Philippinen: Tausende stürmen aus Verzweiflung Reislager – mehrere Tote

Folgen des Taifuns sind dramatisch

Für die Überlebenden des Taifuns 'Haiyan' wird die Lage trotz der anlaufenden Hilfe immer dramatischer. Rund 11,3 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben von den Folgen des Wirbelsturms betroffen. Etwa 40 Prozent der Opfer sind Kinder. Viele haben ihre Eltern verloren, irren alleine in den Trümmern umher, haben Hunger, Durst, und Angst. Bei Plünderungen wurden jetzt acht Menschen getötet.

Folgen des Taifuns sind dramatisch
Eine Dusche zwischen den Trümmern - das Leid der Menschen nach dem Taifun ist groß.

Beim Sturm auf ein Reis-Lager auf der verwüsteten Insel Leyte seien acht Menschen von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden, sagte Rex Estoperez, Sprecher der nationalen Nahrungsmittelbehörde. Mehrere tausend Menschen hätten am Dienstag in Alangalan rund 100 Kilometer südlich von Tacloban das Lagerhaus gestürmt. Nach Angaben von Estoperez nahmen sie 129.000 Säcke Reis à 50 Kilogramm mit. Er bezifferte den Schaden auf umgerechnet gut 21 Millionen Euro. "Wir appellieren an diejenigen, die Reissäcke mitgenommen haben, sie mit anderen zu teilen und nicht zu verkaufen", sagte er.

Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Soldaten, die in der nahezu vollständig zerstörten Stadt Tacloban Schüsse in die Luft abgaben, um Plünderer zu vertreiben. Im Dorf Abucay sollen sich Sicherheitskräfte und bewaffnete Männer sogar ein Feuergefecht geliefert haben, nachdem die Plünderer Geschäfte und Lagerhäuser nach Lebensmitteln und Wasser durchforstet hatten.

Insgesamt 2.000 bis 2.500 Tote?

Die Zahl der Todesopfer auf den Philippinen ist mittlerweile offiziell auf mehr als 2.000 gestiegen. Immer wieder werden in den Trümmern der Verwüstung weitere Leichen gefunden. Die Katastrophenschutzbehörde nannte zuletzt die Zahl von 2.300 Todesopfern. Sie listet nur bestätigte Fälle auf und gibt keine Schätzungen. Das tat hingegen Präsident Benigno Aquino, der sich seit Anfang der Woche geweigert hatte, die von einem Lokalbeamten genannte Zahl von 10.000 Opfern zu akzeptieren. Er rechne mit bis zu 2.500 Toten, sagte er CNN.

Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde wurden mindestens 3.665 Menschen verletzt. Im Notstandsgebiet sind inzwischen mobile Einheiten mit Ärzten und Pflegern unterwegs, um den Menschen Erste Hilfe zu leisten - unter ihnen auch Teams aus Deutschland. Schlechtes Wetter macht die Versorgung der Überlebenden jedoch weiterhin schwierig.

In Tacloban wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Stadt zu verlassen, berichtet RTL-Reporter Dirk Emmerich aus dem Katastrophengebiet: "Die Opferzahlen sind zwar nach unten korrigiert worden, doch noch immer sind nicht alle Toten geborgen. Temperaturen um die 30 Grad und einsetzender Regen, während des angekündigten Tropensturms, könnte der Verwesungsprozess rasch voranschreiten." Es soll Desinfektionsmittel versprüht werden, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermindern.

Heftiger Regen hat viele der Trümmerfelder, in denen Menschen meist unter freiem Himmel hausen, unter Wasser gesetzt. Am Mittwoch hellte es sich in der Region um Tacloban zunächst auf, aber der Wetterdienst rechnet in den kommenden Tagen mit weiteren Regenfällen.