Smog in China ist wie 'nuklearer Winter'

Smog in China ist wie 'nuklearer Winter'
© dpa, Diego Azubel

Das 23-fache des Grenzwerts gemessen - Alle Hoffnung ruht auf windigem Wetter

Verheerender Smog raubt Hunderten Millionen Menschen im Norden und Osten Chinas den Atem. Erstmals gab esaber Hoffnung, dass der Wind durch eine heranrückende Kaltfront die hohen Schadstoffkonzentrationen wegwehen könnte. Die Auswirkungen des anhaltenden Smogs, der die Sonne nicht durchkommen lässt, vergleichen chinesische Wissenschaftler mit einem 'nuklearen Winter'. Sie warnen eindringlich vor Ernteausfällen.

In Peking stiegen die Schadstoffwerte über die kritische Marke von 500, wo der Index normalerweise aufhört. In der Nacht wurde in der chinesischen Hauptstadt für den besonders gefährlichen Feinstaub der Spitzenwert von 577 gemessen. Das entspricht dem 23-fachen des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Werts.

Für rund 400 Millionen Menschen in sechs Provinzen sowie in Peking und Tianjin gilt die zweithöchste Alarmstufe 'Orange'. Die Schadstoffe werden von China sogar bis in die südkoreanische Hauptstadt Seoul herübergeweht.

Viele Chinesen schützten sich mit Atemschutzmasken. "Wir waren gestern ausverkauft", sagte die Verkäuferin in der Apotheke. "Wir haben viele Kinder mit Atemwegsleiden", sagte die Ärztin einer internationalen Klinik. "Aber wenn der Smog so lange anhält, fühlt jeder die Auswirkungen - sei es durch Kratzen im Hals, Husten oder andere gesundheitliche Probleme."

In vielen Krankenhäusern der Hauptstadt drängten sich die Patienten. Vor allem Ältere, kleine Kinder oder Menschen mit Asthma oder Herz- und Kreislaufproblemen litten unter den Schadstoffkonzentrationen.

Die Ernte wird "auf jeden Fall" beeinträchtigt

Der Vergleich mit dem 'nuklearen Winter' sorgte in China für Aufsehen. Wie bei der Verdunkelung und Abkühlung der Erdatmosphäre durch Staub und Rauch nach einem Atomschlag bekämen Pflanzen auch durch Smog weniger Sonnenlicht, wodurch die Ernte "auf jeden Fall" beeinträchtigt werde, sagte He Dongxian, Dozentin von Chinas Landwirtschaftsuniversität, in Peking.

"Bei einem Smogtag wird die Sichtweite reduziert - das heißt, die Lichtstärke für Pflanzen wird verringert", schilderte die Forscherin. "Die Photosynthese wird geschwächt, was großen Einfluss auf das Wachstum nicht nur der Blätter, sondern auch der Samen und der Früchte hat." Dadurch verschlechtere sich nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Ernte.

"Besonders im Winter und Anfang des Frühjahrs nimmt der Smog zu, was vor allem die landwirtschaftliche Produktion in Glashäusern stark beeinträchtigt." Mit anderen Wissenschaftlern unternimmt He Dongxian entsprechende Experimente mit Saatgut: "Da wir so viele Smogtage hatten, hat die Saat, die wir im Januar gepflanzt haben, noch nicht gekeimt, obwohl sie normalerweise schon sprießen müsste."