Da kann noch ein Rutsch Kaltluft kommen

Wetter im Juni: Schafskälte 2022 ist noch nicht vom Tisch

von Oliver Scheel

Dass es in den Alpen im Juni nochmal Schneefall gibt, ist keine Seltenheit. Im Gegenteil. Kaltlufteinbrüche kommen regelmäßig vor und die an sich schon grüne Landschaft wird noch einmal weiß überzuckert. Zumindest in den Höhenlagen. Meist geschieht das im Rahmen der sogenannten Schafskälte. Dieses Wetterphänomen, eine sogenanntemeteorologische Singularität, tritt regelmäßig zwischen dem 4. und 20. Juni auf. So auch dieses Jahr. Kommt die Kälte aber auch bis in Flachland? Derzeit sieht es eher nach Sommer aus, aber die Chancen für einen Kaltlufteinbruch auch im Flachen stehen leider gar nicht so schlecht. Blicken wir mal genauer hin.

Schafskälte: Was ist das und wann findet sie statt?

Schafskälte 2022 hat noch nicht fertig: Neuer Katluftvorstoß nicht ungewöhnlich

42 Tage Trend Hamburg
Rund um den 20. Juni ist eine ordentliche Delle zu sehen mit Regen, nächtlichen Werten von gerade einmal 6 Grad und Tageshöchsttemperaturen von 12 bis 14 Grad. Das nennt man wohl Schafskälte.

In den Alpen hat es in den letzten Tagen wieder Neuschnee gegeben. Selbst unter 2.000 Metern Höhe, zum Beispiel im Kleinwalsertal, kam der Juni-Niederschlag als feiner Schneegriesel herunter. Bei der großen Mehrheit der Deutschen ist es derzeit allerdings recht warm, es sieht so aus, als ob die Schafskälte 2022 ein Opfer der Erderwärmung würde.

So hängen wir zwar derzeit in einem Schaukel-Sommer fest mit kurzzeitigen Sommer-Spitzen und ordentlichen Duschen mit nur noch 15 bis 20 Grad, aber eine echte Kälte ist das nicht. Und das wird auch in der kommenden Woche nicht so sein, denn mit etwas Glück schwappt die Spanien-Hitze zu uns herüber (wie unser 7-Tage-Wettertrend zeigt).

Schafskälte noch nicht ausgeschlossen

ABER: Blicken wir in unsere Modelle, dann erscheint da eine ziemliche Temperaturdelle am Horizont, man könnte auch sagen, ein Einbruch oder gar eine Kälteschelle.

Wetter.de-Meteorologe Paul Heger bestätigt diesen Eindruck: „Es gibt eine kleine Tendenz in den Modellen, dass es zum Ende der Schafskälte, also in Richtung 20. Juni, eine Abkühlung gibt. Diese würde wahrscheinlich besonders die Nordhälfte betreffen. Die Entwicklung sieht das Europäische Wettermodell stärker als das Amerikanische. In der aktuell recht wechselhaften Wetterlage wäre ein erneuter Vorstoß kühlerer Luft nicht ungewöhnlich. Die Unsicherheiten sind allerdings noch sehr groß.“

Halten wir fest: Der Juni ist bisher ohnehin nicht der große Sommer-Künstler – und die Schafskälte 2022 kann ihn durchaus noch erwischen.

Schafskälte - eine meteorologische Singularität

Vom Regen nasse Stühle und ein Tisch stehen am 19.06.2015 in einem Biergarten im Blücherpark in Köln (Nordrhein-Westfalen). Auch zum kalendarischen Sommmeranfang am 21.06.2015 soll das Wetter kühl und regnerisch bleiben. Foto: Henning Kaiser/dpa +++(
Die Schafskälte ist nicht die Freundin der Gastronomie.

Diese meteorologische Singularität tritt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (80 Prozent) jedes Jahr zwischen dem 4. und 20. Juni auf. Besonders häufig ist das Eintreffen (Wahrscheinlichkeit 89 Prozent) der Schafskälte um den 11. Juni herum. Da hat es in diesem Jahr nur den Alpenraum erwischt.

Den Namen Schafskälte hat dieses Phänomen deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Bei einem Kälterückfall stehen die Schafe ohne schützende Wolle da. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus lebensbedrohlich.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler.

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(osc)