Sonne hier, Nebel nebenan: Darum sind Vorhersagen im Herbst so schwierig

Warum Nebel-Vorhersagen selbst Experten ins Schwitzen bringen

„Goldener Herbst“ oder „malerischer Spätsommertag“: Hören wir solche Wettervorhersagen, freuen wir uns - und wundern uns umso mehr, wenn der Tag dann doch trüb und neblig verläuft. Zur Verteidigung der Ehre aller Meteorologen: In den Herbstmonaten ist eine Vorhersage, wo genau es sonnig wird, zumindest sehr schwer. Aus guten Gründen.

Eine Frage der Energie

16.11.2019, Baden-Württemberg, Ravensburg. Foto: Felix Kästle/dpa
Das Schussental in Baden-Württemberg; Oben klar, unten neblig. Eben typisch Herbst © dpa, Felix Kästle, lix jai

Herbst und Nebel - ein Paar, das einfach zusammengehört. Wie Glühwein und Weihnachten, wie Ostern und Eier. Und das ist einfach erklärt: Durch die langen Nächte und den tiefen Stand der Sonne gibt es in der Herbst- und Winterzeit kaum noch genug Energie und Wärme, um die Feuchtigkeit in der Luft verdunsten zu lassen. Kommen dann noch eine Hochdruckwetterlage und wenig Wind mit in den Topf, ist die Nebel-Suppe angerührt. Vor allem in den Niederungen. Sonne pur auf dem Berg, grau und trüb im Tal – ein bekanntes Phänomen.
​Kurz zusammengefasst gibt es vor allem zwei Ursachen für die vielen nebligen Herbsttage:

1. Temperatur und Feuchtigkeit

14.10.2019, Baden-Württemberg, Uttenweiler. Foto: Thomas Warnack/dpa
Der Herbst kann so schön sein - ob mit oder ohne Nebel. © dpa, Thomas Warnack, bwe fgj

Kalte Luft kann viel weniger Feuchtigkeit aufnehmen, als warme Luft. Nebel entsteht so viel schneller – eine Wolke in Bodennähe sozusagen. Ein Fluss oder eine feuchte Wiese reichen schon, um einen dicken Nebelschleier herbeizuzaubern. Daher kann es auch regional zu großen Unterschieden kommen. Eben je nach Feuchtigkeit und Temperatur.

„Für uns ist es beinahe unmöglich, einzelne Wolkenfelder vorherzusagen“, sagte Patrick Panke, RTL-Meteorologe. „Genauso verhält es sich auch bei Nebel. In der Stadt, wo es wärmer ist, kann es sonnig sein, nebenan im ländlichen Raum ist es gleichzeitig trüb.“

2 . Wind und Wetterlage

Ohne Wind bleibt Luft lange an Ort und Stelle – bei Nebel kann sie nicht durch weniger feuchte Luft ersetzt werden. Das kommt besonders bei Hochdruckwetterlagen vor. Was im Sommer strahlenden Sonnenschein verspricht, ist im Herbst und Winter dann oft das genaue Gegenteil.

„In einem Hochdruckgebiet sinkt die Luft nach unten“, so Panke. „Dabei erwärmt Sie sich. Wenn die absinkende Luft in der Höhe wärmer wird, als die Luft am Boden, dann entsteht zusätzlich eine Art Sperrschicht, wo sich die feuchte Nebelluft staut.“

Letzte Rettung bei der Nebelvorhersage: Erfahrung

Schon kleinste Unterschiede in Sachen Feuchtigkeit und Temperatur in der Umgebung können also Nebel entstehen lassen - oder eben nicht. Entsprechend kann irgendwo dicker Nebel herrschen, während es nur wenige Meter weiter strahlend schön ist. Das zu berechnen, schafft heute kaum ein Wettermodell. Sie sind dafür einfach nicht ausgelegt. Der Rechenaufwand wäre extrem.

Ganz aufgeschmissen sind Meteorologen dennoch nicht. „Auch wenn die Wettermodelle das nicht leisten können – uns bleibt ja immer noch unsere Erfahrung“, weiß Panke.