Schlechte Nachricht für Wespen-Allergiker: Apotheken fehlen Notfallmedikamente "Fastjekt" & Co.

ARCHIV - ILLUSTRATION - 09.07.2015, Hessen, Frankfurt:  Wespen fliegen auf ihr Nest zu. Ein 50-jähriger ist in einer Kleingartenanlage in Herne von Wespen totgestochen worden, weil er beim Heckenscheiden vermutlich ein Nest der Insekten übersehen hat
Wespennest übersehen? Das kann gefährlich werden, denn momentan sind Adrenalin-Pens nicht lieferbar. © dpa, Frank Rumpenhorst, fru tmk ade fpt nau wok

Lieferengpässe bei sogenannten Adrenalin-Pens

Wespenstiche sind schmerzhaft und meistens ungefährlich - Allergiker sind nach einem Stich allerdings dringend auf Notfallmedikamente angewiesen. Doch die fehlen momentan in Apotheken. "Keines der gängigen Präparate ist derzeit verfügbar", sagt Mathias Grau vom Landesapothekerverband Niedersachsen. Dadurch könnten Allergiker in lebensbedrohliche Situationen kommen. 

Apotheker: "Ausnahmesituation, die ich in der Form noch nicht erlebt habe"

Das Medikament Fastjekt, fotografiert in Frankfurt am Main (Hessen) am 16.11.2012. Es dient zur Notfallbehandlung einer akuten allergischen Reaktion (anaphylaktischer Schock). Der enthaltene Wirkstoff ist Epinephrinhydrochlorid, das mit dem natürlich
Das Medikament "Fastjekt" ist derzeit Mangelware. © picture alliance / Frank Rumpenh, Frank Rumpenhorst, fru sv

Eine Frau bemerkt einen Wespenstich. Da sie in der Vergangenheit darauf allergisch reagierte, eilt sie zur nächsten Apotheke. Dort angekommen, bricht sie zusammen. Sie hat großes Glück. Ihre Rettung ist der letzte sogenannte Adrenalin-Pen, den die Apotheke in Bremen noch vorrätig hat. "Das war eine ziemlich knappe Geschichte", sagt Apotheker Sebastian Köhler. Wie bundesweit in vielen anderen Apotheken mangelt es auch Köhler an Notfallmedikamenten gegen Wespenstiche. Seit dem Vorfall mit der Frau muss er Kunden vertrösten - eine neue Lieferung gab es bisher nicht. "Das ist eine Ausnahmesituation, die ich in der Form noch nicht erlebt habe", sagt er.

"Derzeit bestehen Lieferengpässe für die sogenannten Adrenalin-Pens, die Wespenstichallergiker für den Notfall bei sich tragen", sagt Mathias Grau vom Landesapothekerverband Niedersachsen. Nach Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn gab es bereits vor Wochen Probleme bei einem Präparat. "Der Lieferengpass lässt sich damit erklären, dass bei dem Präparat 'Fastjekt' in der Produktion zwei ganze Chargen aufgrund von Fehlern ersatzlos ausgefallen sind", erläutert Grau. "Da 'Fastjekt' in Deutschland fast 80 Prozent Marktabdeckung hat, kann es in diesem Bereich bei so einem Ausfall schnell zu Engpässen kommen."

Das können Betroffene tun, die keine Adrenalin-Pens haben

Für Allergiker sind die Adrenalin-Pens besonders beim Auftreten eines anaphylaktischen Schocks wichtig. Diese allergische Extremreaktion kann innerhalb kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Die Notfallmedikamente helfen, den Kreislauf zu stabilisieren, Schwellungen zu vermindern und das Atmen zu erleichtern.

Wie sollten Allergiker ohne Notfallmedikament reagieren, wenn sie gestochen werden? 
Grau empfiehlt Abwehrmittel gegen Insekten, außerdem sollten Allergiker nach einem Stich möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Auch Produkte, die das Verfallsdatum überschritten haben, könnten im Notfall eine Lösung sein. 

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Das hilft direkt gegen Wespenstiche! Nützliche Tipps für den Notfall 00:32

"Wenn man keinen Pen hat und auch keinen neuen bekommt, kann man auch den alten noch benutzen", sagt auch die Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Ursula Sellerberg. "Besser ein Alter als gar keiner." In den USA besteht laut einem Bericht der "Deutschen Apothekerzeitung" ebenfalls ein Engpass an Adrenalin-Pens, so dass die zuständige Behörde die Laufzeit der sogenannten Epipens um vier Monate verlängert hat. 

"Fastjekt"-Hersteller versuchen, den Engpass im September zu beheben

Der Engpass kommt in Deutschland zu einem ungünstigen Zeitpunkt. "Es ist ein super Wespenjahr", sagt die Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Bis in den Herbst sind die Tiere draußen aktiv. "Im September muss man auf jeden Fall noch damit rechnen, dass sie einen draußen beim Essen umschwirren."

Der Bremer Apotheker Köhler rechnet erst in einigen Wochen mit einer neuen Lieferung. Ob die Menge ausreicht, ist unklar. Der Hersteller des Mittels "Fastjekt" versucht unterdessen, Produktion und Lieferung zu beschleunigen. Noch im September soll der Engpass behoben sein.