Sonnencremes können Meerestieren schaden - Hawaii verbietet erste Produkte

UV-Schutz-Produkte können Meerestieren schaden
UV-Schutz-Produkte können Meerestieren schaden Hawaii verbietet einige Sonnencremes 01:24

Wie soll man sich nun vor Sonne schützen?

Die UV-Filter in Sonnenschutz-Produkten wie Sonnenmilch oder Sonnensprays können schädlich für Korallen und andere Tiere sein. Hawaii hat daher einige Cremes nun per Gesetz verboten. Aber wie soll man sich dann schützen? 

Wir müssen unsere Haut, aber auch die Natur schützen

05.05.2018, USA, Hawaii, Honolulu: Michael Koenigs verkauft auf einem Bauernmarkt in Honolulu selbst hergestellte Sonnencreme. (zu dpa «Sonnencremes können Meerestieren schaden - Hawai'i verbietet Produkte» vom 26.06.2018) Foto: Christina Horsten/dpa
Forscher sorgen sich um UV-Filter in Sonnencremes - Michael Koenigs verkauft daher Sonnenmilch ohne Chemikalien. © dpa, Christina Horsten, fgj

Auf einem Bauernmarkt in Honolulu verkauft Michael Koenigs selbst hergestellte Sonnencreme. "Wir müssen uns und unsere Familien vor der Sonne schützen - aber wir müssen auch unsere Meere und Korallenriffe schützen", sagt der dreifache Familienvater. Seine in silbernen Tiegeln verpackte Paste ist deutlich teurer und dickflüssiger als handelsübliche Sonnencreme und zieht deutlich langsamer in die Haut ein - aber sie besteht dafür aus natürlichen Zutaten wie Kokosöl, Makadamianuss-Öl und Sheabutter. "Die Chemikalien in den normalen Sonnencremes machen unsere Riffe kaputt", erklärt Koenigs. Warum das so ist, erfahren Sie im Video.

Neues Gesetz tritt ab 2021 in Kraft

Mit dem Thema werden viele Hawaii-Besucher neuerdings schon bei der Anreise im Flugzeug konfrontiert: Jeder Passagier bekommt bei Hawaiian Airlines ein kleines Tütchen "Riff-sichere" Sonnencreme. Auch in einigen Hotels wie dem "Surfjack" nahe dem weltberühmten Waikiki-Strand hängen Spender mit Sonnencreme - ebenfalls angeblich "Riff-sicher". 

Jahrelang haben Sonnencreme-Hersteller wie Koenigs und viele Mitstreiter versucht, auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam zu machen - bis das Parlament sie schließlich erhörte: Als erster US-Bundesstaat verabschiedete Hawaii Anfang Mai ein Gesetz, das den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten Chemikalien darin verbietet, trotz des Widerstands mehrerer Sonnencreme-Hersteller. Am 1. Januar 2021 tritt es in Kraft.

Chemikalien aus der Sonnenmilch findet man in Delfinen, Fischen und Korallen

Das Problem sehen Wissenschaftler vor allem in zwei Inhaltsstoffen: Octinoxat und Oxybenzon, beide in Hawaii nun verboten. Sie werden in vielen Sonnencremes als UV-Filter benutzt, sollen die Ultraviolettstrahlung der Sonne davon abhalten, die Haut des Menschen zu schädigen. "Diese Chemikalien sind inzwischen überall in der Natur zu finden, von der Arktis bis hin zu abgelegenen Korallenriffen im Südpazifik. Man findet sie in Delfinen, Eiern von Wildvögeln, vielen Fischen, die wir essen, und in Korallen", sagt Forscher Craig Downs vom Haereticus-Labor in Virginia. 

Mögliche Folgen der Chemikalien im Meer können demnach zum Beispiel Korallenbleiche oder Schäden am Erbgut von Fischen oder Korallen sein. "Auch andere Chemikalien in Sonnencremes können Schäden verursachen, aber die Forschung ist noch ziemlich jung und es ist noch nicht viel veröffentlicht worden." Natürlich sind die Chemikalien in Sonnencremes nicht die einzige Gefahr für Meere und Korallenriffe - aber Experten hoffen, dass dieses Problem sich einfacher in den Griff bekommen lässt als beispielsweise der Klimawandel und die Verschmutzung durch Abwässer oder Plastikmüll. 

Experten raten beim Tauchen und Schnorcheln zu einem textilen Sonnenschutz

Bleibt die Frage: Sonnencreme im Sommer - ja oder nein? Aus dermatologischer Sicht sei hierzulande zum Schutz vor UV-Licht zu raten, sagt der frühere Direktor der Hautklinik der RWTH Aachen, Hans Merk. Er betont aber auch, dass Sonnencreme hierzulande als Kosmetik eingestuft wird und damit für die Inhaltsstoffe laxere Regelungen gelten als etwa in den USA, wo die Cremes als Medikament klassifiziert werden.

Sonnencremes mit mineralischen Filtern sind Merk zufolge unter dem Aspekt möglicher Umweltschäden nicht unbedingt die bessere Wahl. Zink- und Titanoxid hätten sich in einer Studie auch als korallenschädlich erwiesen, die zugrundeliegenden Mechanismen seien noch nicht genau verstanden. Gerade für Schnorchler und Taucher sei deshalb UV-Schutz durch Textilien statt Cremes ratsam - weitere Empfehlungen seien beim bisherigen Kenntnisstand nicht möglich.