Philippinen: Taifun 'Haiyan' hinterlässt Katastrophengebiet

Landbewohner kommen auf der Suche nach Wasser in die Stadt

Vermutlich weit über 10.000 Tote, mehr als eine halbe Million Menschen sind obdachlos – Taifun 'Haiyan' hat die Philippinen in ein Katastrophengebiet verwandelt. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass gar 9,5 Millionen Menschen direkt vom Sturm betroffen sind.

Philippinen, Taifun, Haiyan
In der völlig verwüsteten Küstenstadt Tacloban herrschen Anarchie ähnliche Zustände: Ladenbesitzer greifen im Kampf gegen Plünderer sogar selbst zur Waffe.

"Wir haben nichts, hier kommt nichts an", berichtete Gilda Mainao aus der fast ganz zerstörten Stadt Tacloban im Rundfunk. "Bitte, bitte schickt uns Hilfe." 40 Tonnen Hilfsgüter wurden dort bisher verteilt - nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Erste Flüge trafen mittlerweile im Krisengebiet ein und brachten Mediziner, die am Flughafen notdürftig eine Krankenstation einrichteten. "Ich versichere allen: Die Hilfe kommt in den nächsten Tagen schneller an. Ich appelliere an alle: Bleibt ruhig, betet und helft einander. Nur so können wir diese Tragödie meistern", beschwor Präsident Benigno Aquino seine Landsleute.

Erste Geschäfte wurden schon geplündert, ein Hilfskonvoi wurde nach Angaben des Roten Kreuzes ausgeraubt. "Die Sicherheitslage wird eine immer größere Herausforderung", schrieb Greg Barrow, Sprecher des UN-Ernährungsprogramms, auf Twitter. "Die Bevölkerung bewegt sich vom Land in die Stadt auf der Suche nach Wasser, Essen, Hilfsmitteln." Polizeisprecher Reuben Sindac sagte im Fernsehen: "Die Leute sagen, die Situation zwingt die Menschen zu Verzweiflungstaten. Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren."

Aufgrund zerstörter Flughäfen und verschütteter Straßen gelangen Rettungskräfte und Hilfsgüter nur schwer in die betroffenen Krisengebiete. Kilometerlange Trümmerwüsten machen das Vorankommen fast unmöglich.

In den Straßen liegen überall Leichen

Überall in den Straßen liegen Leichen. Nach drei Tagen in der schwülen Hitze sei der Verwesungsgeruch überwältigend, sagte ein Augenzeuge im Radio: "Der Gestank ist entsetzlich, die Kinder halten es nicht mehr aus." Die Lokalbehörden bereiteten Massengräber vor, aber angesichts des Elends der Überlebenden gibt es nicht genügend Helfer für alle Aufgaben. Tausende Soldaten sind im Einsatz, auch die US-Armee ist vor Ort.

Ein erster Lichtblick: Im Hafen der schwer verwüsteten Küstenstadt Tacloban ist mittlerweile ein erstes Versorgungsschiff mit 140 Tonnen Hilfsgütern eingetroffen. Aus Frankfurt wurden 25 Tonnen Hilfsgüter nach Manila geflogen, darunter Decken, Zelte und Medizintechnik der Hilfsorganisationen World Vision und I.S.A.R Germany. Auch Experten des Technischen Hilfswerks THW befinden sich auf dem Weg ins Krisengebiet.

Die Polizei hat inzwischen Hundertschaften zur Verstärkung nach Tacloban geschickt. Dort soll eine Ausgangssperre verhängt werden, berichteten Lokalmedien. "Die Leute sagen, die Situation zwingt die Menschen zu Verzweiflungstaten“, sagte Polizeisprecher Reuben Sindac im Fernsehen. "Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren."

'Haiyan' war der gewaltigste Taifun, der je Land erreicht hat. Er hinterließ am Freitag eine Schneise der Verwüstung über Hunderte Kilometer. Präsident Aquino warf nach einem Besuch im Katastrophengebiet die Frage auf, warum die Behörden nicht mehr Menschen vorher in Sicherheit gebracht haben.

Unterdessen brachte 'Haiyan' auch Tod und Zerstörung in die südchinesische Provinz Hainan. Dort starben mindestens drei Menschen, als heftiger Sturm und sintflutartige Regenfälle niedergingen. 39.000 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Eine siebenköpfige Crew eines Frachtschiffs gilt nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua vor der Küste Hainans als vermisst. Auch die nahe gelegenen südchinesischen Provinzen Guangxi und Guangdong wurden laut der Agentur von den Ausläufern 'Haiyans' getroffen.