Welche Risiken bestehen für Mutter und Kind bei einer späten Schwangerschaft?

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine junge Frau hält am 08.07.2012 in Düsseldorf ihren Babybauch. Bundesweit kommen jährlich rund 10 000 Jungen und Mädchen mit alkoholbedingten Schädigungen zur Welt.  Foto: Maurizio Gambarini/dpa (zu lni
Alkohol in der Schwangerschaft © dpa, Maurizio Gambarini

Biologische Uhr: Wie lange können Frauen Kinder kriegen?

Diese Frau sorgt in Deutschland aktuell für viel Diskussionsstoff: Mit 61 Jahren erwartet Alexandra Hildebrandt aus Berlin ihr achtes Kind. Bereits fünf ihrer Kinder hat sie nach ihrem fünfzigsten Geburtstag zur Welt gebracht. Doch wie gefährlich ist es, mit einem so hohen Alter nochmal Mutter zu werden? Und welche Risiken gibt es für das ungeborene Kind? Wir haben einen Experten gefragt, der die wichtigsten Fragen zum späten Mutterglück beantwortet.

Im Durchschnitt werden Frauen mit 30 zum ersten Mal Mutter

Erstmal die Karriere und dann Kinder? Oder gab es vorher einfach nicht den richtigen Partner? Die Gründe für einen späten Kinderwunsch sind vielfältig. Doch ungewöhnlich ist eine späte Schwangerschaft heute nicht mehr. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes im Durchschnitt 30 Jahre alt sind. Jedoch sind 48% der Frauen bei der ersten Geburt auch schon mal zwischen 30 und 39 Jahre alt. Bei knapp 3% ist die Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes sogar älter als 39 Jahre. 

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, stellen wir fest, dass sich die Geburtenhäufigkeit bei Frauen über 40 fast vervierfacht hat. Brachten 1990 von 1000 Frauen rund 23 Frauen über 40 ein Kind zu Welt, sind es heute 88 von 1000 Frauen.

Auf natürlichem Weg schwanger werden - wie lange ist das möglich?

Ob Frauen auch im fortgeschrittenen Alter noch die Möglichkeit haben auf natürlichem Weg schwanger zu werden, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt, dass der Gesundheitszustand der werdenden Mutter wesentlich ausschlaggebender ist, für eine erfolgreiche Schwangerschaft, als ihr Alter. Fakt ist aber auch: Die Chancen auf eine Schwangerschaft sinken bereits am dem 30. Lebensjahr und lassen mit zunehmenden Alter stetig nach. 

Ausschlaggebend ist dabei die individuelle Eierstockreserve der Frau, die unter anderem durch die Höhe des Anti-Müller-Hormons (AMH) bestimmt werden kann. Durch diesen Wert lässt sich einschätzen, ob und in welcher Wahrscheinlichkeit eine Frau noch auf natürlichem Wege schwanger werden kann. Hat eine Frau die Wechseljahre jedoch bereits durchlaufen, ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden kaum noch gegeben

Risiken für Mutter und Kind

Zu der Angst, nicht schwanger werden zu kommen, besteht zudem auch die Möglichkeit, während der Schwangerschaft vermehrt unter Komplikationen zu leiden. Von einer Risikoschwangerschaft hinsichtlich des Alters spricht man ab dem 38. Lebensjahr einer Frau. 

„Bei älteren Frauen besteht häufiger das Risiko, an einer Schwangerschaftdiabetes oder unter Bluthochdruck zu leiden. Dieses Risiko steigt nochmal, sollte die Frau durch eine fremde Eizelle schwanger geworden sein. Außerdem kommt noch hinzu, dass die Eizellen von älteren Frauen häufiger chromosomale Defekte haben“, bestätigt der Gynäkologe Prof. Dr. Friedrich Wolff. „Um dem vorzubeugen gibt es ein Vorsorgeprogramm mit spezielle Untersuchungen wie beispielsweise das Ersttrimeterscreening oder ein Organscreening.“ 


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Ob die Geburt für Mutter und Kind im Alter gefährlicher ist, hängt davon ab, ob es sich um eine Erstgeburt handelt. „Bringt eine Frau zum ersten Mal ein Kind auf die Welt, ist der Verlauf der Geburt meistens länger. Bei älteren Frauen besteht dann das Risiko der körperlichen Erschöpfung, was wiederum zur Gefahr für Kind und Mutter werden kann“, erklärt Prof. Dr. Wolff. Doch auch für das Kind gibt es potentielle Fährnisse einer späten Schwangerschaft, wie beispielsweise eine Frühgeburt oder ein geringeres Geburtsgewicht. 

Es gibt auch Vorteile einer späten Schwangerschaft

Doch diese Risiken müssen nicht zwangsläufig gefährlich werden, betont Prof. Dr. Wolff. Um dem vorzubeugen rät er Schwangeren zu einer gesunden Ernährung, ausreichend Vitaminen und einer frühzeitigen Zufuhr von Folsäure, um Fehlbildungen zu vermeiden. „Wichtig für die schwangere Frau ist vor allem das Gewicht. Mehr als 15 Kilo sollte die Frau während der Schwangerschaft nicht zunehmen.“

Prof. Dr. Wolff sieht auch Vorteile einer späten Schwangerschaft: „Wir stellen fest, dass ältere Mütter eine höhere Zuwendung und Fürsorglichkeit für das Kind aufbringen. Natürlich haben sie auch mehr Lebenserfahrung und der berufliche Druck ist geringer. Trotzdem sollten Eltern bei der Planung immer auch berücksichtigen, dass sie im Alter nicht mehr so Belastbar sind.“