Diese Ratschläge erteilt der Gynäkologe

Immer mehr Schwangere ohne Corona-Impfung im Krankenhaus

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Hebamme mit Mutter bei Schwangerschaft Untersuchung model released Symbolfoto property released PUBLICATIONxINxGERxSUIx © imago images/Panthermedia, Kzenon via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Covid-19-Impfung für werdende und stillende Mütter?

Viele schwangere Frauen sind verunsichert, ob sie sich für die Impfung gegen Covid-19 entscheiden sollen. Bislang hieß es, man könne sich ab der 14. Schwangerschaftswoche impfen lassen. Jetzt sagen immer mehr Ärzte: Erst ab der 22. SSW ist das Immunsystem des Kindes so weit entwickelt. Also lieber erst dann impfen lassen? Oder vielleicht sogar erst, wenn das Kind geboren wurde?

Prof. Dr. med. Ulrich Pecks, Leiter der Geburtsklinik am UKSH in Kiel, beantwortet alle wichtigen Fragen.

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ARCHIV - 19.02.2016, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau hält ihren Jungen. (zu dpa «Klöckner will mehr Frauen zum Stillen motivieren» vom 15.09.2020) Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Diese Dinge müssen Sie als stillende Mutter in Bezug auf die Corona-Impfung beachten. © dpa, Paul Zinken, pdz dul lim fgj sab

Sollten sich stillende Mütter gegen Covid-19 impfen lassen?

Prof. Pecks: „Ja. Auch wenn es natürlich wenige Daten aus klinischen Studien gibt, überwiegt der Nutzen einer Impfung die theoretischen Bedenken. Hierzu haben sich mehrere Fachgesellschaften mit Experten auf diesem Gebiet eindeutig positioniert.“

Welchen Corona-Impfstoff würden Sie stillenden Müttern empfehlen?

Prof. Pecks: „Bei den in dieser Altersgruppe bevorzugten RNA-Impfstoffen kann man davon ausgehen, dass auch der Wirkstoff, nämlich die RNA, nicht einmal in die Muttermilch übergeht, da die RNA, wenn sie überhaupt von der Impfstelle in den Körperkreislauf gelangt, in der Muttermilch durch sogenannte RNAsen schnell abgebaut wird.“

Warum kann eine Impfung während des Stillens gefährlich sein?

Prof. Pecks: „Ich persönlich sehe hier keine Bedenken. Frauen sollten sich aber generell nicht impfen lassen, wenn sie sich krank fühlen oder Fieber haben, wie z. B. bei einem Milchstau oder einer Brustentzündung.“

Wann ist denn der richtige Zeitpunkt, sich als Schwangere impfen zu lassen?

Prof. Pecks: „Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Es scheint so, dass Schwangere besonders in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Es wäre daher gut, der Impfschutz wäre bis dahin aufgebaut. Auf der anderen Seite gibt es die wenigsten zuverlässigen Daten zur Sicherheit der Impfstoffe aus dem 1. Trimenon. Ich selbst würde ab dem frühen zweiten Trimenon eine Impfung empfehlen.“

ARCHIV - 25.03.2012, Hamburg: ILLUSTRATION - Eine Frau hält ihren schwangeren Bauch. Mit einer Entschädigung für den Alkoholmissbrauch der eigenen Mutter in der Schwangerschaft befasst sich das Bundessozialgericht in Kassel. Es entscheidet an diesem
Auch Schwangere haben die Möglichkeit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. © dpa, Mascha Brichta, vtc dul lop alf

Inwieweit ist der Covid-19-Krankheitsverlauf ohne Impfung bei Schwangeren schwerer – und warum?

Prof. Pecks: „Schwangere haben generell im Rahmen bestimmter Infektionskrankheiten, wie der Influenza, ein höheres Risiko für Komplikationen. Dies wird unter anderem mit physiologischen Veränderungen erklärt, die der Körper im Verlauf der Schwangerschaft erfährt, wie eine Anpassung des Immunsystems, damit das mütterliche Immunsystem den heranwachsenden Fötus akzeptiert. Zudem sinkt mit zunehmendem Gestationsalter und steigendem Fundus der Gebärmutter die Lungenkapazität. Dies kann bei einer Infektion/Lungenentzündung die Situation zusätzlich erschweren. Als Leiter der deutschen CRONOS-Studie überblicke ich Daten zu 100 schweren Verläufen bei Schwangeren mit Intensivstation-Überwachung. Leider auch Todesfälle. Aber zum Glück sind die schweren Verläufe insgesamt doch verhältnismäßig selten.“

Inwieweit würde die Covid-19-Impfung auch das Baby schützen?

