Serie zum Klimawandel - Teil 2: Was macht die Klimakrise mit der Tierwelt?

Von Oliver Scheel

In unserer Serie werfen wir einen Blick auf die Auswirkungen der Klimakrise für die Bewohner der Erde. 

Heute: die Tierwelt 

Der Klimawandel ist schnell. Aus erdgeschichtlicher Sicht sind derzeit Veränderungsprozesse in Gang, mit denen nur die wenigsten Tierarten mithalten können. Das Gleichgewicht der Natur gerät aus den Fugen. Die Wissenschaft geht bisher von fünf großen Massenaussterben in der Geschichte der Erde aus. Der Mensch arbeitet nun am sechsten.

Symbol für Klimawandel ist der Eisbär +++ Auch Walrosse brauchen das Eis

Weit weg von menschlicher Zivilisation lebt diese Walrossherde.
Walrosse ziehen ihre Jungen normalerweise auf Eis auf - fehlt das, weichen sie an Küsten aus. Mit tödlichen Folgen.

Die Gründe für das Artensterben sind enorm vielfältig und deswegen betrifft das Aussterben im sogenannten Anthropozän, dem vom Menschen gestalteten Zeitalter, so viele. Bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten sind einem Bericht des Weltbiodiversitätsrats zufolge vom Aussterben bedroht. 

Einige Gründe für das Aussterben der Arten:

Die Erwärmung geht zu schnell vonstatten, als dass Tiere sich darauf einstellen könnten. Das Paradebeispiel sind die Eisbären. Sie brauchen das Eis, die Schollen, um zu ihren Nahrungsgründen zu gelangen. Je weniger Eis in der Arktis, umso geringer der Lebensraum der Eisbären. Sie können keine allzugroßen Strecken schwimmend bewältigen. Ohne Eis kein Eisbär. Es heißt, bis 2050 werde die Population um bis zu 30 Prozent zurückgehen - nur wegen des Klimawandels.

Ähnlich sieht es bei Walrossen aus. Es gibt bedrückende Geschichten aus Russland und Alaska, wo riesige Walrossherden nicht mehr genug Eisflächen vorfinden, um dort ihre Jungen zu bekommen. Die Tiere weichen auf die engen und teils sehr steilen Küstenregionen aus. Dort zerdrücken sie dann oft die Kleinen, wenn zum Beispiel ein Eisbär auftaucht und Panik unter den Tieren ausbricht. Teilweise fanden Forscher bis 4.000 Kadaver an den Küsten.  

Hier finden Sie Teil 1 der Serie: Die Auswirkungen der Klimakrise auf uns Menschen

17 von 22 Albatros-Arten sind vom Aussterben bedroht

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Albatrosse haben schlechte Karten bei der Erderwärmung. © imago images/YAY Images, Gentoo Multimedia Ltd. via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Erwärmung des Wassers: Viele Seevögel leiden an der Veränderung der Temperatur der Meere. Das beste Beispiel ist El Niño. Durch die Temperaturveränderung sind die Fischschwärme an anderen Stellen ds Meeres. Seevögel finden im gewohnten Umfeld keine Nahrung mehr. Besonders betroffen sind zum Beispiel Albatrosse. 17 von 22 Arten sind vom Aussterben bedroht. In den letzten 35 Jahren hat sich die Albatros-Population mehr als halbiert. Der Nahrungsmangel führt dazu, dass sie großen Fischtrawlern hinterherfliegen und dann in den Leinen und Fangnetzen ums Leben kommen. 

Erwärmung der Luft: Ein ganz praktisches Beispiel für höhere Temperaturen und die Folgen: Wachen Siebenschläfer aus dem Winterschlaf auf, gehen sie auf Quartiersuche, um ein Nest für die Aufzucht der Jungen zu finden. Stoßen sie dabei auf kleine Vögel oder Gelege mit Eiern, fressen sie diese. Wegen der globalen Erwärmung wachen die Siebenschläfer immer früher auf - mit schlimmen Folgen für unsere heimischen Vögel. Denn die haben dann einfach noch nicht zu Ende gebrütet. Ihre Kleinen sind leichte Beute.  

