Rekordkälte in Nordamerika kein Widerspruch zum Klimawandel

An vielen Orten der USA herrschte zu Jahresbeginn eisige Kälte. Doch etwas mehr Klimaerwärmung, wie sie US-Präsident Trump sich wünschte, könnte da eher kontraproduktiv sein. Denn die eisigen Zeiten sind nach Forscherangaben keineswegs ein Zeichen für einen stockenden globalen Klimawandel. Sie sind vielmehr ein Teil dessen.

Verläuft der Jetstream in Wellen, beeinflusst das das Wetter

January 4, 2018 - New York City, New York, US - The first winter storm, of 2018 has descended upon New York City with white-out conditions, heavy winds and blowing snow, making daily activities difficult for many. City government declared a 'Winter W
Ein fieser Wintersturm fegt durch New York. Doch auch das ist Klimawandel, auch wenn US-Präsident Donald Trump das nicht wahrhaben will. © Zuma / Splash News, ZEUS

"Es ist zunächst wichtig, daran zu erinnern, dass sich die extreme Kälte fast ausschließlich regional auf die USA beschränkt", betont Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Global gesehen ist es momentan viel wärmer auf der Erde als normalerweise." Zur Erinnerung: In Deutschland war es an Silvester bis zu 16,1 Grad warm.

Klimaforscher registrieren immer häufiger eine Wetterlage, bei der eine hohe Luftströmung, der sogenannte Jetstream, welliger wird. Eine Ursache liege darin, dass sich die Arktis schneller erwärmt als die Tropen, was den Jetstream beeinflusse. In den USA etwa zeigt sich dann ein deutliches Muster, bei dem der Westen in einer warmen Luftströmung aus dem Süden liegt, während in die Osthälfte polare Kaltluft aus dem Norden strömt, wie Kretschmers PIK-Kollege Stefan Rahmstorf erläuterte. Die Wellen werden stationär, bewegen sich tagelang nicht mehr vom Fleck.

Der wellige Jetstream transportiert arktische Luft in den Nordosten der USA

"Seit dem Jahreswechsel sieht man deutlich, dass der Jetstream über Nordamerika eine wellige Form angenommen hat, mit Winden, die kalte arktische Luft in den Nordosten der USA transportieren", erläutert Kretschmer. "Wie es aussieht, sind starke Schneestürme an der Ostküste der USA in den letzten Jahrzehnten aber häufiger geworden. Allgemein sind die Winter im Nordosten der USA, aber auch in Europa und im nördlichen Asien im Mittel seit etwa 1990 kälter geworden", sagt Kretschmer. Dies stehe im starken Kontrast zum allgemeinen globalen Erwärmungstrend, insbesondere in der Arktis. Dort verstärkt etwa das zurückgehende Eis die Erwärmung, weil Eis mehr Strahlen zurückwirft als die dunkle Wasserfläche. Es gebe Hinweise darauf, dass der Rückgang des Arktischen Meereises zu den Kälteausbrüchen in den USA und Eurasien beigetragen hat.

"Ein sehr wichtiger Faktor ist in dem Klimageschehen der sogenannte Polarwirbel, ein Band schneller Westwinde, das normalerweise die kalte Luft über der Arktis einschließt", erklärt Kretschmer. "Wird dieser Polarwirbel geschwächt, kann die kalte Luft aus der Arktis in niedrigere Breiten entweichen, was oftmals mit einem welligen Jetstream zusammenhängt", fügt die Potsdamer Wissenschaftlerin hinzu. "Wir konnten bereits zeigen, dass lang anhaltende Schwächephasen des Polarwirbels in der Stratosphäre zu den kalten Winter im nördlichen Eurasien beigetragen haben." Für die USA ist das noch nicht geklärt.