Erst blau, jetzt pink

Bunte Hunde stellen russische Behörden vor Rätsel

Pinke Hund in Russland
In der Nähe einer russischen Fabrik tauchten jetzt pinke Hunde auf. © East2West Media

Fielen die Streuner in Chemikalien?

Knallbunte Straßenhunde stellen die Behörden einer russischen Stadt vor Rätsel. Kürzlich sei im 360 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Dserschinsk mindestens ein rosafarbener Hund gesichtet worden, berichtete ein lokales Online-Portal. Zuvor waren bereits Fotos von blauen Vierbeinern in sozialen Netzwerken aufgetaucht, die möglicherweise in Chemieabfälle gefallen sind.

Dserschinsk gilt als einer der verseuchtesten Orte der Welt

Die rosafarbenen Hunde seien in der Nähe einer Fabrik gesichtet worden, die Sprengstoff und Munition herstellt. Augenzeugen hatten Fotos der seltsam gefärbten Tiere in den sozialen Medien geteilt. Ob die Streuner eingefangen und untersucht worden sind, ist nicht bekannt.

Die Chemie-Industriestadt Dserschinsk in Zentralrussland gilt als einer der am stärksten verschmutzten Orte der Welt. Die private Umweltorganisation „Blacksmith Institute“ führt sie unter den Top 3 der am stärksten verseuchten Städte weltweit – direkt hinter Agbogbloshie mit seiner Elektroschrottdeponie (Stadtteil von Accra, Hauptstadt Ghanas) und dem Mündungsdelta des Flusses Citarum (bei Jakarta, Hauptstadt von Indonesien). Vor allem während des Kalten Krieges sei es in den Chemiewaffenfabriken Dserschinsks häufiger zu Unfällen und Leckagen gekommen. Mehr als 300.000 Tonnen chemischer Abfälle seien allein zwischen 1930 und 1998 unsachgemäß entsorgt worden. Für die Sowjetunion produzierte man dort Nervengas, Bleizusätze für Benzin, Munition und andere umweltschädliche Produkte. Bis heute sind Boden und Grundwasser stark verseucht. Laut dem Blacksmith Institute liege die Lebenserwartung der Bewohner bei durchschnittlich nur 45 Jahren, die Todesrate sei zudem höher als im Rest des Landes.

Porträt eines afrikanischen Jugendlichen auf der größten Elektromülldeponie Afrikas in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Accra.
Portraet eines afrikanischen Jugendlichen auf der groessten Elektromuelldeponie Afrikas in Agbogbloshie. © imago images/photothek, Thomas Imo/photothek.net via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Umweltausschuss schaltet sich ein: "Genau ermitteln, wo diese armen Kerle herumgeklettert sind"

Die rosafarbenen Hunde geben entsprechenden Grund zur Sorge. Besonders weil schon zuvor auf dem Gelände einer stillgelegten Plexiglasfabrik sieben blaue Hunde gesichtet und laut örtlichen Behörden zur Untersuchung in Tierkliniken gebracht worden waren. Es gehe ihnen gut. Bis auf die ungewöhnliche Fellfarbe seien die Hunde gesund – zwei von ihnen seien sogar an neue Besitzer vermittelt worden. Sie waren wohl zuvor auf dem Fabrikareal herumgelaufen und dort möglicherweise in Kupfersulfat gefallen, wie die Agentur Ria Nowosti unter Berufung auf einen Insolvenzverwalter meldete. Die Behörden erklärten, das Unternehmen deshalb kontaktiert zu haben.

Sogar ein Abgeordneter der Staatsduma schaltete sich kürzlich in den mysteriösen Fall ein: Es müsse geklärt werden, ob die Substanzen für Menschen gefährlich seien, sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses, Wladimir Burmatow, in einem Interview des Radiosenders Goworit Moskwa. Die Staatsanwaltschaft sei bereits einbezogen worden, denn die blauen Streuner könnten ein Hinweis auf ein ernsthaftes Umweltproblem sein, erklärte er. „Wir müssen jetzt sehr genau ermitteln, wo diese armen Kerle herumgeklettert sind.“

Video: Plötzlich läuft ein Rudel blauer Hunde über die Straße

Für die Autofahrer im russischen Dserschinsk (fast 400 Kilometer östlich von Moskau) muss es im ersten Moment wie eine Einbildung gewirkt haben: Über die verschneite Straße lief ein Rudel blauer Hunde – zu sehen im Video.