Prof. Pecks: „Ein Nestschutz durch mütterliche Antikörper, die über den Mutterkuchen dem Kind gegeben werden, ist durchaus möglich und auch wahrscheinlich. Allerdings hält dieser nicht ewig lange an, vermutlich etwa drei bis neun Monate. Aber auch über das Stillen werden mütterliche Antikörper dem Kind gegeben. Die werden von dem Kind zwar nicht aufgenommen, können aber einen zusätzlichen lokalen Schutz im kindlichen Rachenraum darstellen. Aktuelle Daten belegen jedenfalls, dass das Stillen sich günstig auswirkt.“

Welche Gefahr geht von den Corona-Mutationen aus?

Für alle nicht-geimpften Frauen, die aktuell schwanger sind, stellt besonders die Delta-Variante eine besondere Gefahr dar – für sie und das ungeborene Baby. In Großbritannien zum Beispiel werden Schwangere daher dringend zu einer Impfung gegen Covid-19 aufgefordert. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen sei besorgniserregend gestiegen, eine von zehn schwangeren Frauen wurde mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert und musste sogar intensivmedizinisch betreut werden. Das zeigen neue Daten der Universität Oxford, die als Preprint-Studie auf medRxiv veröffentlicht wurden. Durch die neue Mutation sind besonders Ungeimpfte werdende Mütter sowie das ungeborene Kind in Gefahr, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit dem Virus infizieren und schwer erkranken, ist groß.

Viele Schwangere sind ungeimpft

Die Leiterin der Studie, Professorin Marian Knight sagte: „Etwa 200 schwangere Frauen wurden vor kurzem mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es für schwangere Frauen ist, sich impfen zu lassen, um sich und ihr Baby zu schützen.“ Mehr als 99 Prozent der schwangeren Frauen, die mit Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, waren nicht geimpft.

Die Daten beziehen sich dabei auf über 3000 schwangere Frauen, die mit Symptomen einer bestätigten Coronavirus-Infektion in Großbritannien – seit Beginn der Pandemie, bis etwa Mitte Juli diesen Jahres – eingeliefert wurden. Während der ersten Pandemie-Welle seien 24 Prozent der eingelieferten Frauen mäßig oder schwer erkrankt. Seitdem es die Coronavirus-Mutationen gibt, ist dieser Anteil sogar nochmal gestiegen: Bei der Alpha-Variante auf 36 Prozent und bei der besonders tückischen Delta-Variante auf 45 Prozent.

Auch deswegen könnte eine Covid-19-Erkrankung für Schwangere gefährlich werden

Ebenfalls erschreckend: Die Daten der Oxford-Preprint-Studie zeigen auch, dass eine von fünf Frauen, die mit schweren Corona-Symptomen ins Krankenhaus gebracht wurde, eine Frühgeburt erlitt. Zudem verdoppele sich bei Erkrankung auch die Wahrscheinlichkeit, per Kaiserschnitt entbinden zu müssen.

Erstautorin der Studie, Nicola Vousden, meint: „Weltweit haben inzwischen mehr als 200.000 schwangere Frauen eine Covid-Impfung erhalten, davon mehr als 50.000 im Vereinigten Königreich. Diese Studie zeigt, dass nur sehr wenige Schwangere mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie geimpft wurden.“ Das an sich ist schon mal eine beruhigende Nachricht. Andere Studien sollen bereits gezeigt haben, dass geimpfte Frauen Antikörper an ihre Babys weitergeben, was den Nutzen einer Corona-Impfung sowohl für Schwangere als auch für ihre ungeborenen Kinder eindeutig macht. Dies bestätigt auch Prof. Dr. med. Ulrich Pecks.

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Letztendlich biete Corona-Impfung Sicherheit

Wenn sich schwangere Frauen impfen lassen, besteht definitiv ein Schutz gegen Covid-19. Sollten sie sich aus verschiedenen Gründen doch gegen eine Corona-Impfung entscheiden, müssen Schwangere trotzdem weiterhin verstärkt auf Social-Distancing-Methoden achten. Um eine Ansteckung zu vermeiden, ist es daher besser, auf Nummer sicher zu gehen und weiterhin eine Maske zu tragen und wenn möglich Abstand zu halten. (agi/vdü)