Plastik-Rückstände: Fast alle unsere Kinder haben Weichmacher im Körper

Weichmacher: Fast jedes Kind belastet
Weichmacher: Fast jedes Kind belastet Alarmierende Studie 01:45

Gesundheitskritische Werte bei zwei Verbindungen überschritten

Diese Zahlen sind erschreckend: Fast alle Kinder und Jugendlichen haben Inhaltsstoffe von Plastik in sich, hauptsächlich Weichmacher. Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes und des Robert-Koch-Instituts mit 2.500 Teilnehmern. Für einen Teil der untersuchten Stoffe existieren keine gesundheitskritischen Grenzwerte - und bei denen, für die es welche gibt, wurden diese bei zwei Verbindungen überschritten. Mehr dazu im Video. 

Wir essen und atmen Plastik

Für die Studie wurden Urinproben von Kindern zwischen drei und 17 Jahren ausgewertet. Dabei wurden in fast allen Proben Rückstände von Plastikinhaltsstoffen gefunden, vor allem von Weichmachern. "Unsere Studie zeigt eindeutig, dass Plastikinhaltsstoffe mit steigender Produktion auch vermehrt im Körper auftreten", zitiert der "Spiegel" Marike Kolossa-Gehring, eine der Autorinnen der Studie und Toxikologin beim Umweltbundesamt. "Dabei ist wirklich besorgniserregend, dass die jüngsten Kinder als die sensibelste Gruppe am stärksten betroffen sind."

Plastik kann über die Nahrung und den Atem in unseren Körper gelangen. Nach Angaben australischer Forscher nehmen Menschen Tag für Tag Mikroplastik zu sich. Bis zu fünf Gramm der winzigen Teilchen gelangen so pro Woche in den Körper. Das ist in etwa so viel, wie eine Kreditkarte wiegt. 

"Langfristige Schäden können nicht sicher ausgeschlossen werden"

Es ist zwar nicht unmittelbar gefährlich, allerdings können langfristige Schäden für die Gesundheit nicht ausgeschlossen werden. Kürzlich untersuchte die WHO, wie gefährlich Mikroplastik im Trinkwasser ist.​ "Es ist zu wenig erforscht, wie die vielen Stoffe in ihrer Summe auf unsere Körper wirken", sagte die Grünen-Umweltgesundheitsexpertin Bettina Hoffmann. Bedenklich seien die in der Studie entdeckten hohen Werte von Perfluoroktansäure (PFOA). Bei 20 Prozent der Untersuchten lagen sie über dem Grenzwert, bei jüngeren Kindern war die Quote sogar noch höher. 

"Es kann nicht sein, dass jedes vierte Kind zwischen drei und fünf Jahren so stark mit Chemie belastet ist, dass langfristige Schäden nicht sicher ausgeschlossenen werden können", so Hoffmann. "Wir brauchen ein strengeres Chemikalienrecht", schreibt sie auf Twitter. PFOA ist in Outdoorbekleidung und in Pfannenbeschichtungen enthalten. In Tierversuchen war es krebserregend und fruchtbarkeitsschädigend. Ab 2020 gilt EU-weit ein Verbot für die Substanz. "Es ist schockierend, wie groß die Wissenslücken zur Belastung der Menschen mit Chemikalien sind. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Forschungsgelder für diesen Bereich zu erhöhen und ab sofort regelmäßig die Belastung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu messen", so Hoffmann.

Unsichtbare Gefahr in Luft & Nahrung: Mikroplastik
Unsichtbare Gefahr in Luft & Nahrung: Mikroplastik 02:04

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