Schafskälte im Juni 2019: Das steckt hinter dem Wetterphänomen

dpatopbilder - 04.06.2019, Berlin: Eine Frau mit Sonnenschirm läuft vor dem Brandenburger Tor mit der Quadriga. Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Es sieht eher nach Sonnenschirmwetter aus. © dpa, Christoph Soeder, christoph soeder

Bullenhitze statt Schafskälte +++ Erst Hitze und Gewitter im Juni +++

Am 4. Juni beginnt offiziell die Schafskälte. Statt Kaltluft strömte jedoch viel warme Sommerluft nach Deutschland, die auch in der Woche nach Pfingsten Teile von Deutschland aufheizt. 

Schwül, heiß, gewittrig - der Juni ist jetzt schon rekordverdächtig

Die ersten Junitage dieses Jahres waren hochsommerlich. An einigen Wetterstationen im Osten wurden sogar Rekorde in Sachen Temperatur aufgestellt. ​

Und so geht es weiter

Die meisten Wettermodelle sehen Deutschland in der Woche nach Pfingsten auf der schwülwarmen Seite mit vielen Gewittern und Unwettergefahr – langweilig wird’s also definitiv nicht. Danach beruhigt sich das Wetter und es wird angenehm und sommerlich. Mehr dazu in unserem 30-Tage-Trend.

Was ist die Schafskälte eigentlich?

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Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten bei einem klassischen Kälterückfall im Juni

Diese meteorologische Singularität tritt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (80 %) jedes Jahr zwischen dem 1. und 25. Juni auf. Besonders häufig ist das Eintreffen (Wahrscheinlichkeit 89%) der Schafskälte um den 11. Juni herum. Den Namen „Schafskälte“ hat dieses Phänomen deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Bei einem Kälterückfall stehen die Schafe ohne schützende Wolle da. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus lebensbedrohlich.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler, das würde Tageshöchsttemperaturen von 8 Grad in den Bergen bis 18 Grad im Süden bedeuten.

Ein Kälterückfall im Juni

Im Zeitraum 4. bis 25. Juni tritt in Deutschland bzw. Mitteleuropa häufig ein Kälterückfall auf. Aufgrund einer bestimmten Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten (siehe Bild) in Europa kann kalte Polarluft angezapft werden und sich Richtung Deutschland auf den Weg machen. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre ein Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien.

Das Hochdruckgebiet dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, das Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn.

Zwischen den beiden Druckgebilden strömt die Luft dann aus nordwestlichen bzw. nördlich gelegenen Regionen zu uns. Eine nordwest- bzw. Nordströmung entsteht.   

Diese Verteilung der Druckgebilde tritt gehäuft im oben genannten Zeitraum auf. Darüber hinaus erwärmen sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark. Die Nordsee hat sich dann noch nicht so sehr erwärmt wie der europäische Kontinent. Entsprechend können Kaltluftvorstöße markant ausfallen, weil die kalten Luftmassen aus dem Norden sich kaum durch das wärmere Meer erwärmen. Im Sommer gleichen sich Land- und Im Sommer gleichen sich Land- und Wassertemperaturen dann aber immer weiter an, womit die Kaltlufteinbrüche immer geringere Ausmaße bekommen.

Schafskälte: meteorologische Singularität im Juni
Den Namen „Schafskälte“ hat die meteorologische Singularität deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Wenn's dann nochmal kalt wird, ist das doof für die Schafe. © Getty Images, esemelwe

Wie sahen die letzten Jahre aus?

2018: ab dem 13.06. (15 – 18 Grad)

2017: ab dem 06.06. (16 – 20 Grad)

2016: ab dem 09.06. (17 – 20 Grad)

2015: ab dem 09.06. (13 – 18 Grad)

2014: ab dem 19.06 (15 – 26 Grad)