Was kommt da auf uns zu?

Rauchwolken der Kalifornien-Waldbrände ziehen bis Europa - Wie gefährlich ist der Rauch?

Das Satellitenbild der NASA zeigt, wie der Rauch sich bereits über die meisten US-Bundesstaaten verteilt hat.
Das Satellitenbild der NASA zeigt, wie der Rauch sich bereits über die meisten US-Bundesstaaten verteilt hat. Die orangefarbenen Punkte zeigen die aktuellen Brände an. © NASA

Fortschritte im Kampf gegen die Flammen erzielt

Die kalifornischen Waldbrände wüten noch und 14.000 Feuerwehrleute kämpfen dagegen an, doch verteilt sich die Rauchwolke ungehindert in der Atmosphäre. Der Rauch hat sich schon über einen Großteil der USA ausgebreitet und den Nord-Atlantik erreicht. Winde tragen ihn nun Richtung Europa. Eine große Menge Kohlenmonoxid wird durch die Brände in die Atmosphäre ausgestoßen und verteilt sich dort. Mittlerweile nennt Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom die Waldbrände in der Weinregion Napa Valley „historisch“. Sieben Menschen haben in Folge der Waldbrände bereits ihr Leben verloren und mehr als 100.000 Menschen waren angewiesen worden, ihre Häuser zu verlassen. 

Innerlich erstickt

Während 14.000 Feuerwehrleute noch mit der Brandbekämpfung beschäftigt sind, zieht die Rauchwolke Richtung Osten und hat bereits den Nord-Atlantik erreicht. Die momentan herrschenden Winde hatten sie über einen Großteil der USA verteilt und nun zieht der Rauch Richtung Europa. Wie gefährlich Kohlenmonoxid werden kann, zeigten erst Anfang des Jahres die Buschbrände in Australien, als die Ärzteverbände dort den Gesundheitsnotstand ausriefen. 

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruchloses und durchsichtiges Gas, bindet sich an Hämoglobin, den Farbstoff der roten Blutkörperchen, und verdrängt dort den Sauerstoff. Das kann dazu führen, dass der Mensch innerlich erstickt. Die Symptome, die sich beim Menschen zeigen sind Müdigkeit, Schwindel, Verwirrung oder Kopfschmerz. Dafür müsste man sich allerdings in der Nähe der Brände aufhalten. Gefährlicher sind bei einem Brand jedoch die Feinstaubpartikel, die beim Abbrennen freigesetzt werden. Das kann besonders für Asthmatiker und Menschen mit Bronchitis oder anderen Lungenkrankheiten gefährlich werden.

Farbintensivere Sonnenauf- und Sonnenuntergänge

RTL-Meteorologe Björn Alexander erklärt das Phänomen: „Je höher die Rauch- und Aschewolken in die Atmosphäre aufsteigen, umso weiter können die Partikel auch von den Strömungen und dem Wind mit transportiert werden. Im Falle der Großfeuer in den USA werden die Rauchwolken sogar kilometerweit in die Atmosphäre nach oben befördert. Hier wehen starke Winde von West nach Ost. Hinweg über Nordamerika und anschließend sogar über den Atlantik. So können die feinsten Partikel auch bei uns in Deutschland ankommen. Allerdings ist die Konzentration dann so gering, dass wir es mit bloßem Auge kaum wahrnehmen können. Was wir jedoch von vergleichbaren Situationen mit Schwebeteilchen am Himmel kennen: Gerade die Sonnenauf- und Untergänge können – je nach Konzentration der Teilchen – farbintensiver erscheinen.“ 

Zwar ist der Rauch für uns nicht sichtbar, aber das durch die Brände freigesetzte Kohlenmonoxid ist mit den richtigen Werkzeugen messbar. Die restlichen Kohlenmonoxidpartikel sind für uns in der geringen Konzentration, wie sie bei uns ankommen, allerdings ungefährlich. Auch der Feinstaub verteilt sich auf dem Weg nach Europa, so dass nicht mehr die gefährlichen Mengen hier in Deutschland ankommen werden.

