Trockenheit wird problematisch

Bewahrt uns der April vor der nächsten Dürrephase?

von Björn Alexander und Oliver Hantke

Das Wetter im März dürfte allen Sonnenhungrigen und den Betreibern von Photovoltaik wohl sehr gut passen. Auf der anderen Seite werden wir die Folgen der Trockenheit schon bald mehr und mehr zu spüren bekommen. RTL-Meteorologe Björn Alexander über den aktuellen Stand und die Trends in Sachen Regen bis in den April.

Wie trocken ist Deutschland derzeit?

Björn Alexander: „Grundsätzlich haben wir rückblickend betrachtet Glück gehabt, dass der Februar mit knapp 80 Litern pro Quadratmeter im deutschlandweiten Durchschnitt deutlich zu nass ausgefallen ist. Hierdurch präsentierte sich die Wassersituation in den Böden und besonders in den tieferen Bodenschichten von einem bis zwei Metern alles in allem recht entspannt. Einzig im Osten startet der März in den Böden bereits mit einem Wasserdefizit, das sich inzwischen natürlich weiter verschärft hat. Zudem werden wir in ganz Deutschland eine weitere Zunahme der Waldbrandgefahr verzeichnen. So wird die Waldbrandgefahr bis zum Samstag auf die Stufen 3 bis 4 (von 5 möglichen) ansteigen.”

Besteht die Chance, dass sich die Lage im Anschluss ändert?

„Binnen der nächsten acht Tage sehen die wichtigsten Wettermodelle höchstens im Westen unseres Landes mal die Möglichkeit für etwas Regen oder ein paar Schauer. Viel ist aber nicht in Sicht. Erst im letzten Monatsdrittel könnte sich in Sachen Regen was mehr ergeben. Zumindest sehen die Computerberechnungen dann Anzeichen zum Einbrechen des andauernden Hochdruckblocks.”

Die Grafik zeigt die Temperatur- und Niederschlagsentwicklung in den nächsten 42 Tagen für Hannover an. Die Temperaturen steigen, viel Regen ist nicht zu erkennen.
In Hannover sind nennenswerte Niederschlagssignale erst zum Monatsende zu erkennen.

Welche Prognosen erlauben denn die Langfristvorhersagen im April 2022?

„Bei den experimentellen Trendvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes (NOAA) zeigen die aktuellen Berechnungen - nach dem extremen Dürre-März - eine wesentlich ausgeglichenere Niederschlagsbilanz. Das gilt sowohl für den April als auch für den Mai. Und auch die auf dem Europäischen Wettermodell basierenden längerfristigen Prognosen deuten ab Ende März bis in den April hinein mehr Niederschlagssignale an.”

RTL-Meteorologe Björn Alexander

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander

Lässt sich damit ein Dürre-Frühjahr ausschließen?

„Zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht. Denn einerseits sind es eben experimentelle Prognosen, die natürlich auch noch reichlich Raum für Anpassungen und Änderungen haben. Andererseits bauen wir bis zum möglichen Wetterumschwung im letzten Monatsdrittel bereits ein ziemliches Regendefizit auf. Zumal die zunehmend durstige Natur inzwischen nicht nur in den Startlöchern steht, sie ist nämlich immer häufiger schon los gesprintet. Ein Zustand, der sich durch die ansteigenden Temperaturen in nächster Zeit sicherlich nochmals beschleunigen dürfte. Auch die Allergiker gegen Birkenpollen werden das mit dem einsetzenden Pollenflug in etwa ab der Monatsmitte vermehrt zu spüren bekommen.”

Die Grafik zeigt den Frühlings-Fortschritt in Deutschland (Stand 09.03.2022): München, Berlin und Rostock hinken noch etwas hinterher.
Der Frühling will einfach nur loslegen. Nur im Süden und Osten hinkt der Frühling noch etwas hinterher.

Wetterfakten zum Frühling

Das sagt der Blick auf die Wetterstatistik:

  • Durchschnittstemperatur (Vergleichszeitraum 1991-2020): +8,9 Grad
  • Durchschnittstemperatur (Vergleichszeitraum 1961-1990): +7,7 Grad
  • Kältester Frühling war im Jahr 1883: +5,65
  • Wärmster Frühling war im Jahr 2007: +10,62 Grad
  • Höchste Temperatur: +36,1 Grad
  • Tiefste Temperatur: -28,5 Grad
  • Niederschlagssoll: 185 Liter pro Quadratmeter

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die Doku im Online Stream auf RTL+

(bal, oha)