Ist dieses Kunstwerk frauenfeindlich - oder einfach nur hässlich?

Mystische Sex-Statue in Freiburg spaltet die Gemüter

Totem Freiburg
Holzskulptur Loretta des Künstlers Thomas Rees im Freiburger Lorettobad. © Thomas Kunz

Einzigartiges Bad - einzigartiges Kunstwerk

Das Lorettobad, von den Einwohnern kurz und liebevoll Lollo genannt, liegt am Fuße des Lorettobergs im Freiburger Stadtteil Wiehre. Eine Besonderheit des Bades: Es gibt eine teilweise Geschlechtertrennung in den Badebereichen. Heißt: Ein reines Damenbad ist von den anderen Bädern abgetrennt - das ist einzigartig in Deutschland. Ausgerechnet dort wurde nun eine neue Skulptur aufgestellt, die den Zorn vieler Menschen provoziert. Der Vorwurf: Hier wird eine Vergewaltigung verherrlicht und eine Frauenfigur sexualisiert, berichtet die Badische Zeitung. Einfach nur hässlich finden sie andere - und verstehen die ganze Aufregung nicht. Was ist da los?

Künstler nimmt Bezug auf den Pan-Mythos

Eigentlich wollte der Verein der Freunde des Lorettobads seinem heißgeliebten Bad etwas richtig Gutes tun: Eine neue hölzerne Skulptur des Freiburger Bildhauers Thomas Rees sollte den Eingangsbereich des ältesten Familienfreibades Deutschlands verschönern. Zu sehen ist eine nackte Frau mit langen, blonden Haaren, entblößter rechter Brust und Wespentaille, zu deren Füßen der Hirtengott Pan kauert – eine Art mystisch-mythische Sex-Statue. Für den Künstler ist die Aussage klar: Er bezieht sich auf den Pan-Mythos, dessen Aussage er ins Gegenteil verkehrt haben will - seine "Loretta" sei deswegen ein Sinnbild selbstbestimmter Frauen. Doch der P(l)an ging irgendwie nicht auf.

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Vergewaltigender Lüstling: "Ich könnte einfach nur kotzen"

Denn viele Menschen in Freiburg stoßen sich an diesem Kunstwerk, mittlerweile ist in der Stadt eine heftige Kontroverse darüber entbrannt. Der Hintergrund der Kritik ist bei den alten Griechen zu suchen: Hirtengott Pan gilt in der Mythologie als von Wollust getrieben, umgibt sich stets mit zahlreichen Nymphen. Das Mischwesen aus Mensch und Widder verfolgt im Liebesrausch in einer mythischen Geschichte die Nymphe Syrinx, die vor ihm flieht, sich dabei in Schilf verwandeln lässt - um einer Vergewaltigung zu entgehen. Aus dem Schilf bastelt sich Pan schließlich die berühmte Pan-Flöte.

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Eine Besucherin des Damenbades im Lorettobad in Freiburg steigt in das Schwimmbecken.
Eine Besucherin des Damenbades im Lorettobad in Freiburg steigt in das Schwimmbecken. (Foto: Archiv) © picture alliance, dpa, Rolf Haid

Finde das Detail: Wo kommt hier eigentlich Pans Flöte her?

Die Journalistin Maria-Xenia Hardt haut deswegen doppelt auf die Holzskulptur drauf: "Ich könnte einfach nur kotzen. (...) Der Künstler schreibt auf seiner Webseite, Loretta sei 'das Schicksal der Syrinx erspart geblieben. Frei und selbstbestimmt überblickt sie die Szenerie'", schreibt sie in der in der Stadtzeitung Fudder. "Ich frage: Wo kommt dann Pans Flöte her? Warum ist er überhaupt Teil des Werks? Und frei und selbstbestimmt – das wäre eine Skulptur, deren Brüste ungleich groß sind und leicht hängen. Die nicht den Bauch einzieht. Die einfach sein darf." Damit trifft sie natürlich einen Punkt: Im Frauenbad sind die Badenden vor männlichen Blicken geschützt.

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Im Freiburger Lorettobad gibt es eine teilweise Geschlechtertrennung in den Badebereichen. Ein reines Damenbad ist von den anderen Bädern abgetrennt. (Foto:Archiv)
Im Freiburger Lorettobad gibt es eine teilweise Geschlechtertrennung in den Badebereichen. Ein reines Damenbad ist von den anderen Bädern abgetrennt. (Foto:Archiv) © picture alliance, dpa, Patrick Seeger

"Diese prüde Entwicklung finde ich traurig"

Doch andere verstehen die ganze Aufregung so gar nicht. Valeska H. kommentiert bei Facebook: "Es sind Brüste zu sehen. Eigentlich nur eine Brust. Es gab mal eine Zeit, in der dies die Selbstbestimmung der Frau symbolisiert hat. Man sieht auch kaum noch oben ohne. Diese prüde Entwicklung finde ich traurig. Abgesehen davon steht die Dame auf Pan drauf. Somit ist sie diejenige, die über ihn bestimmt." Und der Schriftsteller Sascha Berst-Frediani fragt: "Die Skulptur ist vor allem ziemlich hässlich, aber warum soll dadurch Vergewaltigung verherrlicht werden?" Theresa R. schreibt schnippisch: "Dass sich hier in Freiburg eine Feminist*in über eine solche Skulptur am Damenbad auslässt und diese so interpretiert, konnte ja keiner ahnen."

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Vereinsvorstand hat Rücktritt angeboten

"Selbstverständlich war es nicht unsere Absicht, Besucher*innen des Bades oder unsere Mitglieder zu brüskieren oder eine sexistische Abwertung der Frauen darzustellen. Wir haben als ehrenamtlich Handelnde und im Rahmen der Gesamtspende versucht, für das Lorettobad einen positiven Beitrag zu stiften und dabei einem Bildhauer künstlerische Freiheit gelassen", verteidigte Vereinsvorstand Stephan Cornelius die ganze Aktion. Unter dem Eindruck der anhaltenden Diskussion hat der Vorstand des Vereins der Freunde des Bads jetzt aber am Mittwoch sogar seinen Rücktritt angeboten, berichtet jetzt die Badische Zeitung. (ija)