Serie zum Klimawandel - Teil 1: Was macht die Klimakrise mit uns Menschen?

Von Oliver Scheel

Wir Menschen haben das große Glück, in einer Ausnahmesituation zu leben. Nämlich die Ausnahmesituation, dass das Klima seit etwa 8.000 Jahren außergewöhnlich konstant ist - wie aus Bohrkernen im Eis hervorgeht. Momentan sind wir aber mit großem Eifer dabei, dieses stabile Klima zu zerstören. Dies hat verheerende Folgen, auch für uns Menschen selbst. In einer Serie zur UN-Klimakonferenz in Madrid wollen wir die Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Akteure einmal beleuchten. Anfangen wollen wir natürlich mit den Konsequenzen für uns Menschen.

Zuerst verschwinden einige Inseln

ARCHIV - Landeanflug auf Male, der Hauptstadt der Malediven am 29.02.2000. Was tun, wenn das ganze Land im Meer versinkt? Der Inselstaat Malediven hat notgedrungen viele Ideen. Die Malediven vergrößern ihre Inseln, indem sie Sand vom Meeresboden hole
Die Malediven sind akut in ihrer Existenz bedroht. Der höchste Punkt der Inselgruppe liegt 5 Meter über dem Meeresspiegel. © dpa, Wolfgang Thieme

Seit der Mensch anfing, nicht mehr mit Muskelkraft zu arbeiten, sondern Maschinen einzusetzen, die über Verbrennungsmotoren funktionieren, hat er einen Klimawandel in Gang gesetzt. Es gilt als gesichert, dass die bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas freigesetzten Treibhausgase die Erderwärmung anfachen. 

Was macht diese Erderwärmung mit uns? Zunächst einmal raubt sie uns Lebensraum. Denn der Meeresspiegel steigt durch das Abschmelzen des grönländischen und des antarktischen Eisschilds. Wenn alles Eis dieser Erde schmilzt, steigt das Wasser um 70 Meter. Dann würden etliche Millionenstädte und Abermillionen Quadratkilometer Land versinken. Aber es genügt weit weniger, um Menschen in ihrer Existenz zu gefährden. Die Marshallinseln, Kiribati, Tuvalu, Tonga, aber auch die Malediven liegen zum großen Teil nur einen Meter über der Wasseroberfläche. Bei Extremwettern können sie komplett überflutet werden und damit über kurz oder lang unbewohnbar.  

Wassermangel hier, fürchterliche Stürme da - unvorstellbare Kosten

Laut US-Wetterbehörde NOAA hat sich von 1881 bis 2015 die Temperatur auf der Erde um ein Grad Celsius erwärmt, in Deutschland sogar um 1,4 Grad. Je wärmer aber zum Beispiel die Meere werden, umso mehr Wasser verdunstet. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Damit drohen uns mehr Starkregen-Ereignisse und mehr und längere Hitzewellen.

Die Rechnung ist einfach: Hurricans zum Beispiel werden notwendigerweise immer stärker, wenn die Meere wärmer werden. Diese Hurricans werden gigantische Schäden anrichten. Und gigantische Kosten. Ein paar Beispiele: Der Hurrican Katrina im Jahr 2005 verursachte laut amerikanischer Wetterbehörde NOAA Kosten von 161 Milliarden Dollar! Hurrican Harvey brachte es 2017 auf 125 Milliarden. Das sind unvorstellbare Summen. Vier der fünf teuersten Wetterereignisse in der Geschichte der USA spielten sich in den letzten sieben Jahren ab.  

200 Millionen Klimaflüchtlinge in 30 Jahren

Im Streit um eine Lösung der Flüchtlingskrise erhöhen die Koalitionspartner SPD und CSU den Druck auf Kanzlerin Merkel. Foto: Armin Weigel
Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland. Auch das sich verändernde Klima wird menschen zwingen, ihre Heimat verlassen zu müssen. © DPA

Durch die Klimakrise kommt es zu Verlust von fruchtbaren Böden, die Wüstenbildung schreitet voran. Was heißt das? Das heißt, dass Millionen Menschen gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen. Die Vereinten Nationen rechnen mit rund 200 Millionen Klimaflüchtlingen in den kommenden 30 Jahren. 

Damit wird die Frage der Migration zu einem der Top-Themen für die Menschheit in diesem Jahrhundert. Da nutzt es auch nichts, die Grenzen zu schließen. Denn es ist die historische Schuld der Industrieländer, den Entwicklungsländern in dieser Frage zu helfen. Die weniger entwickelten Länder tragen schließlich kaum zur globalen Erwärmung bei. Die USA und die Staaten der EU haben seit 1850 mehr als die Hälfte der globalen Emissionen ausgestoßen. Das heißt, die Industrieländer tragen eine riesige Verantwortung an den Flüchtlingsbewegungen auf dieser Welt.