelung sowieso kritisch. Der Hauptgrund: Ist der Strompreis staatlich gedeckelt, fehlen die Anreize für den Verbraucher, Strom zu sparen. „Das ist eine Einladung zur Energieverschwendung auf Staatskosten. Außerdem gefährdet das die Stabilität der Stromnetze“, so Hirth.

„Besser wäre, das Stromsparen zu subventionieren, und betroffene Haushalte und Unternehmen direkt zu entlasten. Nicht Preise müssen gedeckelt werden, sondern Kosten“, so Kemfert.

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(osc)