Fläche zehnmal so groß wie München steht in Flammen

Etwas kühlere Temperaturen nach einer Hitzewelle kommen den mehr als 14.000 Feuerwehrleuten in Kalifornien beim Kampf gegen die Waldbrände zur Hilfe. Am Montag machten die Einsatzkräfte gegen 17 Großfeuer in dem US-Westküstenstaat Fortschritte. Das sogenannte LNU-Lightning-Complex-Feuer in der Weinregion Napa Valley nördlich von San Francisco war am Montagabend zu einem Viertel eingedämmt.

Doch der Schaden ist groß – alleine in dieser Region verkohlten die Flammen eine Fläche von mehr als 1400 Quadratkilometern Land. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat Hilfe aus Australien, Kanada und mehreren US-Bundesstaaten angefordert. Mehr als 560 Großbrände haben sich den Berichten zufolge in Kalifornien auf einer Fläche von mehr als 3000 Quadratkilometern ausgebreitet – eine Fläche etwa zehnmal so groß wie München. 

Feuerwehrmann während der Löscharbeiten bestohlen.

Sieben Menschen kamen ums Leben

HANDOUT - 23.08.2020, USA, Kalifornien: Das Satellitenbild zeigt einen Überblick über die Waldbrände in Kalifornien. Der Maxar-Satellit WorldView-3 ist mit einem Kurzwellen-Infrarot-Sensor (SWIR) ausgestattet, der den Rauch durchdringt und es ermögli
Ein Satellitenbild zeigt die Ausmaße der Brände. © dpa, -, abl

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom sprach am Montag (Ortszeit) von „historischen Waldbränden“ in diesem Jahr. Seit Jahresbeginn, aber vor allem seit Mitte August, sind über 7000 Brände ausgebrochen und haben über 5600 Quadratkilometer Land verkohlt. Im vorigen Jahr wüteten in dem gleichen Zeitraum knapp 4300 Feuer auf einer Fläche von 226 Quadratkilometern, erklärte Newsom. Der Staat würde derzeit alle Hilfsmittel einsetzen.

Mindestens sieben Menschen sind seit Beginn der Feuersbrünste am 15. August ums Leben gekommen. Darunter auch ein Pilot, der beim Löscheinsatz abstürzte. Mehr als 1200 Gebäude brannten nach ersten Schätzungen ab. Zehntausende Menschen waren zeitweise auf der Flucht vor den Flammen. Am Montag durften Anwohner in einigen Regionen in ihre Häuser zurückkehren.

Blitze als Brandursache

24.08.2020, USA, Lake County: Die Flammen der Waldbrände sind neben einer Straße zu sehen. Feuerwehrkräfte versuchen das Feuer an der Butts Canyon Road unter Kontrolle zu bringen. Nach heftigen Unwettern mit mehr als 12 000 Blitzeinschlägen haben Brä
Die Feuerwehrleute in den USA brauchen Unterstützung beim Löschen der Brände. © dpa, Noah Berger, FRE kay

Blitzeinschläge bei großer Trockenheit gelten als Brandursache. Die Feuer richteten unter anderem in dem ältesten staatlichen Naturpark Kaliforniens, Big Basin Redwoods, der für seine riesigen Mammutbäume bekannt ist, Schäden an. 

Corona-Pandemie erschwert die Situation

19.08.2020, USA, Vacaville: Matt Nichols versucht das Feuer an seinem Haus bei einem Waldbrand zu löschen. Mehr als zwei Dutzend Waldbrände lodern im US-Bundesstaat Kalifornien. Gouverneur Newsom rief wegen der Feuer und der anhaltenden Sommerhitze d
Kalifornien wird jedes Jahr von Waldbränden heimgesucht. © dpa, Noah Berger, FRE frd nwi

Die Coronavirus-Pandemie erschwert die Situation in Kalifornien. Einige Experten schätzten die Gefahr einer Erkrankung in Notunterkünften sogar als hoch ein. Viele Menschen wägen daher das Risiko ab, sich in eine solche Unterkunft zu begeben. Kalifornien ist besonders schwer von Corona getroffen. Der Johns-Hopkins-Universität zufolge gab es in dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA bereits etwa 12.000 Tote und mehr als 650.000 bestätigte Corona-Fälle.

Kalifornien, das oft unter Trockenheit leidet, wird jedes Jahr von Waldbränden heimgesucht. Gewöhnlich treten die schwersten Brände erst am Ende des Sommers auf. Besonders schlimm traf es im November 2018 den Ort Paradise in Nordkalifornien: 85 Menschen starben, Zehntausende wurden obdachlos.