Rekordsommer: Nicht bei uns aber im hohen Norden

So wenig Arktis-Eis wie nie - Rekordwerte in Spitzbergen

Niedrigster Juli-Wert überhaupt

Bei uns ist der Sommer eher biederer Durchschnitt: Aber im hohen Norden jagt ein Rekordwert den nächsten. Ob in Sibirien oder auf Spitzbergen. Es ist viel zu warm, in der russischen Taiga brennen schon die Wälder. Jetzt hat ein Forscherteam ermittelt, dass die Ausdehnung des arktischen Meereises auf den niedrigsten Juli-Wert seit Beginn der Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre gesunken ist.

Besonders kritisch: Der Permafrost am Nordpol gilt als wichtiger Kipppunkt für das weltweite Klima. Sollte das Eis endgültig schmelzen, kann sich die Erderwärmung durch Rückkopplungseffekte selbst verstärken.

Wie sich das Eis am Nordpol verändert, im Video.

Eine Million Quadratkilometer weniger von Meereis bedeckt

Arktis: Das Meereis ist auf einem historischem Juli-Tiefstand.
Arktis: Das Meereis ist auf einem historischem Juli-Tiefstand. © dpa, -, abl

In der russischen Arktis sind rund eine Million Quadratkilometer weniger von Meereis bedeckt als im Vergleich zum Mittelwert der vorherigen sieben Jahre, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) mitteilte. In der gesamten Arktis liegt die Meereisausdehnung zurzeit mit sechs Millionen Quadratkilometern 16 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2013 bis 2019.

Schon im Winter waren im Rahmen der ‘Mosaic’-Expedition bei der Eisdicke besonders niedrige Werte festgestellt worden. „Wir sehen in den letzten 15 Jahren eine geringere Dicke und Ausdehnung als in allen Jahren zuvor. Das ist die Konsequenz aus der Klimaerwärmung“, sagte der Awi-Meereisphysiker Marcel Nicolaus. 

Die WMO warnt: Kritische 1,5 Grad bald erreicht

21 Grad nur gut 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt

Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk.
Das von Greenpeace Russland veröffentlichte Foto zeigt einen Waldbrand in der Region Krasnojarsk. © dpa, Julia Petrenko, AZ

Hinzu kam im Juni eine Warmluftzelle, die für extrem hohe Temperaturen in Sibirien sorgte und die Ausdehnung des Meereises schmelzen ließ. Auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen wurden am 25. Juli 21,7 Grad Celsius gemessen, wie das Norwegische Meteorologische Institut mitteilte. Damit wurde in Longyearbyen ein 41 Jahre alter Rekord gebrochen. Longyearbyen, die Hauptsiedlung der Insel, liegt etwa 1.300 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Verheerende Brände und Temperaturrekorde in Sibirien

Dieses Foto zeigt einen Waldbrand der Taiga in der Gegend um Chanti-Mansisk am 21. Juli.
Dieses Foto zeigt einen Waldbrand der Taiga in der Gegend um Chanti-Mansisk am 21. Juli. © imago images/ITAR-TASS, Denis Bushkovsky via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Eine ungewöhnliche Hitzewelle hatte schon im Juni in Sibirien einen Temperaturrekord erzeugt. In der Stadt Werchojansk in Jakutien, die als einer der kältesten bewohnten Orte der Welt gilt, seien am 20. Juni 38 Grad gemessen worden, ein Rekord für die Messstation, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Im Juni haben die Temperaturen zehn Grad über dem Durchschnitt gelegen.

Nach einer Analyse von WMO-Experten sind diese Rekordwerte ohne Zutun des Menschen praktisch unmöglich gewesen. „Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die ganze Welt im Durchschnitt“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Entwicklung habe weitreichende Folgen. „Die Pole beeinflussen Wetter und Klima in niedrigeren Breitengraden, wo Hunderte Millionen Menschen leben.“

Nordpol spielt eine wichtige Rolle für den Klimawandel

Eisbären, Robben, aber auch Walrosse sind von von der Meereisbedeckung abhängig.
Eisbären, Robben, aber auch Walrosse sind von von der Meereisbedeckung abhängig. © imago images/Ardea, Rights Managed via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die weiße Oberfläche des Meereises reflektiert rund 80 Prozent des Sonnenlichts und reflektiert so zusätzliche Energie von der Erde. Klimaforscher sind daher besonders besorgt über die zunehmende Eisschmelze. Denn: Wenn weniger Eis vorhanden ist, absorbiert die dunkle Oberfläche des Meerwassers erheblich mehr Sonnenenergie, was zu einer weiteren Erwärmung der Atmosphäre und einem stärkeren Schmelzen des Eises führt. Und das wiederum führt zu einer weiteren Erwärmung. 

Die Klimaerwärmung bedroht die arktische Tierwelt wie Eisbären und Robben, die von der Meereisbedeckung abhängig sind. Steigende Temperaturen können aber auch den gefrorenen Boden unter vielen Gebäuden, Straßen und Flughäfen auftauen. Auch Lawinen und Erdrutsche können die Folge sein.