Weltweit erster Konzert-Einsatz

Spürhunde erschnüffeln Corona-Infektionen

Tierischer Coronatest

Können Hunde eine Corona-Infektion erschnüffeln und Großveranstaltungen damit sicherer machen? Das soll ein Forschungsprojekt in Hannover untersuchen. Auf einem Konzert der Band „Fury in the Slaughterhouse“ kamen die tierischen Corona-Tests am Sonntag zum allerersten Mal in Hannover zum Einsatz.

Ob die Spürhunde auf dem Konzert angeschlagen haben, sehen Sie im Video.

Schnelltest, PCR und Schweiß

Eineinhalb Jahre hat die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zusammen mit den Veranstaltern Hannover Concerts und ProEvent Hannover an dem Projekt „Back to Culture“ gearbeitet. Neben einem negativen Corona-Schnell-Test und einem PCR-Tests müssen die Fans vor dem Konzert am Sonntag eine Schweißprobe abgeben, die den Hunden vorgelegt wird.

„Wenn vom Hund positiv angeschlagen werden sollte, wird der Gast einmal zur Seite gebeten, dann werden ein paar Fragen geklärt, zu Vorerkrankungen oder Long-Covid, denn das können die Hunde auch erschnüffeln. Dann bekommt der Gast keinen Zutritt zum Gelände“, erklärt Nico Röger, Geschäftsführer von Hannover Concerts. Der Gast muss dann in häusliche Quarantäne und dort einen weiteren PCR-Test machen. Mit einer unauffälligen Probe dürfen die Gäste dagegen ihre Plätze auf dem Gelände frei wählen und am Platz die Maske abnehmen.

Trefferquote von über 90 Prozent

Bereits im vergangenen Sommer hatte ein Forscherteam unter Leitung der TiHo eine Studie veröffentlicht, für die Spürhunde der Bundeswehr auf das Coronavirus trainiert worden waren. Mehr als 90 Prozent von über 5.000 Proben konnten die Vierbeinern korrekt identifizieren. Insgesamt 26 Studien hätten inzwischen ergeben, dass Hunde Corona-Infektionen erschnüffeln könnten, erklärte Holger Volk, der Leiter der Klinik für Kleintiere der TiHo, gegenüber RTL Nord. Nun sollen die Spürhunde ihre Fähigkeiten bei Veranstaltungen unter Beweis stellen. Dafür wurden Sprengstoffspürhunde der Bundeswehr und Spürhunde der WAWiAS Aviation Services GmbH trainiert und getestet.

Schnüffeln ist für die Hunde "ein Spiel"

Im Training arbeiten die Hunde mit Proben von positiv auf Corona getesteten Menschen. Damit Mensch und Tier sich dabei nicht infizieren, wurden die Proben chemisch inaktiviert. „Wenn die das richtig anzeigen, kriegen sie ein Leckerli“, erklärt Holger Volk das Training. „Dann lernen sie natürlich, das ist etwas Positives. Das ist ein Spiel für sie.“

Die Ergebnisse der tierischen Corona-Tests werden nach dem Konzert mit den Ergebnissen der PCR- und Schnelltests verglichen. Eine Auswertung erhoffen sich die Veranstalter am Dienstag.

Drei weitere Konzerte sind geplant

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt das Projekt „Back to Culture“ mit 1,3 Millionen Euro. Insgesamt sind vier Konzerte geplant. Am 27. September spielt der Sänger Bosse, am 2. Oktober folgen Alle Farben und am 9. Oktober tritt Sido in Hannover auf. Alle Konzerte sind für die Besucher kostenlos. Bei jeder Veranstaltung sollen die Auflagen in Hinblick auf Maske und Abstand schrittweise gelockert werden. Auf dem letzten Konzert sollen bis zu 1.500 Besuchende zugelassen werden, die ohne Maske und Abstand miteinander feiern dürfen.

Die Veranstalter hoffen, dass mit den tierischen Corona-Tests Konzerte in Zukunft wieder vor einem großen Publikum stattfinden können. „Die Hunde können aber auch für weitaus mehr vielleicht interessant sein“, so Nico Röger, „für Bereiche wie Kindergärten, Altersheime oder Schulen, in denen ja momentan noch wöchentlich Tests stattfinden und für Personen, die vielleicht noch nicht geimpft sind.“ (cta/lzi)