Starker Jetstream hält uns gefangen im Grusel-Mai

Extremwetter in Deutschland: Wonnemonat mit erhöhter Gewitter- und Unwettergefahr

Deutschlandwetter mit kühlen Schauern und Hagel anstelle von Mai-Sommer

Was ist da bloß los mit unserem Wonnemonat? Der Mai scheint nur noch ein Schatten seiner selbst. Gewitterregen ergießen sich mit Unwettergefahr. Und auch die Aussichten über Pfingsten sind meist eher herbstlich mit Sturmgefahr als sommerlich. Die Erklärung für den Grusel-Mai 2021 ist aber eigentlich ganz einfach, so RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Das passiert, wenn die wettersteuernde Strömung, der Jetstream, bis weit runter nach Süden reicht. Dann haben auch die Tiefdruckgebiete mit kalter Luft nämlich ein leichtes Spiel in Deutschland.” Gleichzeitig ziehen immer wieder sogenannte Konvergenzlinien (Erklärung folgt weiter unten) durch. Und die bringen wiederholt eben die teils kräftige Schauer und Gewitter mit Hagel und Sturmböen und örtlichem Unwetterpotenzial mit.

Oben im Video: Wie viel Regen bringt uns das Schauerwetter in den kommenden Tagen?

Mai 2021: Gummistiefel-Wetter in Deutschland

Der Mai 2021 war alles andere als trocken. Bis jetzt sind schon rund 60 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.
Der Mai 2021 hat bereits reichlich Regen gebracht. Im deutschen Durchschnitt sind bis jetzt rund 60 Liter pro Quadratmeter gefallen. © dpa, Wolfgang Kumm, wk

Die Ausgangslage: Wie sieht die europäische Wetterküche derzeit aus?

RTL-Meteorologe Alexander: „Ausgehend von einem umfangreichen Tiefdruckgebiete über den Britischen Inseln und der Nordsee, das auf den Namen LOTHAR getauft wurde, bestimmt feuchte und recht kühle Atlantikluft unser Wetter. Eine Lage, die bis zur Wochenmitte immer wieder für kräftige und gewittrige Regengüsse verantwortlich ist. Außerdem ist die Grundströmung sehr lebhaft bis stürmisch.”

Welche Gefahren erwarten uns bei diesem Extremwetter?

Der Meteorologe ordnet die Gefahren durch die Extremwetter ein: „Neben punktuellen Starkregenschauern und Gewittern sind insbesondere in Schauernähe auch Sturmböen möglich. Doch auch abseits der Gewitterzentren ist es bevorzugt im Süden sehr windig bis stürmisch. Zudem sind wiederholt auch Graupel oder sogar Hagel nicht auszuschließen. Das gilt vor allem im Umfeld der sogenannten Konvergenzlinien.”

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Radar und dem aktuellen Blick auf die Niederschlags- und Gewitteraktivität.

RTL-Meteorologe Björn Alexander

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander © wetter.de

Was sind denn Konvergenzlinien?

In diesen Bereichen strömt die Luft aus unterschiedlichen Richtungen großräumig gegeneinander. Hier muss die Luft dann also zwangsläufig aufsteigen. Und hat wiederum zur Folge, dass in den betroffenen Gebiete die Schauer- und Gewittertätigkeit stark ausgeprägt ist. Das gilt besonders im Frühjahr und in den Sommermonaten, wenn gleichzeitig die Unwettergefahr deutlich ansteigt.

Mehr zum Thema Konvergenzlinien in unserem Wetter-Lexikon.

Am kommenden Wochenende, also zu Pfingsten, droht in Deutschland Sturm MARCO

Windwarnung für Pfingstsamstag
Die aktuelle Windwarnung für Deutschland für den Samstag. Es könnte weit verbreitet stürmisch werden. © wetter.de

Warum ist der Mai 2021 denn nach wie vor so kalt und nass?

„Die wettersteuernde Strömung macht es der Sommerluft nicht leicht. Sie reicht bis weit runter in den Süden und lässt uns im Tiefdruckeinfluss bibbern, während es in Europa tatsächlich nur in den südlichen Bereichen, wie in Spanien oder am östlichen Mittelmeer für sommerliche Temperaturen jenseits der 25 oder 30 Grad reicht. Problem Nummer 2: Das Azorenhoch schafft es nicht, uns gegen dieses ausgeprägte Tiefdruck-Karussell einen Ableger zu schicken”, erklärt Meteorologe Björn Alexander.

Stichwort: Sommerluft. Was müsste passieren, damit es endlich schöner und wärmer wird?

Was es braucht, um mehr Wärme oder gar den Sommer zu uns zu bringen, weiß unser Wetter-Experte genau: „Zuerst einmal müsste sich das Azorenhoch verstärken, um somit auch mal einen Ableger zu uns noch Deutschland zu schicken und so die Tiefdruckzone nordwärts zu drücken. Das wäre die Voraussetzung für dauerhaftes Sommerwetter. Wenn es „nur” um die Wärme geht: Hier würde es reichen, wenn die Tiefdruckaktivität sich mehr auf den Atlantik und Westeuropa konzentriert. Damit könnten wir auf der Vorderseite der Tiefs nämlich Sommerluft aus südlichen Breiten bekommen. Ähnlich wie wir es am Muttertag und zu Beginn der letzten Woche erleben konnten.”

Lesen Sie mehr zum Sommerwetter im Mai: Tropennacht und die höchsten Temperaturen des Jahres 2021 bisher.

(OHA/bal/kfb)

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