Philippinen: Chaotische Lage mit Hoffnungsschimmer

Erstes Massenbegräbnis in Tacloban

Auch fast eine Woche nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen sind noch immer nicht alle Überlebenden versorgt. Nun versprach der Verteidigungsminister Voltaire Gazmin nach einer Krisensitzung mit der Behörde für Katastrophenschutz, dass spätestens heute alle Betroffenen mit Hilfsgütern erreicht würden. Ob das Versprechen eingehalten werden kann, ist allerdings zweifelhaft.

Zerstörung, wo man nur hinschaut. Aber Hoffnung naht
Eine Frau sucht verzweifelt inmitten der Zerstörung nach ihrem Hab und Gut.

Gleichzeitig wehrte sich die Regierung gegen Vorwürfe, die Notversorgung sei nicht schnell genug angelaufen. Das Ausmaß der Katastrophe sei einfach überwältigend gewesen. Bisher sind laut offizieller Angaben 2.357 Menschen umgekommen. Präsident Benigno Aquino sagte 'CNN', dass er mit bis zu 2.500 Toten rechnet. Die geschätzte Zahl von Lokalbeamten, die 10.000 Opfer vermuteten, weigerte er sich zu akzeptieren. "Wir wissen, dass es noch Gegenden gibt, wo Leichten unter den Trümmern vermutet werden", äußerte Gazmin und betonte, die Bergung der Leichen habe nun Priorität, aber die Trümmerberge behinderten die Arbeiten. "Wir wollten uns erst um die Lebenden kümmern", so Gazmin weiter. "Die Anwohner flehen und regen sich auf – wir machen wirklich, so schnell es geht", sagte Alfredo Gimao, ein Helfer aus Manila in Tacloban.

In Tacloban fand heute das erste Massenbegräbnis statt. Auf einem Friedhof am Fuß eines Berges am Rande der Stadt wurden 94 Leichen ohne Zeremonie und ohne Gebet beigesetzt. Arbeiter schaufelten Erde auf die Toten. Die meisten waren in Leichensäcke, einige in Decken gewickelt. "Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben", sagte Bürgermeister Alfred Romualdez.

Hoffnung durch Berichte von kleinem Wunder und Ankunft eines US-Flugzeugträgers

Aber es gibt auch Berichte von kleinen Wundern im Krisengebiet. Erst gestern kam ein 13-jähriges Mädchen mit tiefen Schnittwunden ins Krankenhaus von Tacloban. Sie hatte fünf Tage, eingeklemmt unter den Trümmern ihres Hauses, neben den Leichen ihrer Eltern und Geschwister ausgeharrt.

Anwohner und Helfer bestätigen solche Schicksale und berichten von einem unerträglichen Verwesungsgestank. RTL-Reporter Dirk Emmerich aus dem Katastrophengebiet: "Temperaturen um die 30 Grad und einsetzender Regen während des angekündigten Tropensturms – das könnte den Verwesungsprozess rasch voranschreiten lassen." Nun sollen Desinfektionsmittel versprüht werden, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermindern.

Das Versprechen des Verteidigungsministers Gazmin, dass heute jeder Hilfe bekomme, könnte durch das Eintreffen des US-Flugzeugträgers 'USS George Washington" gehalten werden. Denn das Schiff mit mehr als 5.000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeugen und Hubschraubern an Bord beschleunigt die Verteilung der Hilfsgüter in abgelegene Regionen des Notstandsgebiets deutlich. "Hier landen jetzt Hubschrauber im Minutentakt, die Hilfspakete rausfliegen", sagte der Sprecher der deutschen Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany, Mark Rösen.

Diese Beschleunigung ist auch dringend notwendig, denn Dirk Emmerich berichtet aus der Provinzhauptstadt Tacloban, dass zu wenig Hilfe eintrifft: "Alleine gestern waren das 44.000 Essensportionen und 35.000 Halbliterflaschen. Das ist auf den ersten Blick eine ganze Menge, aber Tacloban hat 220.000 Einwohner und damit wird schon deutlich, es ist zu wenig, es reicht nicht." Von Plünderungen und Schießereien ist immer wieder die Rede. Der Flugzeugträger der US-Marine beschleunigt nicht nur die Verteilung der Hilfsgüter, sondern kann zusätzlich mit einer Wasserentsalzungsanalage täglich 1,5 Millionen Liter Trinkwasser herstellen. Eine Menge Wasser, die tausende Überlebende dringend benötigen.

Währenddessen stockte die Bundesregierung die Hilfe für die Philippinen um weitere drei Millionen Euro auf. Damit stünden nun insgesamt 4,5 Millionen Euro für humanitäre Sofortmaßnahmen bereit, teilte das Auswärtige Amt mit. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sicherte den Philippinen auch Unterstützung beim Wiederaufbau zu.