Schock-Studie zeigt: Es ist schon fast zu spät - Gletscher werden weiter schmelzen

Nur wenn wir heute handeln, können wir das Eis wenigstens teilweise retten

Traurig, aber wahr - unsere weißen Riesen in den Alpen haben fast keine Chance mehr, sie sind dem Tod geweiht. Die Gletscher werden schmelzen. Es gibt aber eine gute Nachricht: Denn wenn wir heute handeln, können wir die Eismassen wenigstens teilweise erhalten. Der Erfolg wird sich allerdings erst im nächsten Jahrhundert zeigen.

Etwa 36 Prozent des Gletschereises werden langfristig verloren gehen

ARCHIV - 02.04.2017, Bayern, Garmisch-Partenkirchen: Ausflügler nutzen auf dem Gletscher an der Zugspitze das schöne Wetter für einen Skiausflug. (zu dpa «Traumhafte Pistenbedingungen - Garmisch verlängert die Saison» vom 02.03.2018). Foto: Sven Hopp
Wie lange wir noch auf der Zugspitze Skifahren können? Das ist schwer vorherzusagen, selbst für Experten. © dpa, Sven Hoppe, shp baj sja

Die Gletscher werden weiter schmelzen - selbst wenn sich alle Länder an das internationale Klimaabkommen von Paris halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Bremen und Innsbruck, die jetzt im Fachmagazin 'Nature Climate Change' veröffentlicht wurde. Danach werden etwa 36 Prozent des Gletschereises langfristig verloren gehen. Nach den Berechnungen der Forscher macht es dabei keinen Unterschied, ob der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur, wie im Pariser Abkommen vereinbart auf 2 Grad oder im besten Fall 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt wird.

"Das spielt eine überraschend und auch frustrierend geringe Rolle - zumindest für das laufende Jahrhundert", sagt der Bremer Klimaforscher Ben Marzeion. Der Grund: Die Gletscher reagieren langsam auf klimatische Veränderungen. Deshalb wird sich erst im nächsten Jahrhundert zeigen, ob der Klimaschutz erfolgreich war. Die Wissenschaftler haben errechnet, dass jedes Kilogramm Kohlendioxid, das wir heute ausstoßen, langfristig 15 Kilogramm Gletschereis schmelzen lässt. 

1,5 Grad oder 2 Grad wärmer: Das ist eine entscheidende Frage

Der Experte Torsten Albrecht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte dazu: "Dies zeigt sowohl die historische Dimension unserer Verantwortung für die folgenden Generationen als auch die Notwendigkeit, das Zeitalter fossiler Energienutzung so rasch wie möglich hinter uns zu lassen."

Für die Studie hatten Marzeion und seine Kollegen die Entwicklung der 200.000 Gletscher weltweit modelliert und aufaddiert, um eine globale Summe zu errechnen. Dabei bezogen sie Höhe und Größe der Gletscher, regionale Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse, Daten aus Klimabeobachtungen und künftige Klimaszenarien mit ein. "Die globalen Zahlen sind interessant, weil sie die zentrale Rolle für den Anstieg des Meeresspiegels spielen", erläuterte Marzeion.

Besonders die kleineren Gletscher würden schneller schmelzen. Gerade für diese sei es entscheidend, ob die Temperatur künftig um 1,5 oder 2 Grad steige, kommentiert der Glaziologie-Experte Tobias Bolch von der Universität Zürich die Studie. "Es ist lange bekannt, dass Gletscher in verschiedenen Regionen der Erde in unterschiedlichem Ausmaß reagieren." Aussagen zu den regionalen Auswirkungen könne die Studie allerdings nicht machen.