Der Soft-Winter 2019/2020

Selten war ein Winter in Deutschland so schneelos

Der Trend geht zum Zweitherbst

Selten war ein Winter in Deutschland so lausig schneelos wie 2019/2020. Zugegeben, auch in anderen Wintern in den 1990er und 2000er Jahren sah es schneemäßig sehr mau aus, aber die Tendenz ist klar. Daran ändert auch der Schneewinter 2009/2010, der Deutschland sogar fast flächendeckend Weiße Weihnachten bescherte, nichts. Es gibt immer weniger Schnee in Deutschland. Der Winter verkommt zu einem zweiten Herbst. Oder mindestens zu einem Soft-Winter. Und Softeis hat ja auch nichts mit Eis zu tun.

Schneesicherheit? Das war einmal

Soft-Winter 2019/2020: Selten war ein Winter in Deutschland so schneelos
Immer sachte, dachte sich der Winter 2019/2020 wohl, und machte Deutschland keinen Ärger mit Schnee. © Getty Images/iStockphoto, K_Thalhofer

Wir haben mal ein paar Wetter-Stationen herausgesucht, die eigentlich immer mit Schnee rechnen konnten. In diesem Jahr: nüschte. Oder fast nichts eben. Dresden, München vermelden null Schnee, 1 Zentimter Schnee gibt's in Kall in der Eifel, auf dem zweithöchsten Berg Nordrhein-Westfalens, dem Kahlen Asten im Sauerland, liegen 7 Zentimeter echter Neuschnee und im Wintersportort Oberstdorf sind magere 15 Zentimeter beim Wintersturm "Lolita" zusammen gekommen.

Maximale Schneehöhe in Zentimetern (um 7 Uhr morgens)

1985/86 1995/97 2009/10 2015/16
Oberstdorf 98 51 48 47
München - Stadt 30 14 20 8
Sauerland (Kahler Asten) 88 66 112 k.A.
Eifel (Kall-Sistig) 28 15 42 19
Dresden 26 5 19 9

Unfassbare Schneemengen noch in den 1980er Jahren

Alstereisvergnuegen : Tausende nutzten das Naturereignis zu einem Spaziergang bei herrlichem Winterwetter im Jahr 1985  - Aussenalster Hamburg zugefroren - Eiswinter - Hamburger Alster | Verwendung weltweit
Schnee sogar in Hamburg! Im Eiswinter 1985, als auch die Außenalster zugefroren war. © picture alliance / rtn - radio t, rtn, peter wüst, rtn

München, Dresden – Großstädte, in denen nicht gleich bei der ersten Schneeflocke das Verkehrschaos ausbricht, müssen in diesem Jahr wohl durchweg auf asphaltgrauen statt weißen Straßen durch den Winter rollen. Wer kann sich noch daran erinnern, in Dresden ín einem Winter mal insgesamt 757 Zentimeter Schnee vom Bürgersteig weggeschaufelt zu haben? Oder in München 670? Denn so viel kam im Winter 1985/86 dort zusammen.

Akkumulierte Schneehöhe in Zentimetern (um 7 Uhr morgens)

1985/86 1995/96 2009/10 2015/16
Oberstdorf 5247 2762 2005 696
München - Stadt 670 312 429 85
Sauerland (Kahler Asten) 7582 2706 5809 1538
Eifel (Kall-Sistig) 1051 306 678 104
Dresden 757 129 537 91

Immer weniger Schneetage

Selten war ein Winter in Deutschland so schneelos
Die Betreiber von Skiliften und Loipen in bei Kaltenborn in der Eifel können inzwischen lange auf den ersten Schnee warten, © imago images/Manngold, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Mittelgebirge im Westen müssen sich was überlegen. Konnte die Eifel in den vergangenen Jahren dem Sauerland noch ein paar holländische Wintersportfans abspenstig machen, sieht es jetzt ganz schlecht aus mit „Ski und Rodel“ gut. So viel Wanderungen mit Lamas und Alpakas können die Eifler ihren Gästen gar nicht anbieten, um den fehlenden Wintertourismus einigermaßen auszubügeln.

Anzahl Schneetage

1985/86 1995/96 2009/10 2015/16
Oberstdorf 136 146 111 57
München - Stadt 76 63 63 12
Sauerland (Kahler Asten) 155 121 109 91
Eifel (Kall-Sistig) 87 56 73 27
Dresden 76 63 68 14

Der Schneemangel hat auch sein Gutes

Klar, fürs Auge ist Schnee sensationell, aber nicht so im Straßenverkehr, morgens beim Schnee schaufeln und die fehlende Kälte macht sich womöglich bei der Heizkostenrechnung bemerkbar. Es wäre nur gut für die Natur, wenn es entsprechend viel regnet. Und da kommt in den nächsten Tagen auch einiges herunter.