Snowfarming: Schnee von gestern für die Pisten und Loipen für heute

Snowfarming in Davos
Snowfarming: So wird Schnee angebaut. © picture alliance/KEYSTONE, CHRISTIAN BEUTLER

Altschnee für die neue Skisaison

Immer häufiger werden die Jahre, in denen die Skisaison naht, aber die Wiesen immer noch grün und die Temperaturen nicht gerade winterlich sind - so wie auch in diesem Jahr. Das bedeutet für betroffene Skigebiete natürlich enorme Einbußen. Die Tourismusbranche musste eine Möglichkeit finden, um weniger von der Natur abhängig zu sein. Die Lösung: "Snowfarming" (frei übersetzt: Anbau von Schnee) – ein Verfahren, bei dem Altschnee vom vorigen Winter z.B. unter Sägemehl

oder Vlies gelagert wird und so den Sommer überdauert.

Die Idee wird beispielsweise in Finnland seit einigen Jahren praktiziert: Im Frühjahr werden Kunstschnee und der übrig gebliebene Restschnee zu einem großen Schneedepot zusammengehäuft und mit Sägespänen oder z.B. einer großen Vliesdecke abgedeckt. Mittlerweile bleiben bei der Übersommerung 80 % der im Depot gelagerten Schneemenge erhalten. Im Herbst wird dieser Altschnee dann für die Präparierung von Pisten und Loipen "geerntet" - einige Wochen bevor Schnee vom Himmel oder aus Schneekanonen gerieselt wäre.

Auch die Organisatoren der Olympischen Spiele von Sotschi im Jahr 2014 griffen auf diese Idee zurück. In den Bergen unweit der Hafenstadt Sotschi fällt zwar normalerweise genügend Schnee, es kommt aber auch immer wieder zu heftigen Wärmeeinbrüchen im Winter. Immerhin liegt Sotschi nur unwesentlich nördlicher als zum Beispiel Istanbul.

Snowfarming angeblich umweltfreundlicher als die Beschneiung mit Kunstschnee

Snowfarming Schweiz
Ein Haufen Schnee wird mit Sägemehl bedeckt - Snowfarming in Davos. © picture alliance/KEYSTONE, CHRISTIAN BEUTLER

Ein Skigebiet, das schon seit ein paar Jahren aktiv Snowfarming praktiziert und in dem Gebiet auch Forschung betreibt, ist Davos-Klosters in der Schweiz. 20.000 Kubikmeter Schnee sollen künftig im Flüelatal bei Davos gelagert werden. Für diesen großen Berg Schnee wird ein riesiges

Loch gebaut.

Trotz dieser Baumaßnahmen und der Tatsache, dass der Schnee am Anfang der Skisaison verteilt werden muss, gilt Snowfarming als umweltfreundlicher als die Beschneiung durch Schneekanonen; obwohl auch beim Snowfarming Kunstschnee verwendet wird. Denn der Schnee wird nur bei Minustemperaturen hergestellt, sodass man weniger Wasser und Energie benötigt als bei (eventuell) milden Bedingungen im Herbst.

Wie viel von dem eingelagerten Schnee am Ende des Sommers tatsächlich übrig bleibt, hängt von meteorologischen Einflüssen wie Temperatur, Wind, Niederschlag und der Sonneneinstrahlung ab. Auch die Lage des jeweiligen Gebietes ist entscheidend. Um die Einflüsse genauer bestimmen zu können, werden vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos zwischen dem Vlies und dem Schnee, bzw. zwischen den Sägespänen und dem Schnee Datenlogger platziert, die stündlich die Temperatur messen und abspeichern. Ein weiterer Temperaturlogger wird unter den Schneehaufen gelegt um den Einfluss der Bodentemperatur zu verfolgen. Die meteorologischen Daten werden mit Messstationen an verschieden Standpunkten erfasst. Schließlich werden die gemessenen Werte von Frühling und Herbst miteinander verglichen.

Die Zeiten, in denen die Natur (oder Petrus oder wer auch immer) entschieden hat, wann wieviel Schnee auf den Pisten liegt, ist vorbei - oder anders gesagt "Schnee von gestern"...

Quelle: DWD