So extrem war das Wetterjahr 2018

Kopf-an-Kopf-Rennen um das wärmste Jahr

Auf den letzten Metern des Jahres 2018 kristallisiert sich heraus, dass es höchstwahrscheinlich zum wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 reichen dürfte. Am Ende sollte das bisher wärmste Jahr 2014 (Durchschnittstemperatur 10,3 Grad) mit einer durchschnittlichen Temperatur von 10,4 Grad knapp geschlagen werden. Das bedeutet eine Abweichung von plus 2,25 Grad im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Auch bei der Anzahl der Sonnenstunden dürfte es den Spitzenplatz geben. Seit 1951 wird der Sonnenschein in der Statistik geführt. Um die 2030 Sonnenstunden im bundesweiten Durchschnitt gab es seitdem noch nie. Das entspricht übrigens gut 125% des ansonsten üblichen Sonnensolls. Last but not least wird auch der Strich unter die Regenbilanz gezogen. Mit um die 600 Litern/m² wurden nur 75% des Solls erreicht. Damit ist 2018 "nur" eines der trockensten Jahre. Mindestens vier Jahre waren noch trockener. In der Kombination aus Trockenheit, Sonne und Wärme ist das Jahr 2018 aber definitiv ein Novum und wir können nur hoffen, dass sich eine ähnliche Konstellation in der Zukunft nicht häufiger einstellt. 

Januar viel zu nass, Februar und März winterlich

ARCHIV - 20.12.2018, Sachsen, Scheibenberg: Eine wundervolle Winterlandschaft mit Blick Richtung Annaberg-Buchholz liegt dem 807 Meter hohen Scheibenberg im Erzgebirge zu Füßen. Der Berg gehört zu den drei großen Basaltbergen im Westerzgebirge und is
Nicht nur im Erzgebirge gab es Anfang April noch eine Schneedecke. © dpa, Hendrik Schmidt, hsc jat fux

Der Januar startete mit knapp 170% des Regensolls bei 4 Grad Wärmeüberschuss. In dem Moment für die Winterfreunde eher ein Graus. Allerdings in Bezug auf das, was noch kommen sollte, auf jeden Fall ein Segen. Denn diesen Regen sollten wir im Jahresverlauf noch bitter nötig haben. Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte. Stattdessen zog der Winter noch einmal kräftig an.

Denn der Februar verlief über 2 Grad zu kalt und strahlte gleichzeitig bis in den März, der ebenfalls zu kalt ausfiel. Beide Monate waren bereits zu trocken, wobei der Februar viel Sonne im Gepäck hatte und der März hingegen noch einiges an Schnee brachte. Und so hielt sich der Märzwinter sogar bis in den April hinein und sorgte am Ostersonntag (dem 01. April) im Nordosten unseres Landes verbreitet nochmals für eine geschlossene Schneedecke. Kein Aprilscherz waren dementsprechend die 23 Zentimeter Schnee in Laage in Mecklenburg-Vorpommern. Zeitgleich lagen auf dem Brocken im Harz noch knapp 1,50 Meter Schnee.

Der Sommer fing Anfang April an, 30 Grad erstmals am 19.04.

News Bilder des Tages 02.08.2018, Sommerhitze, das Thermometer zeigt 37 Grad Celsius Hitze an. 02.08.2018, Sommerhitze, Rekordtemperaturen 02.08.2018, Sommerhitze, Rekordtemperaturen *** 02 08 2018 summer heat the thermometer shows 37 degrees Celsius
Bereits am 19. April wurde erstmalig 2018 die 30-Grad-Marke geknackt. © imago/MiS, Bernd Feil/M.i.S., imago stock&people

Gut drei Wochen später war der Oberharz auf circa 1.150 Metern Höhe dann auch weitestgehend schneefrei. Zuvor erlebte man im Flachland bereits am ersten April-Wochenende auch das erste Sommerwochenende des Jahres. Vom Winter schlitterten wir direkt in eine warme Südströmung, die uns den Beginn des Dauersommers 2018 brachte. Bereits am 07. und 08. April mit Spitzenwerten, die es in der Westhälfte gerne mal auf sonnige 25 bis 27 Grad brachten. Somit wurde eine Woche nach Schnee und Eis erstmals in 2018 die Sommermarke geknackt. Zum Teil wurden auch Temperaturrekorde für das erste Aprildrittel geknackt. Beispielsweise am Flughafen Köln-Bonn mit 25,7 Grad.

