Schottlands Klinik-Chef stimmt Bevölkerung auf "digitale Weihnachten" ein

Erstes Land Europas sagt "traditionelles Weihnachten" ab

Chris Smyth owner of Ye Olde Christmas Shoppe in Edinburgh hangs a decoration on a Christmas tree in his shop, as Mr Leitch said people should
Schottischer Klinik-Chef Leitch: Weihnachten 2020 muss anders gefeiert werden als sonst © picture alliance / Photoshot

Große Familientreffen "in diesem Jahr Fiktion"

Wie können wir 2020 das Fest der Liebe feiern? Nach dem eindringlichen Weihnachts-Appell von Bundesgesundheitsminister Spahn überlegen viele Menschen, wie sich die Corona-Pandemie mit Familientreffen an Weihnachten vereinbaren lässt. In Schottland dagegen stimmt der Nationale Klinik-Chef, der auch die Regierung berät, die Bevölkerung darauf ein, besser schon mal ein „digitales Weihnachten“ zu planen. 

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Alles hängt an den Infektions-Zahlen

Als Professor Jason Leitch in der BBC-Radiosendung „Good Morning Scotland“ nach seiner Prognose für die Weihnachtsfeiertage in diesem Jahr gefragt wurde, antwortete er: „Es ist ehrlich gesagt noch zu früh, dazu etwas zu sagen.“ Er mache sich im Moment Sorgen um Halloween und die Bonfire Night am 5. November, in der in Großbritannien an das Scheitern des Attentats auf den englischen König Jakob I erinnert wird. Doch Leitch stellte hinsichtlich Weihnachten auch direkt klar: "Wir werden uns nicht in großen Gruppen mit mehreren Familien treffen können - das ist in diesem Jahr Fiktion.“ Es sei ohne Frage klar, dass Weihnachten in diesem Jahr anders gefeiert werden müsse.

Leitch ergänzte: „Aber ich habe die Hoffnung, dass wir eine Art Normalität erreichen können, wenn wir es schaffen, die Zahlen auf ein gewisses Niveau abzusenken,“

Schottische Öffentlichkeit "am Boden zerstört"

General view of the Nutcracker Christmas shop on the Royal Mile, as Mr Leitch said people should
Christmas-Shop in Edinburgh © picture alliance / Photoshot

Oppositionspolitiker sagten, die schottische Öffentlichkeit sei durch die Kommentare von Professor Leitch "am Boden zerstört" und forderten die schottische Regierung auf, ihnen weitere Einzelheiten mitzuteilen. Auf die Kommentare von Leitch antwortete der schottische Liberaldemokrat Willie Rennie, die schottische Regierung müsse jetzt eine offene öffentliche Debatte zulassen, wenn sie "monatelang mehr Opfer erwartet".

Er sagte: „Die Menschen haben monatelang große Opfer gebracht. Sie werden am Boden zerstört sein, wenn sie hören, dass Weihnachten, wie sie es kennen, dieses Jahr abgesagt wird. Schottlands Premierministerin Nicola Sturgeon hatte zuvor gesagt, es sei zu früh, um Weihnachten zu planen, da noch nicht abzusehen sei, welche Auswirkungen Beschränkungen auf die Verbreitung des Virus haben.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Bundesgesundheitsminister Spahn sagte vergangene Woche, den Bürgern müsse klar sein, dass sie heute entscheiden, ob Weihnachten in gewohnter Form stattfinden könne. "Wir haben es gemeinsam selbst in der Hand". Ob Weihnachten in diesem Jahr für alle ins Wasser falle, hänge nun an allen. 

Auch für die Kirchen ist Weihnachten ein schwieriger Spagat. "Wir wollen in die Mitte der Orte: Auf die Marktplätze, auf Fußballplätze, vielleicht auch an den Waldrand“, erklärte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche im Interview mit RTL. Auch Weihnachtsmärkte finden trotz Corona statt – allerdings ebenfalls unter besonderen Bedingungen. So soll in Hamburg etwa Alkohol nur im Sitzen ausgeschenkt werden, während der weltberühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg mit Einbahnstraßen plant.

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