Sommerwärme hat es schwer

April 2022 will es kühl und nass - das sind die aktuellen Trends

von Björn Alexander und Karim Belbachir

12.05.2021, Thüringen, Erfurt: Besucherinnen der Bundesgartenschau (BUGA) stehen bei Regenwetter auf dem Petersberg mit Blick auf die Stadt mit Mariendom und Severikirche. Vom 23. April bis 10. Oktober 2021 findet das Sommerfest mit gärtnerischer Lei
Der April hat mehr Regen und kühlere Temperaturen im Gepäck.

Dem sonnigsten März seit Aufzeichnungsbeginn, der dementsprechend beim Regen kaum punkten konnte, folgt zum Monatswechsel ein nachhaltiger Umschwung. Denn die Wettercomputer haben nicht nur reichlich Regen, sondern auch deutlich kühlere Temperaturen in ihren Prognosen. Hier die aktuellen Trends für den April 2022.

Dauerhoch mit Vor- und Nachteilen

Zuletzt sorgte Hoch PETER für Sonne und angenehme Temperaturen. Zweimal mischte sogar sehr milde Luft aus dem Norden Afrikas samt Saharastaub mit. Doch nun heißt es wohl Abschied nehmen von der rasanten Rallye in den Frühling. RTL-Meteorologe Björn Alexander sieht aber auch Vorteile bei der jetzigen Wetterentwicklung: „Natürlich ist gerade Ausgangs des Winters ein frühes und sonniges Frühlingserwachen eine tolle Sache. Allerdings wird die Trockenheit inzwischen immer häufiger zum Problem. Sei es für die Forstwirtschaft am Beispiel der bereits erhöhten Waldbrandgefahr, sei es für die Landwirtschaft, die den Regen braucht, um die Felder zu bestellen.”

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RTL-Meteorologe Björn Alexander mit den Aussichten für den April 2022

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander

Umstellung der Wetterlage ist schon in vollem Gange

Aktuell stellt die Wetterküche großräumig auf Sommerzeit. Dabei zerfällt auch der Polarwirbel, der im Winter maßgeblich für unser Wetter verantwortlich ist. Das spüren momentan auch die Menschen in Nordamerika. Mit der Schwächung und dem Zerfall sind nämlich wiederholt auch Kaltluftvorstöße in südliche Richtungen möglich. Und das werden wir ebenfalls in Europa und Deutschland zu spüren bekommen. Björn Alexander blickt auf die Trends für den April 2022: „Ähnlich wie in Kanada und den USA will sich die Winterluft auch bei uns noch nicht geschlagen geben. Zum Monatswechsel kommt Polarluft bis nach Deutschland und läutet mitsamt von Tiefdruckgebieten einen dauerhaften Wetterumschwung ein.”

Wie wird das Wetter im April 2022?

Alexander fährt fort: „Zunächst einmal geht es spürbar kälter weiter. Am ersten Aprilwochenende mit einstelligen Höchstwerten, verbreitetem Nachtfrost und sogar nächtlicher Straßenglätte.” Einerseits verweist der Wetterexperte auf gefrierende Nässe oder Reif. Andererseits seien aber auch bis in tiefere Lagen Schneeflocken möglich. Anschließend stelle sich eine West- bis Nordwestwetterlage ein. Und die habe neben kühleren und milderen Abschnitten auch wiederholt Niederschläge im Programm – ziemliches Aprilwetter also.

Prognose im Video - so entwickeln sich die Temperaturen jetzt weiter

März mit Dürre - April mit reichlich Regen

Bisher sind im März deutschlandweit keine 10 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen. „Das sieht in den Computerprognosen für den April 2022 aktuell ganz anders aus”, so Alexander. Dabei verweist er insbesondere auf die Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA: „Die experimentellen Monatsprognosen der NOAA sehen schon seit längerer Zeit einen deutlich zu nassen April auf uns zukommen. Diesen Trends tragen inzwischen ebenso die mittelfristigeren Trends bei den Wettermodellen Rechnung. Bis zur Monatsmitte sind nach dem GFS-Modell beispielsweise verbreitet 40 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter drin. In den Staulagen der Gebirge zum Teil sogar über 100 Liter pro Quadratmeter.”

Einzig der Nordosten Deutschland bleibt nach diesen Prognosen wohl trockener – hier seien es dem Meteorologen nach bei unter 30 Liter auf den Quadratmeter. Unser Klimafakt zur Einschätzung: Normal wären im Monat April im deutschlandweiten Schnitt um die 50 bis 60 Liter pro Quadratmeter.

Was machen die Temperaturen im April?

Zuerst geht es ja offensichtlich abwärts. Ein Trend, der sich laut unserem Wettermann auch in der Gesamtvorhersage abzeichnet: „Der April 2022 dürfte – nach Stand jetzt – am Ende eher durchschnittlich temperiert ausfallen.” Das mag jetzt zwar eher mau klingen. Aber gerade mit dem Fokus auf die bevorstehende Abkühlung und die Polarluft eröffne das natürlich auch Chancen, meint Alexander. Denn die zweite Monatshälfte könne die unterkühlte erste Hälfte des Aprils „mit deutlich mehr Wärme ausgleichen”.

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Fazit: Viel Regen und Polarluft sowie Frühsommer

Gerade die letzten Ausführungen unseres Meteorologen lassen doch hoffen. Natürlich braucht kaum jemand jetzt noch Eis und Schnee. Aber wenn sich das in der zweiten Monatshälfte durch Frühsommerfeeling ausgleicht, dann wäre es doch ein guter Kompromiss.

Kompromisslos erscheint dagegen ein Erreichen des Regensolls im Anschluss an den viel zu trockenen März. Ansonsten würden wir wohl direkt ins nächste Dürrefrühjahr reinrutschen. Dementsprechend heißt es nun erst Daumen drücken für den Regen und anschließend für ein Comeback von Sonne und Wärme – vielleicht sogar mit den ersten Sommertagen des Jahres. Das würde in der zweiten Aprilhälfte und gegen Ende des zweiten Frühlingsmonats auf jeden Fall auch zeitlich ziemlich gut passen.

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(bal/kfb)