Rentierherden brauchen kalte Winter +++ Zugvögel fehlt das Nahrungsangebot

Das Leben eines Rentier-Bullen ist anstrengend. Zur Paarungszeit darf er seinen Harem nicht aus den Augen lassen
Rentiere brauchen tatsächlich kalte Winter mit Schnee. © TVNOW/ Doclights

Kurzfristiges Auftauen der Böden im Winter: Riesige Rentierherden sind im arktischen Winter auf jedes Gramm Futter angewiesen. Wenn nun aber die Winter wärmer werden, kann es sein, dass der Boden hin und wieder auftaut. Wenn es dann regnet und wieder friert, liegt eine undurchdringliche Eisschicht über dem Futter. Es droht der Hungertod, denn mit ihren Hufen kommen die Tiere nicht durchs Eis.

Nahrungsangebot für Zugvögel: Geringe Veränderungen im Nahrungsangebot können für Zugvögel das Ende bedeuten. Erstens müssen die Jungvögel extrem schnell wachsen, um genügend Kraft für die lange Reise zu haben. Ist also das Futterangebot eingeschränkt, sieht es schlecht aus für das Überstehen des ersten Winters. Zweitens kommen viele Zugvögel mittlerweile zu spät zurück. Denn weil es immer früher blüht und grünt, ist auch die Insektenschwemme immer früher. Manche Zugvogelarten haben deshalb schon 90 Prozent ihres Bestands verloren.

Große Felder sind für viele Insekten unüberwindbare Hindernisse

Steingarten
Stein- und Schottergärten sind für Tiere schlichtweg unbewohnbare Wüsten. © iStockphoto, iStock, rivendels

Monokulturen lassen Tieren keinen Platz mehr. Die intensive Nutzung von Land auf riesigen Flächen ist für viele Tiere wie eine Wüste, da in den großen Mais-, Weizen- oder Sojafeldern kaum mehr Insekten leben. Für Bodenbrüter inmitten der Felder gibt es keine Nahrung. Für kleinere Insekten stellt ein riesiges Maisfeld ein unüberwindliches Hindernis dar. Von Pestiziden gar nicht zu reden. Die stehen noch einmal auf einem anderen Blatt Papier und haben mit dem Klimawandel erst einmal keine allzugroßen Berührungspunkte. Naütrlich tragen Pestizide maßgeblich zum Aussterben der Arten bei.

Aber auch kleine Eingriffe des Menschen schädigen die Tierwelt: Kiesgärten sind der Tod für kleine Vögel und Insekten. Abgesehen davon, dass Stein- und Kiesgärten die Sonnenstrahlen reflektieren und damit zur Erwärmung der Umgebung beitragen, gibt es für Tiere schlichtweg nichts zu holen zwischen den Steinen.​ Eine Wüste.

Viele Tierarten verschwinden ganz leise vom Planeten

Undatierte Aufnahme des Fachjournals
Auch der kleine Perlmuttfalter ist vom Aussterben bedroht. © picture-alliance / dpa, -

​All diese Ausführungen sind nur ausgewählte Beispiele. Und es sind die Geschichten von großen Säugetieren oder Vögeln. Aber täglich verschwinden kleine Arten für immer vom Planeten, weil ihr Lebensraum immer kleiner wird - durch Flächenversiegelung und Brandrodung. Und nur die großen Tierarten wie Elefanten, Orang-Utans oder Gorillas haben eine Lobby bei uns Menschen. Wenigstens die letzten ihrer Art sollen geschützt werden.

Aber unzählige Fischarten, Reptilien oder Insektenarten verschwinden ganz leise vom Planeten. Das Bundesamt für Naturschutz rechnet damit, dass auch in unseren Breiten bis zu 30 Prozent der heimischen Arten aus Deutschland verschwinden könnten. Bei einem Anstieg von nur zwei Grad werden wohl etwa 25 Prozent der Arten verschwinden.