Bereits am 19. April wurde erstmalig in diesem Jahr die 30-Grad-Marke im Bereich Niederrhein, Ruhrgebiet bis herauf ins Ems- und Münsterland geknackt. Ganz vorne weg beispielsweise die Wetterstationen in Marl, Duisburg-Hochfeld, Gelsenkirchen, Emsdetten, Bochum, Bocholt und Krefeld mit 30 Grad oder etwas darüber. Damit wurden dann auch etliche Temperaturrekorde im zweiten Aprildrittel geknackt und es kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass der April auf Rekordkurs war. Am Ende verlief der April fast 5 Grad zu warm. Auch wenn sich zum Monatswechsel ein kleiner Einbruch mit teils heftigen Gewittern anbahnte.

Dauersommer von Mai bis August

HANDOUT - Tote Fische liegen am 27.02.2017 bei Neusiedl am See (Österreich) am Ufer der «Langen Lacke». Der klirrende Frost vergangener Wochen hat im burgenländischen Seewinkel zu einem Fischsterben geführt. In der Langen Lacke, die bis auf den Grund
Das Fischsterben nahm im Sommer in den Gewässern größere Ausmaße an © dpa, hkt abl

Der Mai war knapp 4 Grad zu warm, sehr sonnig und natürlich viel zu trocken, so dass es vor allem den Landwirten allmählich Angst und Bange wurde. Zumal der Juni, der Juli und der August ebenfalls extrem trocken und zwischen 2,5 und 3,5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt verliefen. Gleichzeitig drehte die Sonne eine Ehrenrunde nach der nächsten, was wiederum die Verdunstung ordentlich anheizte. Damit zeigten sich auch abseits der Felder und Wiesen die Spuren der Trockenheit immer deutlicher. Die Pegelstände an den Flüssen und Strömen gingen immer weiter zurück. Seen und kleinere Bäche fielen immer häufiger trocken und auch das Fischsterben nahm in den Gewässern größere Ausmaße an

Deutschland rutscht in mediterrane Klimabereiche

Duch diese Hitze landet Deutschland in mediterrane Klimabereiche: Mailand oder München - Hauptsache Italien, hätte man frei nach Andi Möller sagen können. Aber es ist eben so. Das Jahr 2018 hat uns dem Mittelmeer einige hundert Kilometer näher gebracht. Die Schwimmbadbetreiber erlebten eine Rekordsaison. Ebenso lief es bei den Seebädern und in der Ferienbranche in heimischen Gefilden sicherlich extrem gut.

Turbosommer ging auch im Herbst weiter

ARCHIV - 18.10.2018, Brandenburg, Lehde: Touristen fahren mit einem Kahn über ein Fließ im herbstlichen Spreewald. (zu dpa «Brandenburg steuert auf weiteren Tourismusrekord zu» vom 24.12.2018) Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Turbosommer ging auch im Herbst weiter. © dpa, Patrick Pleul, ppl

Und es ging noch weiter mit dem Turbosommer: Bis Mitte Oktober gab es noch Spitzentemperaturen im Rekordbereich von an die 30 Grad. Selbstredend war natürlich der dazwischen liegende September auch zu warm, zu trocken und sehr sonnig. Ein meteorologischer Dreiklang, der ebenfalls im November anhielt. In Zahlen ausgedrückt hieß das zum Beispiel für den November: knapp 1,5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt bei einer Sonnenausbeute von fast 140%. 

Beim Regen kam gerade einmal ein Drittel der ansonsten üblichen Niederschlagsmenge zusammen. Kaum verwunderlich ist somit, dass der Herbst 2018 ebenfalls zu warm, überdurchschnittlich sonnig und viel zu trocken in die Klimageschichte eingeht. Mit entsprechenden Folgen für die Wasserwirtschaft. So ging es an den Flüssen jetzt sozusagen ans Eingemachte. Die Pegelstände hielten sich über Wochen auf Rekordniveau und die Preise an den Tankstellen stiegen. Selbst Versorgungsengpässe wurden vermeldet. 

Dezember erst der zweite zu nasse Monat

Das Wetter im Jahr 2018
Das Ende vom Lied, bzw. vom Jahr: 2018 steht ganz allein mit seinen Rekorden und Fastrekorden da.

Im November schien es vorübergehend so, als ob es einen Durchmarsch vom Sommer in den Winter geben könnte. Denn zumindest tauchte der Winter mit einer kalten Ostwetterlage kurz auf. Jedoch kam es schlussendlich zu einem Comeback der vollkommen anderen Art. Die totgeglaubte Westwetterlage feierte ein fulminantes und enorm wichtiges Comeback, so dass sich im Dezember eine Entspannung der Niedrigwasser-Situation einstellte. Dementsprechend wurde der Dezember der zweite zu nasse Monat im bisher beispiellosen Wetterjahr 2018. Last but not least hatte das Wiedererstarken der Westwinddrift übrigens noch das Weihnachtstauwetter am vierten Adventswochenende zur Folge, so dass wir - seit dem Jahr 2010 - inzwischen auf das achte, mehrheitlich grüne Weihnachten in Folge zurück blicken.