Philippinen: Neuer Sturm rollt auf Taifun-Opfer zu

Bewohner von Tacloban stehen knietief in stinkender Brühe

Ausläufer eines neuen Sturmtiefs haben das Leid der Taifun-Überlebenden auf den Philippinen vergrößert. Heftiger Dauerregen, verursacht durch Sturmtief 'Zoraida', erschwerte die Ausgabe von Hilfsgütern und setzte Teile der Krisenregionen im Südosten des Landes erneut unter Wasser.

Philippinen, Taifun, Haiyan
Super-Taifun 'Haiyan' hat ihnen alles genommen: Aus Trümmern errichten Menschen provisorische Unterstände.

Trümmerberge behinderten den Abfluss des Wassers. Viele Menschen, die seit Tagen nur unter notdürftig zusammengebauten Dachresten oder Plastikplanen leben, standen in der verwüsteten Stadt Tacloban teils knietief in einer durch Fäkalien, Kadaver und Müll verseuchten stinkenden Brühe.

Soldaten mussten Hunderte Menschen zurückhalten, die in strömendem Regen auf das Rollfeld des Flughafens in Tacloban drängten. Diese versuchten, mit einer der Militärmaschinen aus der 'Hölle von Tacloban' zu entkommen.

"Die Probleme sind immens, das Gebiet ist riesig, aber wir tun alles Menschenmögliche", versicherte Innenminister Mar Roxas. "Die gute Nachricht ist, dass der Mobilfunk wieder funktioniert." 55.000 Nahrungsmittelpakete für Familien sollen jeden Tag verteilt werden. Die Versorgung ist aber längst noch nicht ausreichend. Immer mehr Menschen strömen aus dem Umland nach Tacloban, weil ihre Regionen von Taifun 'Haiyan' zerstört wurden. Dort kamen zunächst keine Hilfskonvois an.

Die Zahl der Opfer durch den gewaltigsten Taifun, der je an Land kam, ist weiter völlig unklar. Schätzungen gehen in die Tausende. Der Bürgermeister von Tacloban, Alfred Romualdez, sagte CNN, bisher seien 250 Leichen geborgen worden. Viele weitere würden unter den Schuttbergen vermutet. Auf der Insel Samar, wo Taifun 'Haiyan' am Freitag über die Küste hereinbrach, seien mehr als 500 Menschen in Massengräbern beigesetzt worden, sagte Gouverneurin Sharee Ann Tan im Rundfunk. 2.000 Menschen würden vermisst.

Ein Fernsehteam des Senders ABS-CBN erreichte die Ortschaften Dulag, Tolosa und Palo gut 20 Kilometer südlich von Tacloban. Entlang der Straße standen Kinder und flehten um Wasser und Essen. Auf einer Verkehrsinsel zwischen den Fahrspuren der Hauptstraße seien dort zahlreiche Tote notdürftig begraben worden, berichteten die Reporter.

USA verlegen Flugzeugträger in die Krisenregion

Von Hongkong aus startete der US-Flugzeugträger 'USS George Washington' "mit Volldampf" in Richtung Philippinen, wie ein Pentagon-Sprecher in Washington sagte. Er hat 5.000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeuge und Helikopter an Bord.

Begleitet werde er von zwei Kreuzern und einem Zerstörer der US-Marine. Zwei weitere Schiffe seien bereits unterwegs. Die Soldaten sollten auch bei der medizinischen Versorgung eingesetzt werden. Die US-Regierung kündigte zudem humanitäre Hilfe in Höhe von 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) an, darunter 55 Tonnen Nahrungsmittel und wichtige Hygieneartikel. Eine erste Ladung zur Versorgung von etwa 10.000 Familien sei auf dem Weg.

Die Europäische Union hat die Hilfe von drei auf zehn Millionen Euro aufgestockt, wie der Entwicklungskommissar Andris Piebalgs in Manila sagte: "Das Ausmaß der Schäden ist noch unklar, aber eines steht fest: Die Lage ist katastrophal."

Auch Deutschland stockte seine Hilfe um eine Million Euro auf, wie der amtierende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nach Gesprächen mit dem philippinischen Außen-Staatssekretär Evan Garcia in Neu Delhi mitteilte. Das Geld geht an die deutschen Hilfsorganisationen, die Verletzten und Obdachlosen vor Ort helfen. Am Wochenende hatte die Bundesregierung bereits 500.000 Euro zur Verfügung gestellt.