Plötzlicher Tod eines geliebten Menschen - wie geht man mit der Trauer um?

Trauernde halten tröstend Hände
In der Trauerzeit sollte man nicht alleine sein. Auch wenn man sich erst einmal einigeln möchte, ist es wichtig zu wissen, dass man jederzeit mit jemandem sprechen kann. © iStockphoto

Janine Pink: Ihre Mutter überbrachte die traurige Nachricht von Ingo Kantoreks Tod

So extrem nah sind Freud und Leid manchmal beieinander: Gerade erst hat Janine Pink das Finale von "Promi Big Brother" gewonnen. Doch dann muss ihr ihre Mutter die schreckliche Nachricht vom tödlichen Unfall ihres Freundes und “Köln 50667”-Kollegen Ingo Kantorek (+44) überbringen. Die Produzenten der TV-Show und ihr Management hatten entschieden, die Nachricht bis zum Ende der Show zurückzuhalten. Denn wie alle "Promi Big Brother"-Kandidaten wurde auch die 32-Jährige bis zum Showende von der Außenwelt abgeschirmt.

Aber wie überbringt man Menschen eine solch furchtbare Nachricht? Die meisten von uns sind sich unsicher, wie sie mit Trauernden umgehen sollen. Sie haben Angst, etwas Falsches zu tun oder zu sagen. Diakonin Annette Wagner, Vorstandsmitglied beim Bundesverband für Trauerbegleitung e.V., klärt auf, wie man mit so einer Situation am besten umgeht.

"Das Setting muss in Trauerfällen stimmen"

„Wenn Janine Pink aus dem Container entlassen wird, befindet sie sich schon von vornerein in einem sehr sensiblen und emotionalen Zustand. Sie war mehrere Wochen von der Außenwelt abgeschnitten und stand während ihrer Teilnahme unter Dauerbeobachtung. Wenn das TV-Sternchen rauskommt, sollte das Setting unbedingt stimmen, um ihr die Nachricht vom verstorbenen Freund zu überbringen. Sie braucht in so einem Zustand einen Raum, der privat ist und in dem sie sich wohl und sicher fühlt.

Der Vermittler der Nachricht sollte jemand sein, dem sie vertraut. Es kann auch eine neutrale Person sein, dann sollte aber eine Vertrauensperson dabei sein. Wichtig für den Übermittler ist, dass er Janine alle Informationen gibt, die sie benötigt. Denn nur durch Informationen kann sie den Verlust nachvollziehen und verstehen. Der Nachrichten-Überbringer sollte auch Zeit und Ruhe mitbringen. Janine wird wahrscheinlich viel nachfragen, zum Beispiel wie der Unfall genau passiert ist, wie schnell das Auto war, etc. Und sie soll auch so viel nachfragen, wie sie möchte. Nur so kann sie den Verlust verstehen und einordnen.

Die Vertrauensperson sollte außerdem bei Janine nachfragen, was sie jetzt benötigt: Ruhe? Dann soll sie die bekommen. Will sie sich ablenken und in eine Disko gehen, so soll sie das machen. Das gilt auch für den Arbeitsplatz: Der/die Vorgesetzte tut gut daran, bei einem Trauerfall nachzufragen, was der Trauernde in diese Situation benötigt“, erklärt Annette Wagner.

Wer trauert, braucht drei Dinge, um sich zu stabilisieren

Diakonin Annette Wagner rät, diese drei Punkte in den Trauerprozess zu integrieren:

  • Zeigen Sie Ihre Gefühle

"Ganz egal, ob das Tränen oder Wut sind. Wer auf den Tisch hauen will, weil er wütend ist, darf das in einer solchen Situation machen. Trauer kennt nicht nur Tränen, sondern hat viele Gesichter und kann sich immer wieder anders zeigen."

  • Bleiben Sie nicht allein!

"In der Trauerzeit sollte man nicht alleine sein. Auch wenn man sich erst einmal einigeln möchte, ist es wichtig zu wissen, dass man jemanden hat, mit dem man jederzeit sprechen kann."

  • Erinnern Sie sich

"Es ist hilfreich, von der verstorbenen Person zu erzählen, so wird sie für einen Moment wieder lebendig. Das kann ein Gespräch sein, aber auch der Eintrag ins Tagebuch oder das Anschauen von Fotos. Erinnerung ist eines der größten Hilfsmittel bei der Trauerbewältigung.“

Hilfe zur Trauerbewältigung

Die Trauerbewältigung ist ein schwieriger Prozess, der lange Zeit dauern kann. Wer das Gefühl hat, zu lange in einer Trauerphase festzustecken, sollte unbedingt bei einem Trauerbegleiter oder Psychologen professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. 

Für Trauernde und ihr nahes Umfeld gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen, beispielsweise TrauerWelten e.V., einen Verein zur Begleitung trauernder Menschen. Auch Wohlfahrtsverbände, die es in jeder größeren Stadt gibt - wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Deutsche Rote Kreuz - haben Experten für die Trauerbewältigung.

Wer einfach mit jemandem reden möchte, egal zu welcher Uhrzeit, kann sich auch an die Telefonseelsorge wenden (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222). Vielen Menschen hilft aber auch ihr starker Glaube. Dort finden Trauernde Unterstützung. Aber egal, wo sich Betroffene Hilfe suchen, Unterstützung erfahren sie überall, denn Reden hilft bei der Trauerbewältigung mehr als das alleinige Auseinandersetzen.