Schulausfall an der deutschen Küste - Busse kommen nicht durch die Schneeverwehungen

Schneeverwehungen von einem Meter Höhe

Der Winter hat den Norden weiter richtig fest im Griff. So hat das Schneechaos in Teilen Schleswig-Holsteins am Donnerstag vielen Schülern Unterrichtsausfall beschert. Wegen der Schneeverwehungen von zum Teil über einem Meter Höhe, konnten zahlreiche Schul- und Linienbusse am Morgen nicht fahren. Auch Rettungsfahrzeuge kamen nicht durch den fetten Schnee. Die Kinder durften zuhause bleiben. 

Besonders im Großraum Flensburg sowie rund um Niebüll machten Schneeverwehungen etliche Straßen unpassierbar. Zahlreiche Schul- und Linienbusse fuhren nicht. Auch die Autozüge zwischen Niebüll und Sylt pendelten wegen des Wetters nicht fahrplangemäß. 

Die Autos rutschten in Gräben oder blieben in Schneewehen stecken. Die Polizeidirektion Flensburg zählte zwischen Mittwoch 16 Uhr und Donnerstag 10 Uhr rund 80 Einsätze, wie Sprecherin Sandra Otte sagte: "Meist ging es um festgefahrene Pkw und Lkw." Oft halfen Landwirte mit ihren Traktoren den Feuerwehren, die Fahrzeuge herauszuziehen. Verletzt wurde niemand.

Schifffahrtswege frieren zu

Außerdem frieren langsam die Schifffahrtswege zu. Einige Flusshäfen sind bereits wegen des Eises gesperrt. Und an der Ostseeküste herrschten Temperaturen von bis zu -15 Grad. Das verschärft die Situation natürlich.

28.02.2018, Schleswig-Holstein, Bredstedt: Neuschnee türmt sich auf einer Bushaltestelle. Starker Schneefall führte in Nordfriesland teils zu schwierigen Situationen auf den Straßen. Foto: Frank Molter/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Neuschnee türmt sich auf einer Bushaltestelle in Bredstedt. Starker Schneefall führte in Nordfriesland teils zu schwierigen Situationen auf den Straßen. © dpa, Frank Molter, gfh

An der Nordsee ist die Insel Juist vorerst vom Schiffsverkehr abgeschnitten, die Personen- und Frachtschifffahrt wurde eingestellt. "Die Versorgungslage ist aber darauf eingestellt, die Vorratslager sind gefüllt", sagte ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia in Norddeich. Touristen seien kaum betroffen, Juist sei weiter auf dem Luftweg erreichbar. Anhaltender Ostwind drückt weiter der Wasser aus der Deutschen Bucht weg, auch hat sich stellenweise Eis angesammelt. 

Witterungsbedingte Unfallserie

Den Schnee-Spitzenwert erreichte Lübeck. Am Mittwochmorgen wurden dort 24 cm Schnee gemessen. In der Nacht war die Temperatur in Lübeck auf -20 Grad gefallen. Auch sonst gibt es an der Ostsee vielerorts mehrere Zentimeter Schnee.

Schon in der Nacht zu Mittwoch gab es mindestens ein Dutzend Unfälle, der Großteil davon rund um Flensburg, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

"Trotz der Eisglätte und des Schneefalls kam es aber vergleichsweise zu weniger Unfällen", sagte ein Sprecher der Polizei Lübeck. Am Dienstag hatte eine Massenkarambolage auf der Autobahn 24 bei Talkau für eine etwa zehnstündige Sperrung der Fahrbahn gesorgt. Schnee und Glätte hatten wohl zu der Unfallserie geführt.

Der 'Lake-Effekt' bringt uns Massen an Schnee

Dieses Phänomen ist vor allem in Nordamerika bekannt, wo über den großen Seen hochreichende arktische Kaltluft längere Zeit über das offene Wasser strömt und dann auf Land trifft. Das Ergebnis sind kräftige Schneeschauer. Genau das passiert gerade über der Ostsee – über ihr strömt eine arktische Luftmasse vom Baltikum in Richtung Mecklenburger / Lübecker Bucht, die sich durch die Temperaturen des nicht gefrorenen Wassers der Ostsee erwärmt. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte und so saugt sich die Luft mit Wasser voll. Trift diese dann auf das kalte Festland, kühlen sich die Luftmassen schnell ab. Die dicken Quellwolken können die aufgesaugte Feuchtigkeit dann nicht mehr halten. Es kommt zu kräftigen Schneeschauern, wie in den letzten beiden Tagen z.B. in Lübeck, Hiddensee oder Sprenge östlich von Hamburg - überall dort fielen über 20 Zentimeter Schnee innerhalb von 24 Stunden.