Sorge um Europas letzten Urwald: Polen möchte Nationalpark Bialowieza abholzen

Polen: Letzter Urwald vor der Abholzung
Eine Anspielung an den Film 'Forrest Gump'. Nur leider kann der Bialowieza-Wald vor den Motorsägen nicht weglaufen. © picture alliance / NurPhoto, Michal Fludra, Michal Fludra/NurPhoto

Letzter Urwald Europas: Wisente bedroht - die Motorsägen heulen schon

Er gilt als der letzte Urwald Europas: Bialowieza heißt der Nationalpark auf polnischem Staatsgebiet ganz im Osten des Landes an der Grenze nach Weißrussland. Doch die Idylle ist bedroht, denn die polnische Regierung will Kapital schlagen aus dem herrlichen Wald, der sich über 900 Quadratkilometer erstreckt und etwa 20.000 Spezies ein Zuhause gibt. Hier lebt auch Europas größtes Säugetier, der Wisent.

Umweltminister will Polens Urwald von UNESCO-Liste streichen

Der Urwald Polens steht vor dem Aus.
Aktivisten im Urwald von Bialowieza. © REUTERS, KACPER PEMPEL, KP/KTS

In Warschau und in Brüssel formierte sich Widerstand gegen die Abholzung im UNESCO-Weltnaturerbe Bialowieza. Vor einigen Tagen gingen Tausende Polen auf die Straße, um den Wald zu retten. "Man muss nur auf die Satellitenfotos schauen, um zu sehen, dass Europas letzter Urwald in eine Plantage verwandelt wird", sagte der Chef von Greenpeace Polen, Robert Cyglicki in Warschau.

Die EU-Kommission hatte schon einmal eine "letzte Mahnung" geschickt und sogar mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, wenn die Abholzung nicht gestoppt würde.

Und was plant die polnische Regierung? Sie will den Wald von der UNESCO-Liste streichen. Das war nicht der Vorschlag der Holzindustrie, sondern der des Umweltministers Jan Szyszko!  

Der älteste Nationalpark Polens

Bialowieza ist der erste Nationalpark Polens - er wurde 1923 gegründet. Fast 100 Jahre später soll er nun durch massiven Holzeinschlag der Geldvermehrung dienen. Die bedrohten Wisente sind das Wahrzeichen des Waldes. Sie galten 1921 als ausgerottet, wurden 1956 im Wald wieder ausgewildert. Derzeit besteht eine recht stabile Population von 450 Tieren. 

Schon zu Zeiten der russischen Zaren Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebiet geschützt und Wilderei mit der Todesstrafe belegt. Besonders wichtig ist der Park auch für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie dem Schrei- und Schlangenadler.  

Ganz nebenbei beherbergt der Urwald 3.500 Pilz- und 5.500 Pflanzenarten - eine kaum mehr zu findende Artenvielfalt.